Bezahlbeutel wird zur Regel

71 Kunststofftüten benutzt und entsorgt der Durchschnittsverbraucher jährlich. Damit liegt Deutschland zwar deutlich unter dem europaweiten Durchschnitt von 198 Tüten pro Kopf und Jahr, aber die Nachteile des Wegwerfbeutel-Mülls sind dennoch nicht zu negieren, urteilt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Zumal auch hierzulande klarer Handlungsbedarf besteht, und zwar aufgrund der Richtlinie der Europäischen Union, dass im Jahr 2025 jeder EU-Bürger im Schnitt nur noch 40 Plastiktüten verbrauchen soll. Nach Sondierungen zwischen Handelsverband Deutschland (HDE) und dem Bundesumweltministerium (BMUB) soll deshalb die kostenlose Plastiktüte zum Auslaufmodell werden.

Die neue Anforderung soll in Form einer freiwilligen Selbstverpflichtung zu einer Tütengebühr erfolgen. Als ehrgeiziges Ziel hat der Einzelhandelsverband ausgerufen, dass bereits ab dem 1. April 60% aller Plastiktüten im Einzelhandel nicht mehr kostenlos verschenkt, sondern verkauft werden. Einige wichtige Partner hat der HDE bereits für die Selbstverpflichtung gewonnen, u.a. Karstadt, DM, Tchibo und Media-Saturn. Auch Buchhändler können und wollen sich anschließen, wie der Südwestfilialist Osiander.

„Es ist enorm wichtig, dass die Filialisten mitmachen“, betont Kyra Dreher, die fürs Sortiment zuständige Geschäftsführerin des Börsenvereins, um rasch das erforderliche Volumen zusammenzubekommen: „Nur so kann die Branche das nötige Signal in Richtung BMUB senden.“ Dreher begrüßt die Initiative, weil eine Selbstverpflichtungslösung den Händlern „Spielraum lässt, sich in dieser Frage selbst zu positionieren“.

Sie rät Sortimentern zur Beteiligung an der Selbstverpflichtungsvereinbarung, zumal die Buchhandelskundschaft ohnehin aufgeschlossener für Umweltthemen sei als der Bevölkerungsdurchschnitt. „Viele Händler konnten den Verbrauch bereits massiv reduzieren, indem sie Tüten nicht mehr aktiv anbieten, sondern nur noch auf Anfrage herausgeben.“ Welche Tütenlösung für einen Händler passend sei, müsse er „mit festem Blick auf die eigene Kundschaft herausfinden“. Denkbar seien neben kostenpflichtigen Plastikbeuteln auch Papiertüten oder Stoffbeutel, die sich besonders für ein Pfandtaschensystem anbieten.

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