Digitale Dreingabe

Was Amazon im Musikbereich bereits mit „Autorip“ vorgemacht hat, holt der Onliner jetzt bei E-Books nach: „Kindle MatchBook“ heißt das Programm, bei dem Amazon in den USA Print-Käufern eine vergünstigte E-Book-Ausgabe anbietet.
Nach Angaben von Amazon kostet der Aufpreis für die Digitalausgabe zwischen 0,99 und 2,99 Dollar – in einigen Fällen gebe es das E-Book sogar kostenlos. Das Angebot bezieht sich nicht nur auf Front-List-Titel, sondern auch ältere Bücher, die schon 1995 (zum Launch des Amazon-Shops) gekauft wurden. Der Start sei für Oktober geplant, 10.000 Titel will Amazon bis dahin bei Verlagen und Autoren für das Programm einsammeln; das komplette Programm der eigenen Verlage Amazon Publishing ist bei „MatchBook“ dabei, und auch den Selfpublishing-Autoren des Kindle-Direct-Publishing-Programms steht es frei, ihre Titel freizugeben. Mit an Bord hat Amazon bereits die Bestseller-Autoren Neil Gaiman, Jo Nesbo, Marcus Sakey, Jodi Picoult und Ray Bradbury.
Print- und Digitalausgaben zu bündeln, sei eines der am häufigsten gewünschten Features der Kunden gewesen, erklärt Amazon.

Ob und wann Amazon das Programm auch außerhalb der USA anbieten will, ist nicht bekannt, gleichwohl wird bereits auf Facebook darüber diskutiert, ob „MatchBook“ mit der deutschen Preisbindung zu vereinen wäre. Auf Anfrage von buchreport.de erklärt Börsenvereins-Justiziar Christian Sprang, dass Amazon nicht auf eigenes Faust solche Bundles schnüren dürfe, das Unternehmen könne hierzulande allenfalls Verlage dazu überzeugen, Bundlepreise  – preisbindungsrechtlich gesehen seien dies  Serienpreise –  für gekoppelte Print-E-Book-Produkte einzuführen. „Diese würden dann aber für den gesamten Handel gelten, Amazon hätte sie also nicht exklusiv.“

Im Musik-Bereich heißt das Programm von Amazon „AutoRip“: Wer eine CD kauft, bekommt die Songs auch gleich noch als MP3-Dateien dazu, anders als bei den E-Books allerdings kostenlos.

Kommentare

7 Kommentare zu "Digitale Dreingabe"

  1. Alexander Nastasi | 6. September 2013 um 15:48 | Antworten

    Das ganze als Zusatznutzen sehen ! Also beispielsweise, ich kaufe mir ein Hardcover Buch für 19,95 € und bekomme es auf meinen Kindle gratis dazu (und von dem kann ich es auch nicht weitergeben). Oder ich gebe 2,99 € aus und habe es als Zusatznutzen (also Buch und E-Book günstiger dazu). Die Idee ist gut und wenn man sie richtig einsetzt, wird sie Autoren helfen zu verkaufen.
    Ist doch eine einfache Rechnung, Kunde kauft ein Produkt (dafür hat der Verlag ja seinen Bezahlung erhalten) kauft er für einen kleineren preis das E-Book dazu, dann hat der Verlag eine größere Spanne.
    Also bekommt der Autor z.b. 2 € vom Buchverkauf und noch mal 0,20 € von vergütigten E-Book. Also hat auch er was von der Sache.
    Zum Beispiel eine Aktion 4 Wochen lang Buch (gedruckt) und E-Book gratis dazu. Sicher werden in diesem Zeitraum die Umsätze höher sein. Und wer möchte, kann sich ja auch „nur“ das E-Book kaufen.

    Alexander Nastasi
    Heidelberger Autor
    http://www.alexandernastasi.de

  2. Bei Musik ist das einfach – was auf die CD gebrannt ist kann ohne groß was anpassen zu müssen (Bitrate und Format – mp3 oder aac – noch) digital zur Verfügung gestellt werden. Mit Glück auch sehr automatisiert umgewandelt werden. Bei Büchern sind die Daten nicht so einfach „da“ und können 1zu1 übernommen werden. Das wird leider immer vergessen. warum sollte ein Verlag da etwas kostenlos herausgeben, wenn er Arbeit mit den Daten, der Umwandlung in ein E-Book und einen erhöhten Aufwand hat – noch dazu wenn die Autoren vertraglich gesehen für ein E-Book ganz andere Honorare bekommen als für Printbücher… welches Honorar gilt dann, wo ist der Mittelweg? Drück ja keiner einfach aufs Knöpfchen und alles ist fertig und toll. Als Kunde freue mich über solche Bundles – aber ich bin auch realistisch: Niemand arbeitet für etwas ohne dass er für den extra-Aufwand Geld bekommt. Wer alles verschenkt ist halt bald pleite. Also bin ich absolut bereit auch extra zu bezahlen.

    • Ich lehne mich ein wenig aus dem Fenster und behaupte, dass die Umwandlung von einer Druckdatei zum eBook für Fachmenschen auch relativ einfach ist.

      Und es geht hier ja auch nicht um „etwas verschenken“, sondern einen weiteren Mehrwert. Das ist ja eine weitere Art von Kundenbindung.
      Eine Idee wäre auch, die eBooks nur den Hardcoverbüchern beizugeben.

    • Fabian Neidhardt | 5. September 2013 um 19:22 | Antworten

      ich lehne mich mal soweit aus dem Fenster, zu behaupten, dass die eBook-Konvertierung aus der digitalen Druckdatei ähnlich einfach ist, wie bei der Musik. Zumindest mit den richtigen Mitteln und dem Wissen.

      Dennoch verstehe ich deinen Einwand. Ich sehe das aber nicht als verschenken, sondern als Marketingmaßnahme, als Kundenbindung. Ähnlich, wie man oft bei dem Kauf einer Vinylplatte die mp3 als Download dazubekommt.

  3. Fabian Neidhardt | 3. September 2013 um 17:08 | Antworten

    Also, irgendwo schön, dass das passiert. Aber einerseits sollte es doch eigentlich möglich sein, das eBook immer kostenlos mitzugeben, woher kommen jetzt die unterschiedlichen Preise? Und andererseits, wie wird das von wem finanziert, wenn das jetzt von Amazon festgemacht wird? Und wie lange braucht es, bis die Verlage das generell und über jeden Buchhändler anbieten?

    • Alexander Nastasi | 4. September 2013 um 16:19 | Antworten

      Die Verlage haben kein Interresse, E-Books kostenlos herauszugeben. Das ist eine Idee von Amazon, und ich als Autor mache mit. Ein Teil meiner Bücher wird zum Start gratis sein. Bedeutet, kauft man das gedruckte Buch über Amazon, erhält man die Kindle-Ausgabe gratis dazu. Ich finde das einen super Service und freue mich auf die Einführung.

      Alexander Nastasi
      Heidelberger Autor
      http://alexandernastasi.de

      • Fabian Neidhardt | 5. September 2013 um 15:02 | Antworten

        Jaja, das die Verlage bisher kein Interesse daran haben, ist mir klar. Aber jetzt müsste ja folgendes passieren: Die Leute kaufen vermehrt ihre Bücher bei Amazon, anstatt im lokalen Buchhandel. Weil sie ja jetzt da noch diesen Mehrwert haben. Das ist definitiv nicht gut für alle anderen Buchhändler. Deshalb werden die Verlage nachziehen müssen. Weil alle anderen Buchhändler das fordern werden.

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