Gütersloh macht das Licht aus

Der Bertelsmann Club ist die 1950 von Reinhard Mohn als „Lesering“ gegründete Keimzelle des Bertelsmann-Konzerns.

Nach jahrelangen Umsatzrückgängen zieht Bertelsmann beim Club den Stecker: Das Geschäft wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz in den kommenden Monaten abgewickelt, 2015 soll ganz Schluss sein, dann schließt der letzte Standort in Gütersloh. Bertelsmanns Club-Geschäft beschränkt sich nach dem deutschen Rückzug auf Ukraine und Russland (wo der Verkauf 2012 abgeblasen wurde, mit der Begründung, die Unternehmen machten „auch ergebnisseitig“ Freude) und eine 50%-Beteiligung in Spanien.

Trotz intensiver Versuche, das Clubmodell weiterzuentwickeln, habe sich im deutschen Markt gezeigt, dass das Geschäftsmodell des Clubs wirtschaftlich keine tragfähige Perspektive mehr habe, begründet Fernando Carro den Schritt. Carro ist bei Bertelsmann unter anderem verantwortlich für die Club- und Direktmarketinggeschäfte verantwortlich. Konkret nennt Carro die seit vielen Jahren abnehmende Bindungsbereitschaft der Kunden, außerdem den tiefgreifenden Wandel im Buchhandel in den vergangenen Jahren, dies habe man trotz des erfolgreichen Ausbaus der Geschäfte an anderen Stellen und trotz vieler innovativer Konzepte leider nicht kompensieren können. 
Christoph Mittendorf, Geschäftsführer der DirectGroup Germany, kündigt umgehend Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern an, um möglichst schnell einen Interessenausgleich und Sozialplan zu entwickeln. Für die Kunden der Geschäfte der DirectGroup Germany ändere sich vorerst nichts: Der Geschäftsbetrieb laufe weiter, sie könnten wie üblich ihre Bestellungen per Katalog, Website und Telefon aufgeben.
Aktuell unterhält die DirectGroup Germany nach eigenen Angaben 52 Filialen und betreut eine „hohe sechsstellige Anzahl“ an Club-Mitgliedern. Zum Vergleich: Die Direct Group war einst eine Konzernsparte mit einem Umsatz von über 3 Mrd Euro; 2010 lag die Zahl der Club-Standorte noch bei 240; und 1992, profitierend von der deutschen Wende, verzeichnete der Club noch über 6 Mio Mitglieder.

Der Abschied vom Club hatte sich bereits seit Jahren abgezeichnet.

Kommentare

1 Kommentar zu "Gütersloh macht das Licht aus"

  1. Da wird jetzt die ganze Entwicklung im Buchhandel sehr deutlich, der vor allem im stationären Geschäft sehr zu kämpfen hat.

    Dazu kommt sicher auch die große Verlagerung der Buchverkäufe via Internet.

    Und das ganze Kaufverhalten der Leser/innen hat sich im Buchhandel in den letzten fünf bis zehn Jahren sehr verändert.
    Jüngere Kunden an einen Buchclub, wie den Bertelsmann Buchclub heranzuführen und dann auf längere Sicht auch zu binden, ist schwieriger geworden.
    Es fehlt eben die mittlere nachwachsende Generation an Lesern und zudem geht die Digitalisierung von Büchern und die Entwicklung der E-Books immer weiter und schneller voran.
    Bis jetzt läuft noch der Versand der Buchkataloge von Bertelsmann.

    Bei dem jetzt voranschreitenden Rückbau der noch vorhandenen Buchklubs von Bertelsmann muss von der Geschäftsleitung der Zentrale in Gütersloh für die Mitarbeiter/innen der Buchclubs dringend ein Sozialplan aufgestellt werden.
    So schmerzlich alle diese Entwicklungen jetzt sind, zieht Bertelsmann mit der ganzen Aufgabe seiner Buchclubs das Ruder herum. Es wird eine Konsolidierung einer bestimmten Ausrichtung der Bertelsmann Gruppe angestrebt.

    Im Zuge dieser Umgestaltung bei Bertelsmann müssen die Belange der bisherigen Beschäftigten in den Buchclubs gesehen werden.
    Es wäre z. B. zu überlegen, wo und ob eine Anzahl dieser im Verlag noch irgendwie unterzubringen wäre.

    Aber man soll in den Vorschlägen nichts unversucht lassen.
    Eine Art von Neuaufstellung bei Bertelsmann muss jetzt auch die Mitarbeiter/innen der Buchclubs, die geschlossen werden, in den weiteren Planungen ein Mitspracherecht zugestehen.
    Insgesamt gesehen sind es doch einmal klarer ausgedrückt, Tragödien, die sich nicht nur bei Bertelsmann, sondern auch bei Verlagen und in erster Linie im Sortimentsbuchhandel in letzter Zeit und in naher Zukunft noch mehr eine Besorgnis im kulturellen Leben darstellen.
    Und es geht um Menschen, denen möglichst schnell geholfen und auch neue Perspektiven für einen Arbeitsplatz eröffnet werden müssen.
    H. Kraft

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