Neues Manöver auf dem Schuldenberg

Dreieinhalb Jahre nach dem ersten S.O.S.-Signal steht den Managern von Reader’s Digest das Wasser erneut bis zum Hals. Der Direktmarketing-Spezialist hat ein zweiten Mal Insolvenz angemeldet.

Nach eigenen Angaben hat der RD-Verlag RDA Holding beim Insolvenzgericht in White Plains, New York, die eigene Zahlungsunfähigkeit angezeigt; der Antrag betreffe aber nur das US- und nicht das internationale Geschäft. In dem Antrag wurden Gesamtschulden von rund 1,2 Mrd Dollar und Vermögenswerte von knapp 1,1 Mrd Dollar genannt. Ziel: Die Firma soll im Rahmen des so genannten Chapter-11-Verfahrens saniert werden. Dabei sollen Schuldscheine im Wert von 464 Mio Dollar in Firmenanteile umgewandelt – worauf man sich mit den Gläubigern bereits verständigt habe – und schließlich der Schuldenberg um 80% abgetragen werden.  

Reader’s Digest: Deutschland-Dependance „hochprofitabel“ 

Anlässlich der Insolvenz der US-Firma erklärt die Deutschland-Dependance, dass die Tochtergesellschaften in Deutschland, der Schweiz und Österreich (rund 150 Mitarbeiter, Zentrale in Stuttgart) nicht betroffen seien. Sie führten ihre Geschäfte wie gewohnt weiter, ohne Veränderung in der Rechtsform oder ihrer Geschäftsbeziehungen mit Kunden, Lesern, Inserenten, Lieferanten und Geschäftspartnern. Hierzulande sei das Geschäft „hochprofitabel“.

Rückblick: In den USA hatte RD bereits 2009 einen „geordneten Konkurs“ angemeldet und einen drastischen Umbau der Firma eingeleitet, um seinerzeit im Konkursverfahren die Schuldenlast von 2,2 Mrd auf 550 Mio Dollar zu verringern; der Insolvenzantrag betraf nur auch seinerzeit nur das US-Geschäft, nicht aber andere Sparten etwa in Europa und Asien. 
Die Schuldenlast wurde auf die Übernahme durch die Beteiligungsgesellschaft Ripplewood im Jahr 2007 (für 2,6 Mrd Dollar) zurückgeführt. Die Private-Equity-Firma hatte das Medienunternehmen von der Börse geholt und RD selbst die Kosten für die Übernahme in Form von Schulden auf die Schultern gepackt.
Dass RD in den Jahren nach der ersten Insolvenz nicht zur Ruhe kam, zeigt sich an den Personalien in der Führungsetage. 2011 trat mit Robert Guth der dritte Chef in 5 Monaten an (hier mehr). Und der erklärte der Finanznachrichtenagentur Bloomberg jetzt, dass der Wandel vom Print- zum Online-Geschäft dem Unternehmen zu schaffen mache. Im Dezember seien am Kiosk mehr digitale Ausgaben als gedruckte verkauft worden.
Die erneute Krise bei RD hatte sich im Verlaufe des Jahres 2012 abgezeichnet. Nach neun Monaten war der Umsatz um 21% auf 754 Mio Dollar gesunken, unter dem Strich stand ein operativer Verlust von 253 Mio Dollar. Neben dem US-Markt (–15%) blieben auch Europa (–28%) und Asien/Lateinamerika (–14%) weit hinter dem Vorjahr zurück.

Die Firma kündigte einen aggressiven Sparkurs an und verkaufte kürzlich das Rezeptportal allrecipes.com für 175 Mio Dollar (hier mehr) – doch der den Gang zum Insolvenzgericht konnte offenbar dennoch nicht verhindert werden.

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