Hyperlokal und viral

Auf die Entwicklung neuer Produkte war Dirk Rumberg schon bei der „Süddeutschen Zeitung“ spezialisiert – die erfolgreiche „SZ-Bibliothek“ trug seinerzeit seine Handschrift. In dieser Woche hat Rumberg für die auf Telefonauskunft spezialisierte telegate AG das Mitmachportal WerWieWas.de gestartet.

Der Nutzer des Portals gibt einen Ort für die Suche auf einer Landkarte ein und sieht dann, was im Umfeld passiert – eine Bündelung von lokal relevanten Informationen: „Aber wo gehen wir zum Bäcker, in den Sportverein, in die Schule, zu einer Party, zur Arbeit, ins Konzert oder in eine Ausstellung? Wo treffen wir die meisten Freunde? Wer hilft uns beim Renovieren, Babysitten oder Blumen gießen?“, lauten die von den Portalisten aufgeführten Beispiele.

Die „Alltagskommunikation“, die früher auf dem Marktplatz oder in der Dorfkneipe stattfand und in der Lokalzeitung abgebildet worden sei, habe heute in vielen Städten und Gemeinden keinen Ort mehr; hinzu komme, dass die Lokalzeitungen ihren Service abbauten.

Im Interview mit buchreport.de beschreibt Rumberg seinen Ansatz.

WerWieWas.de ist ein Mitmachportal – wiesoweshalbwarum?
WerWieWas ist ein völlig neues Lokal-Suchen- und Lokal-Mitmach-Konzept. Es ist unser Ziel, Nutzern erstmals in einer flächendeckenden Art und Weise sogenannte „hyperlokale“ Informationen und Inhalte zu bieten, die unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der traditionellen Lokalmedien liegen. Mittelfristig sollen Nutzer über die für alle offenen lokalen WerWieWas-Plattformen an jedem Ort Deutschlands erfahren, was vor ihrer Haustüre passiert.

Unser Konzept dafür heißt „User Generated Content“ – alle, die sich vor Ort auskennen, also lokale Experten sind, können mitmachen, lokale Geschichten von heute und früher erzählen, Neuigkeiten bekannt geben, Termine veröffentlichen, Buchhandlungen oder Restaurants empfehlen. Das geht alles sehr unkompliziert, indem man in Karten Orts-Pins setzt und dort seine News posted. Die von Nutzern erstellten Beiträge werden durch Informationen aus ausgewählten lokalen Internetseiten und dem örtlichen Branchenbuch ergänzt.

Welche Ziele verfolgen Sie?
Zunächst konzentrieren wir uns ganz auf die Nutzer und möchten WerWieWas in den kommenden ein bis zwei Jahren erfolgreich deutschlandweit als umfassendes lokales Informations- und Mitmach-Portal etablieren. Im zweiten Schritt werden wir dann die einzelnen lokalen Angebote bei den regionalen mittelständischen Gewerbetreibenden vermarkten. Wir sind überzeugt, dass sich die vernetzte digitale Vermarktung auch hyperlokal durchsetzen wird und sich Service-Angebote auch direkt an die Laufkundschaft am Ort bringen lassen. Dass solche Geschäftsmodelle funktionieren, beweist zum Beispiel topix in den USA.


Wie machen Sie Ihr Portal bekannt?
Wir setzen ganz auf virales Marketing. Jeder Verlag kennt das: wirklich zum Bestseller wird ein Titel nur dann, wenn die Mundpropaganda einsetzt.  Natürlich muss man dafür ein paar Steine ins Wasser werfen. Aber: wenn ein Produkt einen unmittelbar einsichtigen Nutzen bietet, dann wird es ganz von alleine weiterempfohlen. Also: wir setzen ganz auf den Web-2.0-Dialog und die „virale Vermarktungskarte“.  Außerdem werden wir die Mittel der Suchmaschinenoptimierung konsequent ausschöpfen und dies durch Maßnahmen des Direktmarketings ergänzen.
 

Sie stoßen mit dem Portal auf ein Feld, das früher von den Lokalzeitungen beackert wurde. Was stimmt Sie optimistisch, sich dort behaupten zu können?
Auch nach der digitalen Medienrevolution werden die unterschiedlichsten Medienangebote ihre Berechtigung haben und nebeneinander existieren. Mit unserem Angebot sprechen wir zum einen Nutzergruppen an, die von den lokalen Tageszeitungen gar nicht mehr erreicht werden, und zum andern findet man bei uns Themen, die für gewöhnlich unterhalb des Radars der Lokalzeitung liegen. Über das Fußballspiel der D-Jugend, den Projekttag der Schule oder auch das Straßenfest werden in den traditionellen Lokalmedien bislang in aller Regel nichts finden.


Wie kann die Buchbranche von Ihrem Portal profitieren?
Buchhandlungen vor Ort zum Beispiel indem sie WerWieWas.de nutzen, um auf Veranstaltungen in ihrer Buchhandlung hinzuweisen. Ich habe das für die Buchhandlung L. Kirchheim an meinem Wohnort in Gauting bei München schon einmal getan.

Ein anderer Nutzer hat für eine Lesung mit Martin Suter aus seinem neuen Roman „Der Koch“, die die Osiandersche Buchhandlung im Audimax der Universität Tübingen veranstaltet, diese Chance auch schon genutzt

Wer das tut, hat einen dreifachen Vorteil. Zum einen, ganz offensichtlich, kann man so auf sich und seine Veranstaltungen aufmerksam machen und auch Menschen erreichen, die sonst nicht regelmäßig in die Buchhandlung kommen. Zweitens ist ein solcher Eintrag mit allen wesentlichen Daten zu Ort und Zeit auch geeignet, um ihn über E-Mail-Verteiler, Facebook oder auch Twitter an die Kunden zu kommunizieren. Diese können diesen Link ihrerseits weitersenden. Drittens kann die Buchhandlung ihre individuelle Empfehlungskompetenz unter Beweis stellen. Zum Beispiel, indem man einen Service wie signierte Bücher anbietet, die der Kunde, auch wenn er internetaffin ist,  an seinem Wohn- oder Arbeitsort eben nur hier und nicht beliebig im Netz bekommt.

Welchen Vorteil haben Verlage, die mitmachen?
Für Verlage ist es sicherlich ein etwas weiterer, differenzierterer Weg. In München allerdings gibt es schon die ersten Verlage, die unsere Plattform nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen.

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