Hildegard E. Keller über »Was wir scheinen«

In den aktuellen Frühjahrs-Programmen finden sich zahlreiche Romandebüts deutschsprachiger Autorinnen und Autoren. buchreport stellt 15 dieser Newcomer in Steckbriefen vor. Heute: Hildegard E. Keller.

Mein Roman in drei Sätzen

Hildegard E. Keller veröffentlichte Theaterstücke, Hörspiele und Filme, die Frauen und ihre Werke ins Leben zurückholen. Bis 2019 war sie Jurorin beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb und Mitglied im Literaturclub des Schweizer Fernsehens. Seit 2001 ist sie Professorin für Literatur. Sie lehrt Multimedia-Storytelling an der Universität Zürich, ist Geschäftsführerin der Bloomlight Productions und der Edition Maulhelden (mit Christof Burkard). „Was wir scheinen“ (Eichborn) ist ihr erster Roman. (Foto: Ayse Yavas)

Was macht das Leben erzählenswert? Auf der Suche nach Antworten streift meine Hauptfigur, Hannah Arendt, einen Sommer lang durch ihren Schweizer Urlaubsort und andere Lebenslandschaften. Da ist sie 68, ihre persönlichen Erfahrungen in der heftigen Kontroverse auf ihr Eichmann-Buch sind noch weitgehend unbekannt, aber alte und neue Gefährten helfen ihr im abgeschiedenen Tegna, allmählich Licht ins Dunkel zu bringen.

Mein Weg zu Eichborn

Ich hatte wirklich Glück! Mein tüchtiger Agent begleitete mich über die erste Hürde, und so kam ich zu Dominique Pleimling, dem begeisterungsfähigen Verleger mit Horizont.

Das Verdienst meiner Lektorin

Ulrike Ostermeyer war meine beste Sparringspartnerin und der Roman hat die subtilste Lektorin bekommen! Unvergesslich, wie sie bei unserer ersten Besprechung gespürt hat, dass das Projekt und ich selbst Vertrauen brauchen. Beides habe ich uneingeschränkt bekommen, von Ulrike und Dominique.

Mein Eindruck von Literaturbetrieb und Buchbranche

Die Buchbranche ist stark im Umbruch. Manchmal scheint es, kein Stein bleibt auf dem anderen. Aber ich glaube fest an das gedruckte Buch und finde höchstens die Halbwertszeit von Büchern bedenklich. Sie ist schwindelerregend kurz geworden. So viel Verschwendung in der Kultur?

Meine Lieblingsbuchhandlung

Der Bücherladen Appenzell, in Berlin Geistesblüten und Ocelot, in Köln Bittner, in Winterthur Obergass-Bücher, in Schaffhausen das Bücherfass, in Olten Schreibers, in Zürich am Hottingerplatz und Bodmer an der Stadelhoferstrasse …

Meine Lielingsautoren

Zu viele!

So lese ich

Am liebsten nach Lust und Laune in meinem eigenen Tempo. Lesen ist kein Pferderennen.

Schreiben ist für mich

Alles! Mein Vater schenkte mir vor langer Zeit eine Füllfeder. Sie schreibt nicht mehr, aber ich habe sie wegen der Gravur behalten: „Schreib Hildegard“, also ohne Komma, als rufe er mir heute noch zu: Schreib dich. Er hat recht: Schreiben ist Erfinden, Fantasieren, Erinnern, Empfinden, Wissen und Reflektieren, alles, was mich zu der macht, die ich bin.

Wenn ich nicht gerade schreibe

Zeichne ich, von Hand und mit dem Tablet, mit Bildbearbeitungssoftware kann ich mich stundenlang vergnügen. Und ich koche, wenn sich mein Mann nicht an den Herd stellen will. Wir beide erfinden Rezepte für unsere Edition Maulhelden.

Warum haben Sie dieses Debüt ins Programm genommen?

Nur sehr selten begegnen einem Romane, die Form und Inhalt aufs Schönste vereinen. Dieses Debüt schafft es und zeigt uns in einer frischen, mitreißenden, unmittelbaren Sprache Hannah Arendt so nah und unverstellt, wie es nur große Kunst vermag.

Dominique Pleimling, Programmleiter

Debütantinnen und Debütanten – im buchreport.magazin 01/2021

Kommentare

Kommentar hinterlassen zu "Hildegard E. Keller über »Was wir scheinen«"

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Mit dem Abschicken des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Daten elektronisch gespeichert werden. Diese Einverständniserklärung können Sie jederzeit gegenüber der Harenberg Kommunikation Verlags- und Medien-GmbH & Co. KG widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutz-Richtlinien

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*