Digitale Flotte wird neu positioniert

Dem US-Marktführer Barnes & Noble bläst zurzeit heftiger Gegenwind von Amazon, Google und Apple entgegen. Im digitalen Fahrwasser fängt der Filialist immer kleinere Fische, zeigt der Blick auf die Quartalszahlen. Jetzt will das Unternehmen seine Flotte neu aufstellen. 

Barnes & Noble hat im dritten Geschäftsquartal 2012/2013, das am 26. Januar endete, die Analystenerwartungen deutlich verfehlt. Der Umsatz im Weihnachtsquartal sank im Vergleich zum Vorjahr um 8,8% von 2,4 auf 2,2 Mrd Dollar, wie das Unternehmen mitteilt. Zum Vergleich: Die Prognose der Analysten hatte bei 2,35 Mrd Dollar gelegen.

Die Quartalszahlen im Detail:

  • Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank im Vorjahresvergleich von 150 Mio Dollar auf 55 Mio Dollar.
  • Unter dem Strich wurde ein Nettoverlust in Höhe von 6,1 Mio Dollar verbucht – nach einem Gewinn von 52 Mio Dollar im Vorjahresquartal.
  • Der Bereich Retail, zu dem die stationären Geschäfte und barnesandnoble.com gehören, verzeichnete Umsätze in Höhe von 1,5 Mrd Dollar – 10,3% weniger als im dritten Quartal 2012. Das Unternehmen führt den Rückgang auf die Schließung von Filialen und sinkende Online-Umsätze zurück.
  • Trotz der geschrumpften Umsätze stieg der EBITDA im Geschäftsfeld Retail um 7,3%: von 198 auf 212 Mio Dollar. Bei Barnes & Noble führt man dies auf den wachsenden Umsatzanteil von Produkten mit höheren Margen und ein besseres Ausgaben-Management zurück.
  • Die Sparte Nook Media, unter deren Dach die hauseigenen „Nook“-Geräte (Tablets und E-Reader), das E-Book-Inhalte-Geschäft sowie die College-Stores angesiedelt, hat 26% weniger umgesetzt als im Vorjahresquartal. Der Bereich, an dem auch Microsoft (16,8%) und Pearson (5%) beteiligt sind, erwirtschaftete einen Umsatz von 316 Mio Dollar.
  • Die EBITDA-Verluste beliefen sich in der Nook-Sparte auf 190 Mio Dollar. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal 2012 waren es noch 83 Mio.
  • Die rückläufigen Nook-Gewinne begründet Barnes & Noble unter anderem mit zusätzlichen Entwicklungskosten in Höhe von 59 Mio Dollar.
  • Als Hoffnungsschimmer entpuppte sich das Geschäft mit den digitalen Inhalten: In diesem Bereich hat Barnes & Noble seine Umsätze um 6,8% steigern können.

Nook bleibt vorerst das Sorgenkind

Die Umsatzrückgänge im digitalen Geschäft haben im Vorfeld bereits Spekulationen entfacht: So hatte die „New York Times“ vermutet, dass CEO William Lynch darüber nachdenkt, das Angebot an Nook-Hardware zu reduzieren und sich künftig in erster Linie auf die Verwertung der digitalen Inhalte zu konzentrieren (buchreport.de berichtete). Dies hat Lynch nun dementiert.

Der CEO räumte aber ein, dass es tatsächlich schwer sei, sich der Marken- und Finanzmacht der IT-Giganten entgegenzustellen, zitieren ihn Publishers Weekly und PaidContent. Daher müsse das Nook-Programm besser aufgestellt werden.

Lynch will insbesondere auf Kooperationen und Lese-Apps setzen. B&N werde weiterhin Hardware verkaufen und verstärkt im Bereich der digitalen Wissensvermittlung aktiv werden.

Gründer Riggio will zurück ans Steuer

Am defizitären Digitalgeschäft scheint Mehrheitseigentümer Leonard Riggio kein Interesse zu hegen – dafür aber am stationären Handel: Anfang der Woche hat der 71-jährige Gründer, Chairman und größte Anteilseigner von Barnes & Noble (30%) ein Übernahmeangebot in Aussicht gestellt, das die Ladenkette, den Online-Shop BN.com und den Buchverlag Sterling Publishers umfasst (buchreport.de berichtete).

Barnes & Noble hat mittlerweile bestätigt, dass Riggio Übernahmepläne hegt, hält sich aber zu weiteren Details bedeckt und lässt lediglich verlauten, dass ein dreiköpfiges Strategie-Ko­mi­tee das Angebot prüfe. Es gebe keinen Zeitplan und keine Gewissheit, dass tatsächlich eine Komplett-Übernahme erfolgen wird.

Die Analysten rechnen bereits, wie viel Geld Riggio auf den Tisch legen muss, um die Ladenkette mit ihren derzeit 689 Filialen aus dem Schussfeld von Aktionären und Investoren zu nehmen. Die Spanne reicht von 500 Mio bis hin zu 1 Mrd Dollar.

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