Wikileaks-Deal geplatzt?

Der Millionen-Deal mit Wikileaks-Gründer Julian Assange (Foto) und 35 internationalen Verlagen ist möglicherweise geplatzt. Ursprünglich sollten seine Erinnerungen in Form eines Enthüllungsromans im April 2011 in 35 Ländern gleichzeitig erscheinen. Kiepenheuer & Witsch (KiWi) hat die deutschsprachigen Rechte erworben.

Der Erscheinungstermin der groß angekündigten Autobiografie ist inzwischen verschoben worden. Das Buch soll im Herbst 2011 erscheinen, hieß es laut „Zeit“ (7.7.2011) zuletzt von KiWi. „Wir haben von unserem Vertragspartner, dem englischen Verlag Canongate, bisher keine verbindlichen Auskünfte über die Entwicklung des Manuskripts erhalten“, erklärt KiWi-Verleger Helge Malchow auf Nachfrage von buchreport.de. „Daher können wir keine weitergehenden Auskünfte machen.“

Nach Informationen des „Guardian“ befürchtet Assange, den Staatsanwälten durch die Veröffentlichung seiner Erinnerungen, Munition für ihre Versuche zu liefern, ihn in die USA ausliefern zu lassen. Dort wird wegen des Verdachts terroristischer Aktivitäten im Zusammenhang mit Wikileaks gegen ihn ermittelt. Der Australier habe gegenüber Verlagsmitarbeitern angedeutet, das Buch nicht länger bzw. nichtwie geplant schreiben zu wollen.

Assange steht in Großbritannien unter Hausarrest, weil er verdächtigt wird, in Stockholm zwei Frauen sexuell missbraucht zu haben. Seine Anwälte streiten zur Zeit vor Gericht über seine Auslieferung nach Schweden. In erster Instanz urteilte der Londoner Richter, Schweden habe jedes Recht, seine Auslieferung zu verlangen. Kommende Woche geht der Streit in nächster Instanz weiter.

Mit den Buchvorschüssen soll die Verteidigung Assanges finanziert und seine Enthüllungsplattform Wikileaks am Laufen gehalten werden. „Ich will dieses Buch nicht schreiben, aber ich muss“, hatte der 39-Jährige sein Buchprojekt im Dezember angekündigt.

Dass Assange aus finanziellen Gründen gezwungen sein könnte, das Buch zu schreiben, hat einen besonderen Hintergrund: Seit Monaten leiten Finanzdienstleister wie Mastercard oder Paypal keine Spenden mehr an Wikileaks weiter – was Assange dazu animiert hat, mit einer Parodie auf einen Mastercard-Werbespot für die eigene Sache zu werben:

Für die Rechte sollen der britische Rechteinhaber Canongate Books und der US-Random-House-Verlag Alfred A. Knopf zusammen 930.000 Pfund (umgerechnet rund 1 Mio Euro) gezahlt haben. Lizenzen sind u.a. bereits an Feltrinelli (Italien), Laffont (Frankreich), Text (Australien), Mondadori/Random House (Spanien), De Geus (Niederlande), Objectiva (Portugal), Front (Norwegen), Norstedts (Schweden), Ara Llibres (Katalonien) und Companhia das Letras (Brasilien) vergeben.  

Ein Sprecher von Canongate wollte sich nicht äußern, bis die Anklage die nächste Instanz durchlaufen hat. Der Vertrag sei aber immer noch „sehr lebendig mit über 35 Verlagen, die das Buch veröffentlichen wollen“. Assange und sein Ghostwriter Andrew O’Hagan wollten nicht Stellung beziehen.

Unklar sei jetzt, ob Canongate Assange überreden werde, das Buch in der ursprünglich geplanten oder in veränderter Form zu schreiben oder ob das bisher gesammelte Material unter das Urheberrecht des Verlags falle, so dass die Erinnerungen auch ohne Assange geschrieben werden können, so der „Guardian“.

Foto: © Espen Moe/ Wikimedia Commons

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