Amanda Lasker-Berlin über »Elijas Lied«

In den aktuellen Frühjahrs-Programmen finden sich zahlreiche Romandebüts deutschsprachiger Autoren. buchreport stellt 14 dieser Newcomer in Steckbriefen vor. Heute: Amanda Lasker-Berlin

Amanda Lasker-Berlin, geboren 1994 in Essen, inszenierte mit 18 Jahren ihr erstes Theaterstück. Nach einem Studium der Freien Kunst an der Bauhaus-Universität in Weimar studiert sie aktuell Regie an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Für ihre Dramen und ihre Kurzprosa erhielt sich bereits mehrere Auszeichnungen. Ihr erster Roman „Elijas Lied“ (Frankfurter Verlagsanstalt) ist nominiert für den Debütpreis der Lit.Cologne 2020. (Foto: Michael Matthey)

Mein Roman in drei Sätzen

Drei Schwestern machen sich auf die Suche nach dem, was sie noch verbinden kann, vor Jahren haben sie sich für unterschiedlichste Wege entschieden; Elija, die mit Trisomie geboren wurde, arbeitet als Schauspielerin, Noa sucht ihren Weg als Sexualbegleiterin und Loth kämpft als Aktivistin der Neuen Rechten für eine andere Gesellschaft. Auf einer Wanderung gleichen sie ihre verschiedenen Perspektiven ab, scheitern bei dem Versuch, miteinander zu sprechen, den Zusammenhalt aus der Kindheit wiederherzustellen. Der Roman begleitet die Schwestern beim Erforschen der Frage, wann das Private politisch wird, untersucht Loths Radikalisierung, die zunehmend zur Gefahr für Elija und Noa wird.

Mein Weg zur Frankfurter Verlagsanstalt

Meine Agentin Hannah Nuspliger-Fosh hat den Kontakt zur FVA hergestellt. Dabei ging es ursprünglich um mein erstes Manuskript, das den Verlag interessierte. Während der Gespräche darüber wurde ich mit „Elijas Lied“ fertig, sodass meine Agentin diesen zweiten Roman auch gleich anbieten konnte. Daraus ergab sich ein Zwei-Buch-Vertrag, über den ich mich sehr freue.

Das Verdienst meiner Lektorin

Vor dem Lektorat war ich ziemlich nervös und hatte Sorge vor großen Einschnitten in den Text. Nadya Hartmann hat den Prozess so angenehm gestaltet und nur Veränderungen im Geist des Textes vorgeschlagen, dass ich sehr schnell von allen Sorgen befreit war. Ihr Vertrauen in den Text ist für mich eine große Stütze.

Mein Eindruck von Literaturbetrieb und Buchbranche

Bevor ich in meiner Agentur aufgenommen wurde, erschien mir der Literaturbetrieb unzugänglich, abgeschlossen. Jetzt, da ich ein paar Eindrücke sammeln kann, erlebe ich leidenschaftliche Menschen in der Buchbranche, die für Texte einstehen und ein gutes Gespür für die Themen der Gegenwart haben. Das stimmt mich optimistisch.

Meine Lieblingsbuchhandlung

Meine Lieblingsbuchhandlung, die Buchhandlung Tümmers in Gladbeck, ist leider vor einigen Jahren geschlossen worden. Seitdem versorgen mich die Janssen Buchhandlung in Bochum, Proust in Essen und die Mörike Buchhandlung in Ludwigsburg mit wunderbaren Büchern.

 

Debütanten im Frühjahr 2020 – im buchreport.magazin 01/2020

 

Meine Lieblingsautorin

Die Autorin, die mich am meisten fasziniert und deren Texte mich erwischen, wie sonst keine Texte, sind die von Herta Müller.

So lese ich

Am liebsten lese ich in Bibliotheken in konzentrierter Atmosphäre. Oder beim Zugfahren. Ich verschlinge Bücher oder ich quäle mich ein paar Seiten und gebe dann auf. Dazwischen gibt es wenig.

Schreiben ist für mich

Eine Notwenigkeit. Anders als schreibend kann ich die Gegenwart nicht einordnen. Ich brauche den Text als Mittel, mich und die Ereignisse um mich herum zu verorten.

Schreiben gibt mir auch die Möglichkeit, aus meiner Perspektive herauszutreten und mir den Blick einer anderen Figur zu leihen. Das empfinde ich als eine gewisse Art der Erleichterung.

Wenn ich nicht gerade schreibe

Dann mache ich Theater, dann höre ich Momenten zu und beobachte lange Weilen. Meistens ergibt sich daraus die nächste Geschichte.

 

Warum haben Sie dieses Debüt ins Programm genommen?

Amanda Lasker-Berlin porträtiert in „Elijas Lied“ drei Schwestern, alle drei auf ihre besondere Art gesellschaftliche Außenseiter. Eine Wanderung soll sie einander wieder näher bringen – doch es kommt anders. Wie die Autorin die individuellen Lebenswelten ihrer Figuren mit hochaktuellen und nicht wenig brisanten gesellschaftlichen Themen engführt, ist beeindruckend. Die erzählerische Souveränität lässt vergessen, dass man es mit einem Debüt zutun hat. Die Unaufgeregtheit und das Vertrauen in die Kraft ihrer Figuren, aber auch die poetische, dabei niemals überdrehte Sprache haben uns überzeugt: Hier gibt es eine aufregende neue literarische Stimme zu entdecken!

Nadya Hartmann , Lektorin

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