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Österreichischer Buchpreis geht an Clemens J. Setz

Der österreichische Schriftsteller und Übersetzer Clemens J. Setz hat den mit 20.000 Euro dotierten Österreichischen Buchpreis 2023 gewonnen. Ausgezeichnet wurde er für sein Buch „Monde vor der Landung“ (Suhrkamp Verlag). Die Verleihung fand zum Auftakt der Buch Wien vor rund 200 geladenen Gästen im Wiener Kasino am Schwarzenbergplatz statt. 

In der Begründung der Jury heißt es: „Clemens J. Setzs Roman „Monde vor der Landung“ erzählt das Leben eines Querdenkers „avant la lettre“, ohne dessen obskure Gedankenwelt lächerlich zu machen oder umgekehrt zu verharmlosen. Das Innenleben des Protagonisten Peter Bender, dessen historisches Modell in den 1920er Jahren relativ erfolgreich die sogenannte Hohlwelt-Theorie propagiert hat, wird in all seinen Schattierungen und sozialen Verästelungen offengelegt, aber niemals denunziert. Selbst in den offensichtlichen Unaufrichtigkeiten gegenüber seinen glühenden Anhängern sowie den Lieblosigkeiten gegenüber seiner eigenen Frau und seiner heimlichen Geliebten wirkt Bender menschlich und irgendwie sogar sympathisch. Angesichts der radikalen politischen Verwerfungen in den 1930er Jahren mit ihren viel tieferen ethischen Abgründen und Brutalitäten erscheint Benders verquere Weltsicht plötzlich gar nicht mehr so haarsträubend wie zunächst. Sein trauriges Schicksal und das seiner jüdischen Frau im Nationalsozialismus wird so fragmentarisch berichtet, wie sie überliefert sind, sodass stets Dezenz gewahrt bleibt. Die kulturell, historisch und sprachlich ausgesprochen sensible Erzählinstanz ergreift niemals Partei und legt kein Urteil nahe. Auf diese Weise können Leserinnen und Leser ihren eigenen Zugang in die komplexe Thematik entwickeln und das soziale Abtriften eines trotz allem einnehmenden Menschen „von Innen“ erleben.“

Der Debütpreis ging an Arad Dabiri für den Titel „Drama“ (Septime Verlag).

Der Preis vergeben vom Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport, dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels und der Arbeiterkammer Wien. 

Folgende Titel standen auf der Shortlist und sind (abgesehen vom Hauptpreis) mit jeweils 2500 Euro dotiert:

  • Milena Michiko Flašar– Oben Erde, unten Himmel (Wagenbach Verlag)
  • Wolf Haas – Eigentum (Carl Hanser Verlag)
  • Maja Haderlap – Nachtfrauen (Suhrkamp Verlag)
  • Teresa Präauer – Kochen im falschen Jahrhundert (Wallstein Verlag)
  • Clemens J. Setz – Monde vor der Landung (Suhrkamp Verlag)

Rückblick 2022: 

Österreichischer Buchpreis 2022 geht an Verena Roßbacher

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