Empfehlungen sind effektiver als Kampagnen

Auch wenn bereits einige deutsche Verlage mit angereicherten E-Books experimentieren, noch ist der Aufwand meist so hoch, dass sich die „enhanced E-Books“ kaum rechnen. Einen kostengünstigeren Ansatz versprechen plattformunabhängige Lösungen wie die verlagsoffene Software Tiger Create oder Kobo mit Aquafadas.

Welche neuen Perspektiven sich damit ergeben und welche Chancen das globale E-Book-Geschäft den Verlagen eröffnet, erläutert Kobo-Manager Michael Tamblyn (Foto) im zweiten Teil des Kobo-Interviews (hier der erste Teil).

Die verschiedenen Software-Lösungen zur Erstellung von angereicherten E-Books und die Herausforderungen aus Verlagssicht erläutert buchreport auch im Webinar „Fixed Layout kommt in Bewegung“. Hier finden Sie weitere Informationen und den Link zur Anmeldung. 

In Deutschland gibt es bereits seit einigen Jahren angereicherte E-Books – es scheiterte nie an der Kreativität, sondern eher an den Kosten. Wird die Anreicherung für Verlage über Lösungen wie Aquafadas günstiger?

Ja. Was uns von Anfang an für Aquafadas begeistert hat, war die Tatsache, dass man nicht mehr einen Raum voller Entwickler braucht, die die Software von Grund auf neu erstellen. Stattdessen können wir jenen Grafikern, die ohnehin für den Printmarkt gearbeitet haben, Werkzeuge an die Hand geben. So können sie die Bücher anreichern, ohne sich in einen völlig neuen Arbeitsbereich einarbeiten zu müssen. Dadurch werden Kosten reduziert, und es können mehr E-Books auf den Markt gebracht werden. Außerdem muss der Verlag nicht mehr für jede Plattform eine eigene Lösung kreieren, da unser Modell offen für alle Plattformen ist – darunter auch iOS und Android. So haben Verlage viel bessere Möglichkeiten, angereicherte E-Books kostengünstig zu entwickeln.
Sehen Sie neben dem Kinderbuch noch andere Genres, die das Potenzial haben, auf dem E-Book-Markt weiter zu wachsen?
Auf jeden Fall. Dieselben Werkzeuge, die wir im Kinderbuchsegment anbieten, greifen auch im Comic- und Graphic-Novel-Bereich oder bei illustrierten Büchern. Einige der besten Ergebnisse, die wir bei Aquafadas bislang gesehen haben, sind in Zusammenarbeit mit Kunstbuchverlegern entstanden. Mit dem entsprechenden Produkt kann man Gemälde oder Fotografien hochauflösend auf verschiedene Geräte übertragen – und das ohne eigenen Entwickler. Das erledigt der Grafiker mit wenigen Klicks.
Immer mehr deutsche Verlage übersetzen ihre Titel eigenständig und vertreiben sie im Ausland. Ist das ein Feld, das Sie auch interessiert?
Ja. Wir haben in den vergangenen Jahren gelernt, dass eine globale E-Book-Plattform einzelnen Verlagen die Möglichkeit bietet, Nischen für Inhalte zu finden, auf die sie alleine nie gestoßen wären.
Wenn in Brasilien oder Japan eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Lesern an einem bestimmten deutschen Autor interessiert ist, können Leser und Titel jetzt zusammengeführt werden. In der Welt des gedruckten Buches wäre es absolut unökonomisch, diese Leser zu suchen – in der digitalen Welt ist es durchaus lohnenswert. 
Das ist im Grunde der gleiche Mechanismus, der schon dem Selfpublishing-Markt einen solchen Wachstumsschub verpasst hat: Man muss herausfinden, was eine Person möchte und ihr das passende Buch empfehlen. So können wir in Bereichen wachsen, in denen es wirklich nur um das persönliche Leseinteresse geht – unabhängig von Marketingaktionen.
Lohnt sich dann überhaupt die gezielte Vermarktung im Ausland?
In der Regel gib es keinen kosteneffektiven Weg, einen Autor in einem Land zu vermarkten, wenn seine Leserschaft dort vermutlich nur 500 Personen umfasst. Herauszufinden, wer diese Leser sind, ist eine der Leistungen, die ein Händler vor Ort anbieten kann – zum Beispiel, indem er eine Empfehlung ausspricht oder eine E-Mail-Kampagne startet.
Es ist ein genereller Trend im E-Commerce, dass es immer weniger Shops gibt, die für jeden gleich aussehen. Die Plattformen reagieren auf die individuellen Vorlieben der Kunden, so dass keine zwei Personen mehr denselben Shop vorfinden. So können wir dem Leser auch dann die richtigen Bücher präsentieren, wenn er eine Vorliebe für einen in seinem Land völlig unbekannten Autor oder irgendein obskures Genre hat.

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