Wir müssen größer denken

Verlage, traut euch den digitalen Wandel endlich zu. Mit dieser Botschaft hat Neelie Kroes, als Vize-Präsidentin der EU-Kommission zuständig für Digitalthemen, auf der Pariser Buchmesse den Verlegern die Leviten gelesen (hier die Rede im Original). Und drei Wege aufgezeigt, um dem E-Book-Geschäft in Europa mehr Schub zu verleihen.

Im Musik-Sektor seien die Vorzüge des digitalen Geschäfts zu sehen, allerdings erst, nachdem in der Branche eine lange Phase der zu großen Vorsicht geherrscht habe, erklärte Kroes auf dem Salon du Livre. „Ich weiß, dass Einige den Anbruch des Digitalen als eine Gefahr für die Branche erachten. Aus meiner Sicht besteht das größte Risiko aber darin, nicht die Vorteile der neuen Möglichkeiten zu ergreifen.“ Sollte sich die europäische Buchbranche nicht der Zukunft stellen, werde sie von dynamischeren Ländern überholt. 
Konkret verwies Kroes darauf, dass E-Books in den USA bereits 25% des Marktes ausmachten – in Europa gebe es nur ein Land (sie meint vermutlich Großbritannien, d. Red.), in dem der E-Book-Anteil über 2% liege. Um den digitalen Sektor voranzubringen, seien drei Wege sinnvoll:
1. Die Branche benötige die richtigen digitalen Inhalte. Kroes verweist auf über 26 Mio Exponate in der Europeana (darunter viele Bücher) und das geplante „Orphan Works Directive“ (Verzeichnis für verwaiste Titel); beides seien gute Grundlagen, um mehr Inhalte online zu bringen. Löblich sei die Initiative Frankreichs, eine halbe Mio vergriffener Bücher aus dem 20. Jahrhundert zu digitalisieren.
2. „Wir müssen größer denken“. Im Wettbewerb mit den „US-Giganten“ sei „nationales Stückwerk“ unzureichend. „Wir müssen europäisch denken, um im weltweiten Wettbewerb zu bestehen.“ Dabei sei eine Standardisierung hilfreich, damit die Leser in jedem Land und mit jedem Gerät auf ihre E-Books zugreifen könnten. „Sollten die europäischen Verleger diesen Ansprüchen nicht gerecht werden können, dann werden die Verbraucher mit ihrem Portemonnaie abstimmen. Oder zu den großen US-Firmen abwandern, die ihnen so etwas bieten können.“ Kroes regte den Aufbau eines europäischen Portals an, das den Lesern zeigt, welche Bücher in welchen Sprachen und Formaten bei welchem internationalen Shop erhältlich sind.
3. Kroes spricht sich für eine Harmonisierung der Mehrwertsteuersätze für gedruckte und digitale Bücher aus. Dass ab 2015 die Steuer nach dem Land ausgerichtet wird, in das ein E-Book verkauft wird, sei außerdem wichtig für den E-Book-Markt.

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