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Kathrin Rüstig: »Nicht auf Bestseller verzichten«

Die Bonnier-Tochter BookBeat bietet ein aufs Hörbuch spezialisiertes Streaming-Angebot an. Kathrin Rüstig erklärt im Interview, warum sich Streaming für Verlage und Urheber lohnen kann.

BookBeat ist seit Herbst 2017 in Deutschland am Markt. Wie lautet Ihre erste Bilanz?

Kathrin Rüstig war 13 Jahre lang in leitender Funktion bei der Amazon-Tochter Audible tätig, bevor sie im Januar dieses Jahres als Director Publisher Relations zu BookBeat gewechselt ist. (Foto: Book Beat)

Wir lernen noch, um den Markt zu verstehen, aber wir können bereits eine gute Dynamik feststellen und auch eine positive Resonanz bei den Verlagspartnern. Das dürfte damit zusammenhängen, dass wir uns ausschließlich aufs Hörbuch konzentrieren.

Können Sie der Marktdominanz von Audible etwas entgegensetzen?

Wir sind nicht angetreten, um anderen Playern Kunden wegzunehmen, sondern wir wollen neue Zielgruppen erreichen, die das Hörbuch noch nicht für sich entdeckt haben. Streaming und Download sind zwei vollkommen unterschiedliche Businessmodelle, die beide ihre Berechtigung haben.

Warum überwiegt im Hörbuchmarkt weiterhin der Download?

Das Hörbuch im Streaming ist noch ein relativ neues Phänomen. Napster, Spotify und Deezer haben erst vor wenigen Jahren damit angefangen, Hörbücher in ihr Musikangebot aufzunehmen. Das mag eine Erklärung dafür sein, dass der Hörbuch-Down­load, den es schon seit rund 15 Jahren in Deutschland gibt, natürlich noch den Löwenanteil hat. Wie sich das in der Zukunft entwickeln wird, lässt sich nur schwer vorhersagen.

Kann sich Hörbuch-Streaming langfristig etablieren, wenn es für Verlage erst am Ende der Verwertungskette eines Hörbuchs steht?

Ein solches „Windowing“, bei dem man zunächst einmal wartet und Frontlisttitel erst später reinstellt, gehört zum Experimentieren der Verlage. Ja, es ist schmerzhaft für uns, wenn aktuelle Titel auf der SPIEGEL-Bestsellerliste stehen und entsprechend in allen Buchhandlungen hervorgehoben werden, aber in unserem Angebot nicht zu finden sind. Ich bin überzeugt, dass sich diese defensive Einstellung gegenüber dem Streaming ändern wird. Schon Ende dieses Jahres werden wir über eine ganz andere Titelzahl sprechen als heute, weil mehr Rechte geklärt sind und Titel nachrücken können.

Und wie wollen Sie die Verlage überzeugen?

Der Verzicht auf Frontlisttitel ist ein Verlust für uns, für unsere Kunden und auch für die Autoren, denen dieser Vertriebskanal zumindest für ein paar Monate verwehrt ist. Das Schöne im digitalen Geschäft und im Streaming ist zwar, dass die Backlist nicht ein solches Schattendasein führt wie im physischen Markt. Die größte Nachfrage erreichen die meisten Titel aber, wenn das Buch frisch erschienen ist und viel besprochen wird. Diesen Peak nicht mitzunehmen, ist schade, denn das wird man von Verlagsseite nicht so leicht wieder aufholen können.

Das gesamte Interview lesen Sie hier. Weitere Artikel zum Hörbuchmarkt finden Sie im aktuellen buchreport.spezial „Hörbuch“, hier gedruckt zu bestellen und hier digital zu lesen.

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