Michael Krüger: »Wahnsinnig viele schlechte Bücher«

Michael Krüger (Foto: wikipedia.org/Lesekreis)

Knapp 2 Jahre nach seinem Ausscheiden als der langjährige Hanser-Verleger hat Michael Krüger einen großen Auftritt (6 Seiten) im Wirtschaftsfeuilleton-Magazin „Brandeins“ (11/2016) im Schwerpunktteil „Intuition“. Krüger (72) erzählt im Interview unter der Überschrift „Ich weiß, dass der Gott der Poesie existiert“, von den erfolgreichen Entdeckungen unter seiner Ägide wie Umberto Ecos „Der Name der Rose“ und Henning Mankell, dessen Namen er sich am Starnberger See auf Empfehlung auf einer Serviette notierte.

Krüger stellt auch klar, dass da nicht nur ein intuitiv arbeitender Feingeist am Werk war: „Ich habe mir jeden Morgen die Zahlen angesehen: Verkaufszahlen, Deckungsbeiträge, Lagerkosten. Das sind etwa 50 Kennziffern.“ Das trainiere das Gespür für Strohfeuer- und sich langsam entwickelnde Titel.

Ein paar markante Krüger-Zitate aus dem „Brandeins“-Interview über den Markt:

  • „Wenn Verleger den Erfolg kalkulieren könnten, gäbe es nicht so wahnsinnig viele schlechte Bücher, die nach drei Monaten wieder weg sind.“
  • „Von den etwa 20.000 literarischen Titeln, die jedes Jahr erscheinen, ist mehr als die Hälfte zu Recht schnell vergessene Saisonware, kein Mensch kräht danach. Es geht um Marktmacht.“
  • „Natürlich sind das Verlustgeschäfte, das weiß man vorher. Aber es macht Vergnügen, Bücher zu haben, in denen jede Zeile stimmt und kein Wort zu viel ist“ (über Lyrik).

Lob verteilt Krüger an die „fantastische“ Felicitas Feilhauer, die Hanser-Marketingleiterin, die zum 30. November in den Ruhestand geht. Zum aktuellen Hanser-Programm und der Arbeit seines Nachfolgers Jo Lendle sagt Krüger kein Wort, sondern nur so viel: Seine Hoffnung seien die kleinen Verlage wie Matthes & Seitz, Jung und Jung, Edition Nautilus und Klaus Wagenbach („immer noch einer der besten europäischen Verlage“).

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