Mieten statt Kaufen

Mit Blick auf die Musik- und die Film- und Fernsehbranche gelten Flatrate-Modelle für E-Books als neuer Wachstumsbereich der Buchbranche. Doch weil viele Verlage fürchten, dass das Vermieten von E-Books den Verkauf kannibalisiert, stellen sie – wenn überhaupt – nur zögerlich Titel für die Flatrate zur Verfügung. Einzige Ausnahme unter den fünf größten US-Verlage war lediglich HarperCollins. Bis jetzt.

Mit Simon & Schuster ist jetzt ein weiterer Großverlag mit aufgesprungen. Die Verlagsgruppe hat ihre gesamte Backlist für Oyster und Scribd zur Verfügung gestellt – und damit das Sortiment der Flatrate-Anbieter um 10.000 Titel bzw. Autoren wie Stephen King, Mary Higgins Clark und Ernest Hemingway erweitert. 

Zwar hatte man bei der US-Verlagsgruppe anfangs große Bedenken bezüglich derartiger Mietmodelle, doch sei man letztlich zu dem Schluss gekommen, dass diese „einen spannenden Weg für Konsumenten bieten, neue Bücher zu entdecken und zu kaufen“, begründet Carolyn Reidy, CEO von Simon & Schuster, die Entscheidung gegenüber Gigaom
Nach Recherchen von Gigaom erhält Simon & Schuster für die Miete genauso viel Geld wie bei einem regulären Kauf – zumindest, wenn der Leser einen bestimmten Prozentsatz des Buches gelesen hat. Allerdings vereinbarten die Flatrate-Anbieter mit jeden Verlag individuelle Konditionen – es sei also unwahrscheinlich, dass das Abrechnungsmodell auch für kleinere Verlage gelte.

Von Anfang an dabei ist dagegen der US-Großverlag Harper Collins: Die aus der Musikbranche kommende Digitalchefin Chantal Restivo-Alessi betrachtet Mietmodelle für E-Books als „unvermeidbaren Teil der Zukunft“ und ist entsprechend früh eingestiegen, berichtet „Bloomberg“. 

Ähnlich argumentiert Tim O’Reilly: „Jeder, der die Abo-Modelle nicht beobachtet, ist töricht. Geschäftsmodelle mit wiederkehrenden Erlösen sind großartig“, erklärt der O’Reilly-Gründer. „Auch gibt es Hinweise, dass Mietmodelle genau das sind, was die Kunden wollen. Dennoch müssten die Verlage vorsichtig vorgehen, um zu verhindern, dass sie zu „Sklaven der Digitalunternehmen“ würden.
Die wichtigsten Flatrate-Anbieter im Überblick:
  • Skoobe: Vorreiter auf dem deutschen Markt ist das im Februar 2012 gestartete Flatrate-Modell von Holtzbrinck und Bertelsmann, das neben den Eigentümern auch anderen Verlagen offen steht. Ab einer monatlichen Pauschale von 9,99 Euro können die Nutzer unbegrenzt viele E-Books in der App lesen.
  • Readfy: Mit seinem werbefinanzierten Flatrate-Modell und der erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne hat der deutsche Anbieter Readfy für Schlagzeilen gesorgt. Im digitalen Regal stehen nach Angaben des Unternehmens 15.000 E-Books, noch ist das Modell in der Beta-Phase (hier das Konzept). 
  • Amazon: Seit Oktober 2012 können „Prime“-Kunden von Amazon jeden Monat ohne zusätzliche Kosten ein Kindle-Buch ausleihen. Das Angebot beschränkt sich vor allem auf die hauseigenen Amazon-Titel sowie die Titel der Selfpublishing-Autoren („Kindle Direct Publishing“). Mit Bastei LübbeOetingerEmons und dtv sind aber auch einige deutsche Verlage mit im Boot (hier mehr).
  • Oyster: Bei Oyster können die Nutzer für eine Monatsgebühr von 9,95 Dollar unbegrenzt auf die angebotenen E-Books zugreifen. Bisher konnte das Start-up von den fünf größten US-Verlagen nur HarperCollins und Simon & Schuster gewinnen, wartet aber mit Houghton Mifflin Harcourt, Workman, dem Selfpublishing-Anbieter Smashwords, OpenRoads und Melville House bereits mit einem recht ansehnlichen Titelangebot auf (hier mehr).
  • Scribd: Auch der (wegen einem großen Angebot an illegal hochgeladenen Werken in Verruf stehende) digitale Dienst bietet einen E-Book-Abo-Dienst an. Auch hier sind die US-Verlags-Schwergewichte HarperCollins und Simon & Schuster mit an Bord (hier mehr). 
  • Entitle: Der Abo-Service eReatah hat im Dezember 2013 sein Konzept umgestellt, um unter dem neuen Namen Entitle neu durchstarten. Statt auf die Vermietung von E-Books, setzen die Gründer seitdem auf eine Art Buchclub-Modell (hier mehr). 

Neben den reinen Flatrate-Anbietern ist derzeit auch die Vorauswahl durch den Betreiber en vogue. Drei Beispiele:

  • Rooster: Beim US-Start-up zahlen die Nutzer 5 Euro pro Monat für digitale Lesehäppchen, die innerhalb von rund 15 Minuten konsumierbar sind. Jeden Monat werden zwei neue Titel angeboten (hier mehr). 
  • Brotseiten: Bei dem Schweizer Gegenmodell erhalten die App-Nutzer alle zwei Wochen eine Auswahl an fünf Kurzgeschichten und zahlen dafür monatlich 9 Franken (hier mehr). 
  • PaperC: Das Fachportal bietet seit Juni vergangenen Jahres Buch-Pakete zu bestimmten Themen an, die von PaperC zusammengestellt werden und von den Nutzern wahlweise für einen Monat, drei oder sechs Monate gemietet werden können. Durch das Mietmodell spare der Nutzer mehr als 60% des ursprünglichen E-Book-Preises, wirbt das Unternehmen (hier mehr).

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