Warum die Deutschen lieber auf Papier lesen

Im Vergleich zu den USA hängt der deutsche E-Book-Markt deutlich zurück. Dies wird sich nicht so schnell ändern, prophezeit  „SPIEGEL ONLINE und verweist auf kulturelle wie wirtschaftliche Faktoren. 
Wie buchreport.de berichtete, beträgt der Anteil der E-Books am deutschen Buchmarkt bisher laut Börsenverein nur 1%. In den USA dagegen wird der Anteil der E-Books am Trade Market für die Erwachsenen-Belletristik schon auf fast 14% taxiert.
„SPIEGEL ONLINE International“ begründet diese Kluft wie folgt:
  • Flächendeckende Versorgung: Dank der Buchpreisbindung gebe es „quasi es an jeder Ecke“ eine Buchhandlung. Bücher seien also, anders als in den USA, immer und sofort erhältlich.
  • Emotionale Bindung zum Buchdruck: Die Buchkäufer in Deutschland wollten lieber auf gedrucktem Papier lesen, wird Dominique Pleimling zitiert. Er hat das Leseverhalten in einer Studie der Universität Mainz untersucht (buchreport.de berichtete). Zudem seien Hardcover in Deutschland sehr viel hochwertiger als in den USA. 
  • Hohe Preise für E-Books: Da in Deutschland auch für E-Books fixe Preise gelten, seien sie hierzulande nicht so günstig (entsprechend nicht so attraktiv) wie jenseits des Atlantiks.
  • Mehrwertsteuersatz: Außerdem komme hinzu, dass der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für gedruckte Bücher (7%), nicht aber für digitale Bücher gilt (19%). 

Kommentare

9 Kommentare zu "Warum die Deutschen lieber auf Papier lesen"

  1. Kann ich Herrn Paulsen nur zustimmen: Da wurde die Rechnung mal wieder ohne den Wirt gemacht bzw. die Statistik ohne die Piraterie. Wenn man die Download-Zahlen dort ignoriert, kann man auch behaupten, dass die Deutschen keine Hörbücher wollen, immer weniger Musik hören oder Filme schauen.

  2. Peter Stainer | 23. April 2012 um 0:51 | Antworten

    Als Buchhändler oder Verleger würde ich mich lieber nicht auf diese immer wieder beschworene Liebe der Deutschen zum Papier verlassen, sondern stattdessen Szenarien entwerfen, die von einen elektronischen Substituierung durch e-Books, pay-per-view, Datenbanken, Software und Filme in Höhe von 30% bis 2015 ausgeht.

  3. Thomas Weisenberger | 22. April 2012 um 7:07 | Antworten

    Anlässlich der letzten Leibziger Buchmesse war das „Pfeifen im Wald“ bei Interviews mit Verlegern konventioneller Bücher nicht zu überhören (der hier abgedruckte Artikel ist ein „schönes“ Beispiel – durch offensichtlich bewusstes Ignorieren einer ganzen Reihe von Fakten eine einzige Falschmeldung). Gleichzeitig wurde „was nicht sein darf das nicht sein kann“ mit solch überheblicher Attitüde vorgetragen, dass man der Befreiung der Literatur vom Diktat dieser selbsternannten Kulturhüter durch die neuen Möglichkeiten der E-Books nur viel Erfolg wünschen kann.

  4. Teilweise hat der Artikel doch einige arge Vorurteile über Amerika zur Grundlage. Die Amerikaner lieben Bücher, vielleicht sogar mehr als die Europäer, denn in Amerika mit seiner vergleichsweise kurzen Geschichte haben althergebrachte Dinge wie alte Bücher (aber auch z.B. Gebäude) nochmal einen ganz anderen Flair. In keinem anderen Land, in dem ich je wahr, habe ich so viele Buchläden gesehen und eine solche Leidenschaft für das Medium gesehen wie in Kalifornien.

