Digitale Lücke geschlossen

Der vom Schriftstellerverband VS und dem Börsenverein ausgehandelte neue Normvertrag (kürzlich exklusiv von buchreport vermeldet) ist von der Arbeitsgemeinschaft der Publikumsverlage durchgewinkt worden. Zuvor hatte auch die Honorarkommission des VS grünes Licht gegeben.
Die größte Neuerung betrifft Regelungen über E-Book-Rechte. Gemäß der von beiden Verbänden ausgearbeiteten Leitlinie für Verlagsverträge kann der Autor vom Vertrag zurücktreten, falls die E-Book-Verkäufe in zwei aufeinanderfolgenden Jahren eine bestimmte, vorher bei Vertragsabschluss ausgehandelte Grenze unterschreiten.
Bei gedruckten Büchern konnte der Autor in der Vergangenheit von dem Vertrag nur zurücktreten, wenn das Print-Buch dauerhaft nicht mehr lieferbar war – fürs (ohne Lagerkosten auf ewig lieferbare) E-Book wurde diese Frage im alten Normvertrag aus dem Jahr 1999 nicht behandelt. 
Die Schriftsteller hätten in den Normvertrag gerne die Empfehlung hineingeschrieben, dass E-Book-Rechte grundsätzlich befristet erteilt werden. Bei den Verlegern stieß er damit allerdings auf energischen Widerstand. 
Außerdem enthält der neue Normvertrag jetzt auch das Merchandisingrecht: Falls Verlage erfolgreich Schadensersatzansprüche gegen Dritte geltend machen können, werden Autoren daran künftig beteiligt.
Die Einigung zeige exemplarisch, „wie effizient gemeinsame Verhandlungen sind, wenn sie nicht über den Umweg von Gesetzesnovellen mit anschließenden Musterprozessen erfolgen“, lobt Matthias Ulmer, Vorsitzender des Verleger-Ausschusses im Börsenverein, den Dialog mit dem VS.
VS-Chef Imre Török meint, die „Vielfalt neuer Möglichkeiten, die Internet und Digitalisierung den Autoren eröffnen, aber auch die Gefährdung des Urheberrechts legen es nahe, dass Worturheber und Verleger mehr denn je ihre Interessen koordinieren.“
An den Gesprächen über den Normvertrag nahmen teil: Renate Reichstein (AVJ), Aneta Pacura (Random House), Cordula Proescher (Rowohlt), Reimer Ochs (S.Fischer), Susanne Barwick (Börsenverein) und Rolf Nüthen (Börsenverein), für den VS Volker Degner, Gerlinde Schermer-Rauwolf, Imre Török, Heinrich Bleicher-Nagelsmann, Wolfgang Schimmel und Reimer Eilers.

Kommentare

1 Kommentar zu "Digitale Lücke geschlossen"

  1. Susanne Gerdom | 23. Januar 2014 um 22:43 | Antworten

    … und wenn ihr jetzt noch korrekt „durchgewinkt“ schreibt, dann haben wir es ….^^
    („Er hat mir fröhlich zugewunken und ist dann um die Ecke gehunken.“)

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