Preisbindung muss neu überdacht werden

Die Anregung von Hartwig Schulte-Loh, künftig den Buchhändler dadurch zu unterstützen, dass er E-Books günstiger anbieten kann als der Onliner, erntet im Internet zwar viel Resonanz. Preisbindung-Wächter Christian Russ zeigt sich skeptisch:

  • Auf Anfrage von buchreport.de erklärte Russ, dass man zunächst klären müsste, wie das E-Book im Buchhandel aufs Gerät komme. Werde im Buchhandel ein Download verkauft, sei die Abgrenzung zum herkömmlichen Internetkauf aber schwierig.
  • Rechtlich gesehen könne die Grundregel, dass Bücher immer einen Preis haben, nur in Ausnahmefällen aufgehoben werden – die Stützung des einen Vertriebszweigs (in diesem Fall des stationären Handels) auf Kosten des anderen sei kein Grund.  Insofern wäre dies als Verstoß gegen das Preisbindungsgesetz zu werten.
  • Hinzu kämen kartellrechtliche Probleme, da sich das Modell nur durch Absprachen unter den Verlagen realisieren ließe.
  • „Schließlich ergibt sich die Frage, warum dieses Modell nur für den Verkauf von E-Books und nicht von gedruckten Büchern gelten solle“, so Russ. Eine Ausdehnung jenseits der digitalen Bücher würde zu erheblichen „Verwerfungen“ in der Branche führen.

„Onliner profitieren von Preisbindung“

Inzwischen hat Schulte-Loh auf die Ausführungen von Russ reagiert. Sein Kommentar nachfolgend im Wortlaut:

„Lieber Herr Russ, bei allem Respekt, schon die Preisbindung selbst ist natürlich Protektionismus, der die Vielfalt der Buchwelt und eine Vielzahl von Verkaufsstellen schützen soll. Der stationäre Buchhandel ist der Transmissionsriemen für diese Vorstellung des Buchmarktes in Deutschland. Wenn diese Prämisse keine Gültigkeit mehr hat, muss das System der Preisbindung neu überdacht werden. Der Esel soll offensichtlich den Karren so lange ziehen, bis er tot umfällt.

Letztendlich profitieren zur Zeit die Onliner ohnehin von der Preisbindung mehr, als viele Sortimenter.  Zentral ist doch nicht die Verhinderung von Umbrüchen, sondern deren Gestaltung. Ich empfinde es als  Verwerfung in der Branche, wenn das Sortiment die Berliner Buchtage faktisch boykottiert.“

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