Thomas Wilking über neue E-Book-Optionen
Experimentierzeit
Die amerikanische Random House-Gruppe hat die Tötung von Osama bin Laden zum Anlass für einen verlegerischen Schnellschuss genommen: Binnen einer Woche wurde eine Sammlung mit acht aktuellen Essays zusammengestellt und als E-Book und auch nur als E-Book zum empfohlenen Listenpreis von 1,99 Dollar angeboten. Auch andere US-Verlage sitzen an ähnlichen Projekten.
Denkbare Auslöser für derartige Dossierprojekte sind nicht besonders zahlreich, das Marktpotenzial ist also eher klein. Der Vorgang hat aber grundsätzliche Bedeutung und zeigt dreierlei:
- Buchverlage können mit E-Books in ein klassisches Zeitschriftensegment eindringen, wie Tempo und Preis zeigen.
- Buchverlage können ihren Buchautoren neue Publikationsoptionen eröffnen und über einen schnellen, überschaubaren Beitrag auch neue Autoren akquirieren; Random House nutzt beim Bin-Laden-Titel beide Optionen.
- Buchverlage, die sich anfangs mit den zahlreichen Herausforderungen herumgeschlagen haben, das gedruckte Buchformat digital zu reproduzieren, entdecken im nächsten Schritt neue Möglichkeiten.
Das Spektrum reicht von der mediengerechten Anreicherung (enhanced E-Books) über neue Kundenbeziehungen (Social Reading) bis zum vertriebsgetriebenen Schnellschuss, der Buchaktualität bei nicht absehbaren Ereignissen neu definiert und zugleich das dabei übliche Remittendenrisiko ausschaltet. Welche E-Book-Modelle Zukunft haben, ist noch nicht ausgemacht. Das Entscheidende ist jetzt der Reiz und die Bereitschaft zu experimentieren.
Frithjof Klepp aus Berlin
Freitag, 13-05-11 10:35Sehr einleuchtender Kommentar! Bin gespannt, wie schnell die neuen Möglichkeiten nach Deutschland bzw. Europa schwappen...








