Ist Kuratieren King? Wie Bookchoice den Abo-Markt aufmischen will

Beim Thema E-Book-Abos geben bislang die Flatrate-Anbieter den Ton an – hierzulande allen voran Skoobe, außerdem Amazon mit Kindle Unlimited. Im Sommer tritt ein weiterer Akteur hierzulande auf den Plan, der mit einem ganz anderen Ansatz punkten will. Im Interview beschreibt Nathan Hull die Vorzüge und Zielrichtung von Bookchoice.

Bookchoice versteht sich als „Buch-Boutique“, in der Nutzer für einen niedrigen Monatspreis (in den Niederlanden aktuell 3,99 Euro für 8 E-Books/Hörbücher) eine bestimmte Anzahl von E-Books zum Download erhalten, möglichst passend auf sie zugeschnitten. Außerdem setzt Bookchoice auf Partnerschaften mit großen Marken, die ihren Kunden als goodie einen Zugang zum E-Book-Dienst verschaffen.

Gesteuert wird das Projekt von Nathan Hull (Foto: Niklas Maupoix), der früher in der Musikbranche (bei Universal) aktiv war, bevor er als Digital Director bei Penguin und anschließend dem dänischen E-Book-Flatrate-Anbieter Mofibo arbeitete. Erste Erfolge erzielte Bookchoice in den Niederlanden unter dem Namen Ellys Choice, mit finanzieller Rückendeckung eines niederländischen Millionärs (hier weitere Infos zum Unternehmen).


Den Ansatz und die Ziele von Bookchoice stellt Nathan Hull ausführlich beim Bookwire Publishers Day am Donnerstag, 27. April, in Frankfurt vor. Die Veranstaltung richtet sich an die Verlagskunden von Bookwire, sie findet zum dritten Mal im Literaturhaus Frankfurt statt. Für den Tag geplant ist ein facettenreiches Programm mit Keynotes, Workshops und Diskussionsrunden sowie viel Zeit zum Netzwerken und Kennenlernen. buchreport begleitet den Tag als Medienpartner.

 

Nathan Hull (Foto: Niklas Maupoix)

Wo liegen die Vorteile des Bookchoice-Modells im Vergleich zu Flatrate-Angeboten wie Oyster & Co.?
Nathan Hull: Ich habe an beiden Enden der Angebots-Skala gearbeitet – und außerdem als Verleger –, daher kann ich die Vorzüge eines fokussierten und kuratierten Dienstes mit voller Überzeugung unterstreichen. Ich bin davon überzeugt, dass Bookchoice den Lesern einen besseren Dienst erweist, da diese von einer endlosen Qual der Wahl erlöst werden. Wir treten damit an, Titel zu wählen, die unsere Leser spannend finden, ihren Geist animieren und ihre Imagination in Gang setzen. Diese Verantwortung nehmen wir sehr ernst.

Neben dem kuratierenden Ansatz setzt Bookchoice außerdem auf Kooperationen mit großen Marken. Welchen Vorteil haben Verlage dadurch?
Durch diese Marken-Partnerschaften gewinnen wir neue Leser. Egal ob Eisenbahn-Gesellschaften, Fluglinien, Kaffeehausketten, Tankstellen oder Banken – unsere Erfahrungen in den Niederlanden und das Feedback der Verlage zeigen, dass wir neue Zielgruppen erreichen, die sonst nicht dazu animiert worden wären, ein E-Book zu lesen oder Hörbuch zu hören. Unsere Methode verhilft Verlagen und Autoren zu einer zusätzlichen Reichweite und zu neuen Einkommensquellen in einem Bereich der Gesellschaft, der sonst kaum konvertiert. In einer Zielgruppe, die Filme und TV-Serien und Musik digital konsumiert, aber bisher keine Bücher liest. Wir sind davon überzeugt, dass der kuratierende Ansatz gut zu dieser Demografie passt, weil die Auswahl eines neuen Buchs so einfach wird wie den Fernseher anzuschalten oder sich bei seinem Musik-Streamingdienst einzuloggen.

