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Marie Schmidt bekommt den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2019

Denkabenteuer: Sie kann Sprach- und Stilkritik wie nur wenige

Marie Schmidt von der Süddeutschen Zeitung nimmt den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2019 des Fachmagazins Börsenblatt entgegen | Journalistin und Autorin Susanne Mayer hält die Laudatio auf „eine leicht spöttische, oft selbstironische, leidenschaftliche Buchfrau“

„Literatur ist keine Wellnessanwendung“ schrieb Marie Schmidt in einem Plädoyer für das alltägliche Lesen, das am vergangenen Samstag in der Wochenendausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ erschienen ist: „Was wir kultivieren sollten, ist ein aufregendes, chaotisches, lebendiges Lesen.“ Texte wie dieser sind der Grund dafür, warum das Fachmagazin Börsenblatt die Journalistin vor einem Monat mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet hat. In der Jurybegründung heißt es: „Hier schreibt eine reflektierte und kluge Zeitgenossin über Literatur.“ Auf der Leipziger Buchmesse hat Marie Schmidt heute die mit 5.000,- Euro dotierte Auszeichnung entgegengenommen.

Egal, um welches Buch es geht, bei Artikeln von Marie Schmidt kann man sich nach Ansicht von Heinrich Riethmüller stets sicher sein: „Jetzt wird es klug, überraschend, eigensinnig. Jetzt kommt mehr als pure Literaturkritik“, so der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in seinem Grußwort zur Preisverleihung.

Die Journalistin und Autorin Susanne Mayer lobte Marie Schmidt in ihrer Laudatio als eine leicht spöttische, oft selbstironische, leidenschaftliche Buchfrau, die Sprach- und Stilkritik könne, wie nur wenige. In ihren Beiträgen werde alles in einem klaren, fast nüchternen, oft ruhigen Stil analysiert, der vornehmlich freundlich daherkomme und dann gnadenlos auf sein Ziel zurausche. „Sie schreibt weniger für die Kollegen, sie schreibt auch nicht, um der Welt mitzuteilen, wie wichtig sie ist, sie schreibt über Dinge, die sie interessieren. Das sind vielleicht Bücher, die andere noch gar nicht auf dem Schirm haben.“ Marie Schmidt hole die Leser nicht ab, sondern ziele darauf, sich auf Augenhöhe miteinander einzulassen. „Das Aufklärerische ihrer Literaturkritik liegt vor allem darin, dass Marie Schmidt uns an ihrem Denken teilhaben lässt und Lust aufs Mitdenken macht. Auf Denkabenteuer!“

Für Marie Schmidt ist die Auszeichnung mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik eine „schwindelerregende Ehre“. In ihrer Dankesrede thematisierte sie die Aufgabe der Literaturkritik: „Sie muss die Literatur in ihrer abenteuerlichen und spannenden Wechselwirkung mit allen Phänomenen der Gegenwart zeigen. Und sich nicht zurückziehen in eine traurig trotzige Besinnlichkeit der Kunstbetrachtung um ihrer selbst willen.“ Für die wiederkehrende Klage über einen möglichen Bedeutungsverlust ihrer Disziplin fehlt der Preisträgerin das Verständnis. „Bedeutung ist ja nichts, was man uns schuldig wäre, sondern eher etwas, das wir Kritikerinnen herstellen müssen.“ Dennoch gelte es aber, den Freiraum der Literaturkritik institutionell und materiell zu beschützen. Sich selbst versteht Schmidt weder als Journalistin, Pädagogin oder Schriftstellerin, noch als Literatur-Groupie, Biografin oder Agentin des Buchmarktes in den Medien. „Das entscheidende Privileg der Kritikerin ist es, sich mit all den Rollen, die an sie herangetragen werden, nicht zu identifizieren. Und dieses Privileg, diese Freiheit, kann ich durch diesen Preis noch viel selbstbewusster für mich in Anspruch nehmen.“

Über die Preisträgerin

Die Kritikerin und Journalistin Marie Schmidt wurde 1983 in München geboren. Sie studierte Komparatistik und Kulturwissenschaften und wurde an der Deutschen Journalistenschule München ausgebildet. Nach einigen Jahren als freie Autorin und Redakteurin für das Feuilleton der „Zeit“ wechselte sie im Sommer 2018 als Literaturredakteurin zur „Süddeutschen Zeitung“. Sie war Mitglied der Jurys des Wilhelm-Raabe-Literaturpreises der Stadt Braunschweig 2017, des Lessing-Preises der Freien Hansestadt Hamburg 2017 und des Marie-Luise-Kaschnitz-Preises der Evangelischen Akademie Tutzing 2019.

Über die Laudatorin

Die Journalistin, Kritikerin und Autorin Susanne Mayer, Jahrgang 1952, ist promovierte Anglistin. Sie volontierte bei der „Stuttgarter Zeitung“, wo sie später Redakteurin wurde. Danach wechselte sie zur „Zeit“, bei der sie im Feuilleton als Kulturreporterin und Literaturkritikerin tätig war. Für ihre Arbeiten wurde sie 1985 mit dem Theodor-Wolff-Preis sowie 1990 und erneut 1994 mit dem Emma-Journalistinnen-Preis ausgezeichnet.

Über den Preis

Im Jahr 1977 hat das Fachmagazin „Börsenblatt“ den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik gestiftet, der heute mit 5.000,- Euro dotiert ist. Bis 1995 wurde jedes Jahr ein besonders bemerkenswerter Literaturteil einer deutschsprachigen Zeitung oder Zeitschrift, eines deutschsprachigen Hörfunk- oder Fernsehprogramms ausgezeichnet. Seit 1996 würdigt die Jury jeweils die Arbeit einer Einzelperson. Der Preis wird nicht für eine Einzelkritik vergeben, maßgeblich ist vielmehr die Kontinuität des literaturkritischen Schaffens. Die Auszeichnung erinnert an den Schriftsteller, Theaterkritiker und Publizisten Alfred Kerr (1867 bis 1948), der in der Kritik eine eigene Kunstform sah.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Insa Wilke, Daniela Strigl, Helmut Böttiger, Ina Hartwig, Gregor Dotzauer, Hubert Winkels, Manfred Papst, Nico Bleutge, Andreas Breitenstein und Michael Braun.

Über die Jury

Ein Expertengremium beobachtet kontinuierlich das literaturkritische Schaffen in den Medien aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und erstellt eine Kandidatenliste für die jährliche Jurysitzung, bei der der Preisträger ermittelt wird. Der Runde gehören folgende Personen an: die Programmreferentin des Münchner Literaturhauses Dr. Katrin Lange, der Geschäftsführer der Münchner Buchhandlung Lehmkuhl Michael Lemling, die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Alexandra Pontzen, der Ehrenpräsident der Akademie für Sprache und Dichtung Prof. Dr. Klaus Reichert, der Verleger Klaus Schöffling und der „Börsenblatt“-Chefredakteur Dr. Torsten Casimir.

Frühere Jury-Mitglieder waren unter anderem die Leiterin der Casa di Goethe in Rom Dr. Maria Gazzetti und die Literaturwissenschaftlerin Dr. Rachel Salamander sowie der im Sommer 2017 verstorbene Schriftsteller, Herausgeber und Journalist Peter Härtling, der viele Jahre dem Gremium angehörte.

Die vollständige Pressemitteilung sowie Materialien zum Herunterladen (Redetexte, Fotos, Porträt, Logos) finden Sie im Pressebereich der MVB-Homepage:

www.mvb-online.de/ueber-uns/presse/mitteilungen/2019/alfred-kerr-preis-fuer-literaturkritik-2019/

 

 

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