  5. Ich habe hier noch elf Argumente gegen eBooks und für Bücher aus Papier gefunden:
    http://www.fischfresse.de/2010

  6. Kann es sein, dass man die Frage anders stellen sollte? Statt „Warum die Deutschen lieber auf Papier lesen?“ könnte man doch fragen „Warum die Deutschen so wenig Ebooks kaufen?“ Neben den genannten Gründen (Preis) gibt es ja auch andere:
    – Sehr geringes Angebot
    – Ärger mit DRM
    – Riesiges illegales Angebot – Piraterie

    Ich bin schon erstaunt, dass manche Piratenseiten (und da kenne ich sicher nicht einmal ansatzweise alle in Deutschland) ein deutlich breiteres „Angebot“ haben, als die legalen Online Shops. Aus Spass habe ich mir auch mal den Alexa Rank von einigen illegalen Seiten und den legalen Angeboten angesehen – von Amazon mal abgesehen, sind Libreka und Co. ja „Trafficzwerge“.

    Wäre das Angebot wie in den USA (Verfügbarkeit, Preis), dann würden auch mehr Leute kaufen. Immerhin. Ebook-Reader verkaufen sich ja auch bei uns sehr gut. Warum dann nicht auch Ebooks?

  7. Jürgen Schulze | 21. April 2012 um 0:32 | Antworten

    Ich kann mich den Anführungen von Herrn Wend zu 100% anschließen… umso besser, muss ich es nicht mehr tippen.
    Und es stimmt, wer einmal ein normale Buch auf dem Kindle gelesen hat, fast Papier nur noch mit der Kneifzange an.

  8. Dominique Pleimling | 21. April 2012 um 0:20 | Antworten

    Für den Spiegel-Autor war natürlich erst einmal interessant, warum hier in Deutschland E-Books noch eine eher kleine Rolle spielen: kulturelle Aspekte und weitere spezifisch deutsche Buchmarktstrukturen scheinen hier zum Tragen zu kommen.
    Nichtsdestoweniger stimme ich Herrn von Wendt in allen Punkten zu. In den nächsten Jahren werden die E-Book-Umsätze deutlich steigen – wenn auch ein wenig langsamer als in den USA.

  9. Karl von Wendt | 20. April 2012 um 20:37 | Antworten

    Man fragt sich schon, warum diese „Analyse“ nicht im deutschen SPON erschienen ist. Vielleicht liegt es daran, dass die Argumente weder neu noch besonders stichhaltig sind und hierzulande niemanden wirklich überzeugen können?

    – Die „flächendeckende Versorgung“ hat den Erfolg von Amazon nicht verhindert und wankt zudem gerade bedrohlich.
    – Die „emotionale Bindung zum Buchdruck“ ist (wie ich aus mehrfacher persönlicher Beobachtung weiß) schnell vergessen, sobald man die enormen praktischen Vorteile eines guten Readers selbst erlebt hat.
    – Die Buchpreisbindung legt nicht fest, dass E-Books nicht deutlich günstiger sein können als gedruckte Bücher. Schon jetzt ist erkennbar, dass sich günstige E-Books sehr viel besser verkaufen als teurere, die Preiselasitizität also sehr hoch ist. Zunehmender Wettbewerbsdruck wird im Preisgefüge noch manches verändern, Preisbindung hin oder her.
    – Einzig der Mehrwertsteuersatz ist tatsächlich ein Unterschied, aber ist dieser so gravierend?

    Meines Erachtens hinkt der deutsche Markt dem amerikanischen weniger weit hinterher, als es scheint. Der aktuelle Marktanteil in der Gegend von 2% ist jedenfalls deutlich höher als der noch 2010 von PWC für den Jahresbeginn 2012 prognostizierte, und der Kindle wurde hier erst letztes Jahr eingeführt. Vor 3-4 Jahren sah es in den USA noch ähnlich aus wie bei uns heute.

    Selbst wenn die Entwicklung in Deutschland langsamer oder weniger dramatisch verlaufen sollte als in den USA (was ich persönlich nicht glaube): Ein drastischer Marktumbruch wird es trotzdem, und er wird schneller und härter kommen als viele es sich vorstellen können.

    Beruhigende Signale fühlen sich zwar angenehm an, sind aber trügerisch und letztlich gefährlich.

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