Was soll die Metadatenbank?

Im Wettbewerb mit den Online-Händlern setzen die Buchhändler derzeit ihre Hoffnungen auf eine vom Börsenverein entwickelte Metadatenbank. Dazu soll das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VlB) zu einem Werkzeug aufgebohrt werden, das weit über die Titel-Recherchefunktionen hinausgeht. buchreport zeigt Eckpunkte des Projekts.

Was hat die MVB mit der Metadatenbank zu tun?

Die Börsenvereins-Wirtschaftstochter MVB setzt andere Prioritäten und ordnet ihr Produktangebot neu. Auf Druck des von Amazon und anderen Online-Riesen getriebenen Sortiments wird der Aufbau einer Metadatenbank in Angriff genommen. Sie soll auf der Basis des Verzeichnis lieferbarer Bücher (VlB) unter dem Arbeitstitel VlB plus entstehen und den stationären Buchhandel in der sich transformierenden Branche konkurrenzfähig halten.
Warum braucht die Branche eine Metadatenbank?
Der Anstoß zum Aufbau der Metadatenbank kam aus der Mitte des Sortiments, der Vorstand des Börsenvereins hat der MVB den Auftrag erteilt, das Projekt vorrangig zu betreiben. „Der Buchhandel braucht vernünftige Daten, um konkurrenzfähig zu bleiben“, betont Thomas Wrensch, Vorsitzender des Sortimenter-Ausschusses im Börsenverein. Die Datenbank soll durch die Kooperation aller drei Sparten entstehen, mit dem Ziel, den „Mitgliedsunternehmen Wettbewerbsvorteile zu verschaffen“. 
Was soll die Metadatenbank leisten?

In der geplanten Datenbank sollen laut MVB die wichtigsten Informationen zu Büchern, E-Books und Hörbüchern gebündelt zur Verfügung gestellt werden. „Diese Daten sind dann über vlb.de abrufbar, aber auch über Schnittstellen für Warenwirtschaftssysteme. Die Hauptnutzung dürfte aber die automatisierte Einbindung in die Webshops der Buchhändler sein. Dafür werden wir Schnittstellen zur Verfügung stellen“, kündigt MVB-Geschäftsführer Ronald Schild an.

Wie stehen die Chancen für die Umsetzung?
Ob die Metadatenbank mit allen Anreicherungen tatsächlich Wirklichkeit wird, ist mehr als fraglich. Das zeigt allein der zentrale Punkt der Einbindung der großen Branchenlogistiker:
Barsortiment: Libri und KNV sind bereit, VlB-Daten in ihre Katalogdatenbanken einzubinden. Das ist aber eine Einbahnstraße. „Gute Katalogqualität ist wertvoll und wir wissen, was ihre Erstellung kostet. Es sind hochspezialisierte Leute, die bei uns Katalogdaten anreichern. Auch deshalb können wir Informationen wie die Lieferbarkeit nicht außerhalb unserer Systeme verteilen“, erklärt Libri-Chef Moritz Hagenmüller. Allein Umbreit macht bislang die Ausnahme.
Verlagsauslieferung: Mit der Frage, wie viele Exemplare eines Titels lieferbar sind, gehen viele Verlage hochsensibel um.
„Wenn ihr die Metadatenbank bekommt, habt ihr bessere Suchoptionen als die großen Anbieter im Internet und exklusive Daten, die nur für euch da sind. Im Sortiment wird eine unglaubliche Erwartungshaltung geweckt“, kritisiert Stefan Könemann, Vorsitzender des Ausschusses für den Zwischenbuchhandel. „Ich bin grundsätzlich kein Freund von monopolistischen Branchenlösungen“, schiebt er mit Blick auf die MVB nach. Seine Forderung: „Man muss für den Aufbau einer Metadatenbank ein Pflichtheft erstellen und dann eine Ausschreibung starten.“
Welches Portfolio hat die geplante Metadatenbank?

In die Metadatenbank sollen zahlreiche Inhalte einfließen. Das mögliche Portfolio:

  • Bibliografische Daten, Katalogdaten von  allen Barsortimenten sowie von Aggregatoren wie Ciando oder Claudio
  • Bestandsmeldungen und Lieferbarkeitsdaten der Verlage und Verlagsauslieferungen, der Barsortimente und Buchhändler
  • Metadaten der Verlage, insbesondere Inhaltsverzeichnisse, Leseproben, Autoreninformationen, Lesungstermine, Literaturpreise, Vorschauen, Werbematerialien und Werbeschaltungen
  • Bestsellerplatzierungen
  • Rezensionen und Empfehlungen von Lesern, Buchhändlern und Feuilletonisten
  • Empfehlungsdatenbank, gespeist durch ein Rezensionsnetzwerk und Empfehlungen aus dem Sortiment
  • Abfrage von Titelverfügbarkeiten in Buchhandlungen in der Nähe des Kunden

Kommentare

2 Kommentare zu "Was soll die Metadatenbank?"

  1. Manuel Bonik | 17. Mai 2013 um 13:29 | Antworten

    Es sei darauf hingewiesen, dass die wesentlichen (und qualitativ besten) Software-Komponenten, die man hier braucht, als Freeware erhältlich sind. Also bitte da keine große, kostspielige Nummer daraus machen.

    Ach so, die MVB soll das übernehmen? Waren das nicht die, die nicht einmal eine triviale Suchmaschine bei libreka hingekriegt haben? – Könemann hat recht: Eine Ausschreibung wäre mehr als angebracht.

  2. Lieber Herr Dr. Hagenmüller,

    wie könnte man Sie davon überzeugen, daß auch eine andere Strategie im Umgang mit Ihren Daten sinnvoll sein könnte?

    Sie verweisen völlig zu Recht auf den Wert Ihrer Daten – wer wollte den leugnen? Aber wie läßt sich dieser Wert schöpfen?

    Es kann ja Informationen geben, die wertvoller werden, je weniger sie verbreitet sind.
    Aber gehören Lieferbarkeitsinformationen von Libri dazu? Wäre nicht alle Welt dankbar, wenn sie wüßte, daß Sie ein Buch auf Lager haben und binnen 24 Stunden an den Point of sale bringen (bzw. je nach Geschäftmodell, auch in den Briefkasten des Kunden?).

    Könnte Ihnen, wenn Sie nur die Garantie hätten, daß derjenige, der diese Informationen wo auch immer darstellt, auch einen Kauf bei Ihnen tätigt oder anstößt, dann die weite Verbreitung Ihrer Daten nicht nur egal, sondern sogar gerade recht sein?

    Die Frage könnte ich KNV natürlich genauso stellen – welchen Sinn macht es, ein neues großes, prima auf den Direktvertrieb ausgelegtes Logistikzentrum zu bauen, und dann nicht alles dafür zu tun, daß in diesem Zentrum wortwörtlich die Post abgeht?

    Ich frage es wirklich in aller Unschuld, weil ich es nicht verstehe.

    Und frage vielleicht auch noch die Verlage: Würden Sie, wenn Sie Ihre Ware und Ihre Verkaufsinformationen (Metadaten) an die Zwischenhändler schicken, nicht auch wünschen, daß diese möglichst breit verteilt sind? Fordern kann man es wohl nicht, aber wünschen könnte man es sich schon, fnde ich.

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