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Literaturhäuser: »Es droht ein massiver Einbruch des literarischen Lebens«

Das Netzwerk der Literaturhäuser befürchtet einen „Finanzierungskollaps der Literaturvermittlung“: Massive Kostensteigerungen in sämtlichen Bereichen würden nicht nur die Literaturinstitutionen gefährden, sondern mittelbar auch Autoren treffen. Das ist das Fazit einer außerordentlichen Tagung des Netzwerks der Literaturhäuser zum Jahresauftakt im Literaturhaus München.

In einem Brandbrief fasst der Verbund aus 15 Literaturhäusern die Probleme zusammen: Vor allem steigende Energie- und Dienstleistungskosten würden zur Existenzbedrohung für Literaturinstitutionen, aber auch Verlage und Podiumsgäste würden nach der Pandemie erheblich höhere Honorare fordern, die Rede ist von bis zu 50% mehr als früher.

Allerdings sieht das Netzwerk der Literaturhäuser auch strukturelle Missstände: Die öffentliche Zuschüsse von Ländern, Kommunen oder Kantonen hätten seit Jahren keine Anpassungen erfahren. Drittmittelförderer wie Stiftungen seien immer seltener bereit, sich an den Personal- und Betriebskosten von Veranstaltern zu beteiligen: „Die Strukturen, die seit den 80er- und 90er-Jahren die weltweit so einzigartigen Literaturhäuser ermöglichten und damit den Beginn einer immer lebendiger und vielfältiger werdenden Literaturvermittlungsszene, bröckeln“, heißt es weiter.

Das Netzwerk der Literaturhäuser weist auf seine Rolle als Vermittler für kulturelle Bildung hin. So habe man dazu beigetragen, dass während der Corona-Pandemie „die kulturelle Teilhabe breiter Bevölkerungsschichten unter schwerwiegenden Einschränkungen weiterhin möglich war“ – auch dank des Programms „Neustart Kultur“ sowie Corona-Hilfsprogrammen in der Schweiz und Österreich.

Doch jetzt seien Grundsicherungen und Programmstrukturen finanziell angegriffen und eine moderne Literaturvermittlung sei in Form und Umfang nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Vor diesem Hintergrund appelliert das Netzwerk der Literaturhäuser an die politischen Entscheidungsträger, insbesondere an Staatsministerin Claudia Roth, „gerade jetzt die finanzielle Förderung von Literaturveranstaltern auszuweiten und dann zu verstetigen, um so den gewachsenen Ansprüchen und Kostensteigerungen Rechnung zu tragen“. Nur durch rasch einsetzende Maßnahmen und Handlungsbereitschaft werde sich ein massiver Einbruch des literarischen Lebens und Kulturangebots verhindern lassen.

Unterzeichnet haben den Appell:

  • Hauke Hückstädt (Literaturhaus Frankfurt am Main), Vorstandsvorsitzender des Netzwerks der Literaturhäuser
  • Tomas Friedmann (Literaturhaus Salzburg), für den Vorstand
  • Gesa Schneider (Literaturhaus Zürich), für den Vorstand
  • Ursula Steffens (Geschäftsführung Netzwerk der Literaturhäuser, Hamburg)

Zusammen mit den Leiterinnen und Leitern der Literaturhäuser:

  • Katrin Eckert (Literaturhaus Basel)
  • Florian Höllerer (LCB, Berlin)
  • Anja Johannsen (Literarisches Zentrum Göttingen)
  • Alexander Suckel (Literaturhaus Halle)
  • Rainer Moritz (Literaturhaus Hamburg)
  • Bettina Fischer (Literaturhaus Köln)
  • Thorsten Ahrend (Literaturhaus Leipzig)
  • Tanja Graf (Literaturhaus München)
  • Ulrika Rinke (Literaturhaus Rostock)
  • Stefanie Stegmann (Literaturhaus Stuttgart)
  • Robert Huez (Literaturhaus Wien)
  • Susanne Lewalter (Literaturhaus Wiesbaden)

 

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