Amazon bald ohne Titel der Big-5-Verlage?

Dennis Johnson, Gründer von Melville House, ist einer der wenigen Verleger, die sich öffentlich kritisch zu Amazon äußern. Im Interview erklärt der New Yorker, dass der Clinch mit Hachette vielleicht erst der Anfang der Auseinandersetzungen ist.

Fällt es Ihnen als Indie schwer, Partei für Konzernverlage zu ergreifen?

Für mich ist es tatsächlich ungewohnt, große Unternehmen zu unterstützen. Aber letztlich sitzen kleine und große Verlage im gleichen Boot, weil wir alle solche Konditionenkämpfe ausfechten müssen. Die US-Gesetze sehen einen Höchstrabatt von 50% vor, den wir Händlern wie Amazon maximal geben dürfen. Amazon versucht diese Regelung zu unterminieren und stärker an der Konditionenschraube zu drehen. Am Ende könnte nur die Regierung Amazon daran hindern, aber danach sah es nach dem Agency-Urteil im vergangenen Jahr nicht aus: Amazon wurde geschützt und die Verlage wurden bestraft. Statt mehr Wettbewerb haben wir heute weniger Wettbewerb.  

Was ist das Neue an der Situation?

Wir hatten früher alle ähnlich strukturierte Verträge mit Amazon, die jährlich neu verhandelt wurden. Jetzt hat sich das mit dem Agency-Settlement verändert. Der Richter hat verfügt, dass die Verlage nicht gleichzeitig neue Verträge mit Amazon aushandeln dürfen, um so Absprachen zu verhindern. Bei Hachette werden zum ersten Mal die Auswirkungen des Agency-Urteils deutlich: Amazon verhält sich wie ein Monopolist. Ich kann mir vorstellen, dass Hachette jetzt abwartet, bis die Konditionen-Verhandlungen mit dem nächsten Großverlag beginnen. Und möglicherweise haben wir in einem Jahr die Situation, dass Amazon nicht mehr die Titel der Big-5-Verlage verkauft – 50% der in den USA veröffentlichten Bücher. Das wäre verrückt.

Ist es realistisch, dass die Regierung einschreitet?

Es gibt zumindest Signale der Hoffnung. Der Fall ist so offensichtlich, und die mediale Aufmerksamkeit so groß wie nie zuvor. Zeitungen wie die „New York Times“ prangern Amazon an. Die Wall Street verliert die Geduld, die Amazon-Aktie hat 20% an Wert verloren in den vergangenen Monaten. Die Aktionäre sagen: Die Zeit ist aus, Amazon muss Geld verdienen. Und Amazon macht es sich leicht und will es von den Verlagen nehmen.

In Deutschland spricht sich der Börsenverein für eine Lockerung des Kartellrechts aus, um Absprachen von Verlagen zu ermöglichen. Ist das der richtige Weg?

Ja durchaus. Ich bin grundsätzlich kein Freund von Absprachen großer Unternehmen, aber in diesem Fall kämmen sie dem Verbraucher und dem Wettbewerb zugute. In den USA gibt es sogar ein Gesetz aus dem Jahr 2007, das es Unternehmern erlaubt, gemeinsam Mindestpreise abzustimmen, falls dies für den Wettbewerb förderlich ist. Dieses Gesetz ist seltsamerweise bislang nicht zur Geltung gekommen, aber das kann sich ändern.

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