Das Drei-Prozent-Ärgernis

Die Gelegenheit scheint günstig: Der österreichische Buchhandel fordert eine Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes für Bücher von aktuell 10 auf 7%. Damit sollen die Buchpreise in dem Alpenland „endlich an die deutschen angeglichen werden“, erklärt der Obmann der Buch- und Medienwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, Franz Kernstock.

Hintergrund des Vorstoßes: In Österreich wird am 28. September der Nationalrat gewählt, und die Regierungspartei SPÖ profiliert sich im Wahlkampf mit der Forderung, den reduzierten Mehrwertsteuersatz von 10% für Lebensmittel auf 5% zu senken. Dem Buchhandel kommt die Diskussion gelegen. Vor allem wegen des Unterschieds zu Deutschland, wo für Bücher ein Satz von 7% gilt, mache die 10%-Besteuerung den österreichischen Buchhändlern zu schaffen, erläuterte Kernstock der Agentur APA. Im Gespräch mit buchreport stellt sich Geschäftsführerin Inge Kralupper vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels (HVB) hinter die Forderung: „Es ist evident, dass eine Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes sinnvoll wäre.“

Billigbuch-Tourismus nach Deutschland

Das Preisbindungsgesetz Österreichs bestimmt, dass Importeure für Bücher aus Deutschland einen Mindestpreis aus deutschem Nettopreis und österreichischer Mehrwertsteuer zusammensetzen müssen. Folge: In Österreich sind Bücher 3% teurer als in Deutschland.

Nach Kernstocks Einschätzung hat der kleine Preisunterschied dramatische Folgen: 10 bis 20% Umsatz gingen Österreichs Sortiment verloren, weil Buchhandelskunden ihr Lesefutter billiger in Deutschland kauften. Ob diese Schätzung zutrifft, ist allerdings – gelinde gesagt – unsicher. Anders als im (noch) preisbindungsfreien Nachbarland Schweiz bildet der Internethandel kein Einfallstor für billigere Bücher: Internethändler wie Amazon berechnen bei Lieferungen an Adressen in Österreich den dort geltenden höheren Mehrwertsteuersatz.

Unbestritten ist, dass vor allem Sortimenter in den grenznahen Regionen wie Vorarlberg und Salzburg unter dem Billigbuch-Tourismus leiden. Ob das allerdings ausreicht, um dem buchhändlerischen Ansinnen in der vom Wahlkampf aufgewühlten Wiener Politik Gehör zu verschaffen, ist zweifelhaft. HVB-Geschäftsführerin Kralupper prognostiziert nüchtern: „Ich halte es nicht für realistisch, dass wir in dieser Legislaturperiode etwas erreichen.“

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