Wir halten am Club fest

In keinem Jahr war der Überraschungsfaktor bei der Vorstellung der Bertelsmann-Zahlen so klein wie in diesem Jahr. Nachdem die Bilanzen der einzelnen Konzernsparten bereits in den vergangenen Wochen auszugsweise durchgesickert waren, blieb den Güterslohern heute in Berlin nur, mit der Gesamtschau und der Perspektive zu punkten.

Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski freute sich bei der Bilanzpressekonferenz über „eines der erfolgreichsten Jahre überhaupt“. Der Konzern wachse besonders mit digitalen Inhalten. Jetzt ergäben sich neue strategische Optionen – man werde das Kerngeschäft stärken und neue Wachstumsfelder erschließen.

Die Kennzahlen für den Konzern im Überblick:

  • Der gesamte Umsatz stieg 2010 um 4,5% auf 15,8 Mrd. Euro.
  • Der Konzerngewinn wurde mit 656 Mio. Euro verzwanzigfacht (2009: 35 Mio. Euro).
  • Die Finanzschulden sanken um eine Mrd. Euro auf unter 5 Mrd. Euro.
  • Die Umsatzrendite stieg auf über 11% – Rekord in der Firmengeschichte.

Random House steigert Umsätze weltweit um 6%

Dass die Bilanz von Random House (11,4% der Konzernumsätze) für 2010 ansehnlich ausfallen würde, das hatte Verleger Markus Dohle bereits in einem Interview für das Bertelsmann-Intranet erklärt – und damit indirekt Position bezogen zu einem Artikel des „Manager Magazins“, nach dem die Bertelsmann-Verlage im vergangenen Jahr schwächelten.

Unter dem Strich haben die Bertelsmann-Verlage im vergangenen Jahr die Erlöse um 6% auf 1,828 Mrd. Euro erhöht. Beim Operating EBIT legte die Verlagsgruppe um satte 26% auf 173 Mio. Euro zu. Die Umsatzrendite erreichte 2010 9,5% nach 8,0% im Vorjahr.

Im deutschsprachigen Markt legte Random House im vergangenen Jahr nach buchreport-Informationen um über 3% auf rund 319 Mio. Euro zu (die Umsätze des Hörverlags sind dabei nicht berücksichtigt). Seit 2006 (256 Mio. Euro) konnten die Münchner ihren Umsatz somit fast um ein Viertel erhöhen.

Zahlen zur Bestseller-Bilanz:

  • 2010 hatten die Bertelsmann-Verlage 230 Titel auf der Bestsellerliste der „New York Times“, darunter 25 Titel auf Platz eins.
  • In Deutschland stammten sechs der zehn meistverkauften Titel von RH, darunter „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin – das einzige Buch, das sich 2010 in Deutschland mehr als eine Mio. Mal verkaufte.

Ein besonderes Augenmerk will die weltgrößte Verlagsgruppe (über 5200 Mitarbeiter) auf das Geschäft mit digitalen Büchern legen. Der Umsatz mit digitalen Büchern stieg bei Random House weltweit um 250%. Dohle prognostiziert, dass sein Konzern im Jahr 2015 in den USA bereits 50% seines Umsatzes mit E-Books machen werde.

Die Entwicklung in Deutschland und Europa verlaufe ähnlich steil wie in den USA, mit einer Verzögerung von etwas drei bis fünf Jahren. Im vergangenen Jahr wurden laut RH mehr als 750.000 deutschsprachige E-Books aus den Random House-Verlagen in Deutschland heruntergeladen. Der Umsatz mit E-Books sei im Vergleich zu 2009 versiebenfacht worden; die Erlöse lägen hierzulande inzwischen im siebenstelligen Bereich, erklärte Joerg Pfuhl gegenüber buchreport. 2011, so die Vorgabe, sollen die E-Umsätze mindestens verdoppelt werden. (das Interview ist im neuen buchreport.magazin April zu lesen, das am kommenden Freitag, 1. April, erscheint)

Schon im Interview mit buchreport (nachzulesen im buchreport.magazin 10/2010) hatte sich Dohle „vorsichtig zuversichtlich“ zum 2. Halbjahr 2010 geäußert, obwohl man nicht wisse, wie sich die Weltwirtschaft entwickele und welchen Einfluss dies auf das Handelsgeschäft habe. Besonders der spanische Markt sei unter Druck.

Direct Group lässt erneut Federn

Die Direct Group, die inzwischen nur noch rund 6% zum Gesamtumsatz beisteuert, musste 2010 einmal mehr Federn lassen. Die Erlöse sanken um fast 15% auf 1,07 Mrd Euro.

Trotz der rückläufigen Umsätze will Bertelsmann am deutschen Club festhalten. Fernando Carro, Chef der Direct Group, erklärte, man habe sich aus den Ländern verabschiedet, wo es bessere Eigentümer gegeben habe – mit Vorteilen für Mitarbeiter und Aktionäre. Dieses Ziel sei in Deutschland nicht zu erfüllen, weshalb man am deutschen Club festhalten werde.

Dass die Clubs und Buchhandlungen an Umsatz verloren haben, ist keine Überraschung, denn im vergangenen Jahr wurde der 2008 eingeleitete internationale Ausverkauf weiter verschärft:

  • Im Winter/Frühjahr 2009/2010 schloss Bertelsmann zunächst die Zentrale des österreichischen Buchclubs Donauland in Wien und verkaufte anschließend die sieben verbliebenen Filialen.
  • Im Februar 2010 verkaufte der Medienkonzern seine Anteile am italienischen Buchclub Mondolibri; das Verlagshaus Mondadori zahlte fast sieben Millionen Euro für die Beteiligung.
  • Ebenfalls im Frühjahr 2010 verkaufte die DirectGroup ihre portugiesischen Aktivitäten an die Verlagsgruppe Porto Editora; zur Verkaufsmasse gehörten u.a. der größte Buch-Einzelhändler des Landes Bertrand, die gleichnamige Verlagsgruppe sowie der Buchclub Círculo de Leitores.
  • Im Frühjahr 2010 veräußerte die Direct Group  die Hälfte des spanischen Buchclubs Círculo de Lectores an die marktführende spanische Verlagsgruppe Planeta.
  • Im Juli fand Bertelsmann für die australische und neuseeländische Buchclubs Abnehmer.
  • Außerdem verhandeln die Direct Group-Manager seit Monaten  mit der US-Investmentfirma Najafi über die Übernahme der Frankreich-Aktivitäten, die rund die Hälfte der Sparten-Erlöse einspielen.  

Wie stark die Direct Group in den vergangenen Jahren abgespeckt hat, zeigt ein Vergleich der Umsatz- und Mitarbeiterzahlen. Während die Bertelsmann-Tochter 2001 noch mit über 13.500 Mitarbeitern 3,1 Mrd Euro erwirtschaftete, sanken die Erlöse bis 2010 hauptsächlich durch die Veräußerungen auf rund 1 Mrd Euro.

Mit dem geplanten Verkauf der französischen Geschäfte (Umsatz 2009: 623 Mio Euro) schrumpft der Umsatz noch einmal um mehr als die Hälfte.

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