Journalistisch-digitaler Kern

Nachdem sich viele Zeitungsverlage in den vergangenen Jahren breiter aufgestellt und neue Geschäftsfelder erschlossen haben, wollen sie sich 2017 wieder auf das journalistische Kerngeschäft konzentrieren. Das ist das zentrale Ergebnis einer repräsentativen Trendstudie des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und der Unternehmensberatung Schickler. Detailbefunde:

  • 70% der Zeitungshäuser geben an, dass die Entwicklung neuer journalistischer Produkte in diesem Jahr Priorität hat.
  • Das gilt noch ausgeprägter (81%) für große Verlage mit Auflagen ab 100.000 Exemplaren.

„Die Verlage wollen ihre redaktionellen Angebote vor allem im Digitalen ausbauen und hier auch signifikante Umsätze erzielen“, so BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff. Für den Printbereich erwarten die Verlagsmanager hingegen weiterhin leicht rückläufige Vertriebs- und Werbeerlöse.

Verlagsübergreifend werden in der Studie 3 Digitaltrends identifiziert:

  • Soziale Vernetzung: Mit reinen Social-Media-Inhalten und -Redakteuren soll die Präsenz in sozialen Netzwerken ausgebaut werden. Vor allem der von Verlagen vergleichsweise wenig genutzten Messenger-App „WhatsApp“ wird großes Potenzial zugetraut, um Leser künftig direkt zu erreichen.
  • Big Data: Algorithmen und Datenanalysen sollen zum festen Bestandteil der Arbeit werden. Sie sollen besonders für den Vertrieb und bei der Produktentwicklung Erkenntnisse liefern. Auch personalisierte Inhalte sind hier für die Zeitungshäuser ein Thema.
  • Digitaler Kern: Digitales Know-how ist nicht mehr Zusatzqualifikation, sondern Kernkompetenz. Das schlägt sich u.a. in der Personalsuche nieder.
»WhatsApp« in Redaktionen
  • „WhatsApp“ hat 37 Mio Nutzer in Deutschland. Die App war Platz 1 der „iOS“-Jahres­charts 2015 und 2016.*
  • Zeitungen nutzen den Messenger als Zwei-Wege-Kanal:
  • Regelmäßiges News-Update aus der Redaktion direkt auf das Handy des Users
  • Inbound-Kanal für Leserfragen und -hinweise
  • Zeitungen bieten über den Messenger verschiedene Newsletter-Formate an:
  • Ausgewählte redaktionelle Beiträge am Morgen/Abend
  • Rubriken- und Spartenmeldungen (beispielsweise Sport)
  • Eilmeldungen

* Quelle: Bitkom: „Zwei von drei Internetnutzern verwenden Messenger“, 2016; Apple-Ranking kostenloser Apps

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