Unruhe im Amazon-Labor

Noch vor Weihnachten hatte Jeff Bezos (Foto) den Flop des Amazon-Smartphones in einem Interview heruntergespielt – erst die Zeit werde zeigen, ob sich das Fire Phone doch noch durchsetze; solche mutigen Experimente seien wichtig und würden durch andere, bereits erfolgreiche Experimente kompensiert. Und doch hat der Amazon-Chef offenbar längst Konsequenzen aus dem Debakel gezogen.

Obwohl Bezos seinerzeit erklärte, sein Hardware-Team mache insgesamt einen „großartigen Job“, wurden in den vergangenen Monaten laut des Wirtschaftsmagazins „Fastcompany“ zahlreiche hochrangige Manager beim „Lab 126“ entlassen, darunter Malachy Moynihan, als Vice President für die digitalen Produkte zuständig; Ian Freed, der im Lab für die Geräte verantwortlich war und das Marketing des Fire Phone gesteuert habe, habe ein Sabbatical genommen. Der bisherige Kindle-Chef im Lab, David Foster, habe die Verantwortung für die Entwicklung neuer Produkte übernommen.

Lab126 (das Foto zeigt eines der vielen Gebäude) ist die Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Amazon, die im Silicon Valley sitzt und Produkte wie das Fire Phone, aber auch die erfolgreichen Kindle-Lesegeräte konzipiert hat.

Die Hintergründe der Entlassungen und des Umbaus sind unklar. Sie seien möglicherweise auf die ineffiziente Struktur des Lab zurückzuführen, so die eine Erklärung. Dieses habe vor 5 Jahren noch rund 100 Mitarbeiter gehabt, inzwischen habe es aber mit 3000 Mitarbeitern seinen Startup-Charakter verloren; es habe zahlreiche Doppelbesetzungen gegeben, Abteilungen hätten komplett voneinander abgeschottet gearbeitet. Eine neue Struktur solle jetzt dafür sorgen, dass Amazon mehr Hardware schneller auf den Markt bringen könne. Dazu wolle Amazon in den kommenden Jahren rund 55 Mio Dollar ins Lab investieren. 

Andere Mitarbeiter erklärten dem Magazin, die Restrukturierung hänge direkt mit dem Misserfolg des Amazon-Smartphones zusammen. Laut „Fastcompany“ ist die Stimmung im „Fire Phone“-Team schlecht, viele Mitarbeiter seien zu anderen Projekten abgezogen worden.

So oder so steht Amazon unter großem Druck. Das „Wall Street Journal“ bilanziert 2014 als schlechtestes Amazon-Jahr seit 2008 auf den Kapitalmärkten. Die Aktie habe über 22% verloren; der Wert von Bezos Aktienpaket (rund 18% der Firmenanteile) habe auf dem Papier 7,4 Mrd Dollar an Wert verloren.

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