Kuratieren ist vielleicht King – aber nur dann, wenn man den Kunden sehr genau kennt. Wie finden Sie passende Titel für unterschiedliche Lesertypen?
Der erste Ansatz: Wir lesen sehr viel! Allein im Bereich Inhalte-Akquise arbeiten sechs passionierte Leser aus verschiedenen Ländern, die unterschiedliche Sprachen beherrschen. Um neue Kunden zu gewinnen, muss es eine Balance aus bekannten Autoren-Namen und Neuentdeckungen, Debütanten oder frisch übersetzten Büchern aus der ganzen Welt geben. Wir möchten zu unseren Lesern ein Verhältnis aufbauen, bei dem sie unseren Empfehlungen dahingehend vertrauen, dass sie bei Autoren oder Genres hineinschnuppern, die sie sonst nicht ausprobiert hätten.

Eine aktuelle Studie der Uni Hamburg zeigt, dass Angebote wie Blendle den Presseverlagen keine neuen Leser bescheren, weil es einfach zu viele kostenlose Inhalte im Netz gibt. Stattdessen riskieren Verlage, die bei Blendle & Co. mitmachen, ihre Bezahlkunden zu verlieren…
Das Internet ist unendlich, aber wo gibt es dort einen kuratierenden Fokus? Wo finden die Nutzer Qualität? Die Qualität einer auf Dich zugeschnittenen perfekten Lektüre oder der Entdeckung eines Autors, der bisher unter dem Radar flog? Die Qualität des guten Sounds eines Hörbuchs? Ich bin fest davon überzeugt, dass die Konsumenten kommen und bleiben werden, wenn die Plattform eine kuratierte Auswahl kontinuierlich exzellenter Inhalte und passender Preis-Mechanismen bereithält. Wir von Bookchoice wissen das genau, wir sind gut darin, Kunden zu behalten und glücklich zu machen. Wir können außerdem anhand unserer Statistiken zeigen, dass bei einem Titel aus unserem Angebot, mit der Unterstützung unserer Marketing-Partner, der Absatz der Bücher-Verkäufe zum vollen Preis deutlich angekurbelt wird, im Bereich von 10 bis 1000 Exemplaren. Wir wissen also, dass unsere Kunden nicht nur bei uns lesen, sondern auch Geld in der restlichen Buchbranche ausgeben.

Sie haben ihr Angebot mit der Marke Ellys Choice in den Niederlanden gestartet. Wie sehen Ihre Learnings dort aus, mit denen Sie jetzt andere europäische Märkte ansteuern?
In den Niederlanden sind wir fast schon drei Jahre alt. Am wichtigsten ist es für uns, dass wir die Zusammenarbeit mit großen Marken-Partnern beherrschen – von den Marketing-Botschaften über die technische Ausführung bis hin zur Kenntnis der Buch-Typen, die funktionieren. Wir haben unsere Methode, neue Leser anzulocken und zu behalten, immer weiter verfeinert. Darüberhinaus haben wir viel Vertrauen bei großen Verlagen, Autoren und Agenten aufgebaut, aus Holland und darüberhinaus. Sie haben verfolgt, wie wir uns zu einer vertrauenswürdigen Plattform entwickelt haben, die ihnen zusätzliche Erlöse und Aufmerksamkeit beschert. Aber natürlich wäre es naiv davon auszugehen, dass Alles aus Holland auf jeden anderen Markt zu übertragen wäre, daher haben wir viel Marktforschung betrieben und Rechtsberatung eingeholt, um herauszufinden, mit welchen Strategien Bookchoice in bestimmten Märkten starten sollte. Gerade in Deutschland hat dies dazu geführt, dass wir Gespräche mit so viel Verlegern wie möglich geführt haben. Und sie waren sehr hilfreich.

Wie sehen Ihre konkreten Pläne für Deutschland aus?
Im Sommer, während der Ferien, lesen die Leute immer sehr viel – daher sind wir erpicht darauf, diese Chance zu nutzen. Im Frühjahr wird Bookchoice die Kontakte zu Verlagen ausbauen und viele tolle Titel für den Deutschland-Start akquirieren. Im Mai nehmen wir am Publishers Forum in Berlin teil, außerdem werden wir beim Publishers Day von Bookwire in Frankfurt eine Keynote halten – so tauchen wir noch tiefer in den deutschen Markt ein und lernen die Reichtümer und Besonderheiten kennen.

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