PaperC meldet Insolvenz an

Die Fachbuchplattform PaperC hat Insolvenz angemeldet. Auch mehrere Veränderungen des Geschäftsmodells haben bei der Online-Bibliothek keine Wende gebracht.

PaperC war 2009 als Start-up im Fachbuchbereich gestartet, sammelte mehrfach Wagniskapital ein und wurde auch von etlichen Verlagen (u.a. C.H. Beck, Elsevier, SAGE Publications, Springer, O’Reilly) wohlwollend aufgenommen und entsprechend mit Content ausgestattet. Auch mit mehreren Start-up-Preisen wurde PaperC bedacht.

All das hat aber nicht gereicht: Beim Amtsgericht Charlottenburg wurde jetzt ein Insolvenzverfahren für das Unternehmen eröffnet, das zuletzt in Berlin als PaperC Innovation GmbH firmierte. Als Insolvenzverwalterin wurde die Berliner Rechtsanwältin Ulrike Sythes bestellt. Als Gründe werden in der Bekanntmachung Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung des Unternehmens genannt. Auch die Plattform paperc.com ist aktuell nicht mehr erreichbar.

Auf der Suche nach tragfähigen Erlösmodellen hat PaperC in der Vergangenheit sein Geschäftsmodell mehrfach erweitert und umgebaut – offensichtlich erfolglos. Eine Chronologie der bewegten Unternehmensgeschichte:

  • 9/2009: Paperc.de geht online. Die Nutzer der Fachbuchplattform können PDF-Dateien komplett kostenlos lesen. Das Bearbeiten oder Drucken kostet 5 bis 10 Cent.
  • 9/2010: Um die ausländischen Verlage zu gewinnen, beschränkt PaperC die kostenlose Lektüre auf 30 bis 60 Minuten.
  • 11/2011: Die Gründer kündigen eine Flatrate mit monatlicher Pauschale an. Die Einführung wird wiederholt verschoben.
  • 6/2012: PaperC will seine technische Infrastruktur Verlagen, Händlern und Bibliotheken anbieten.
  • 4/2013: Die neue Domain paperc.com wird gelauncht. Die Plattform ist als browserbasierte App für E-Books im Epub-Format angelegt. Nutzer können Textstellen markieren, automatisiert zitieren, Notizen oder Lesezeichen anlegen und teilen.
  • 6/2013: PaperC führt E-Book-Bundles ein, die der Kunde mieten kann.
  • 6/2013: Ankündigung des neuen Bezahlmodells „pay as you read“. Die Idee wird auf Eis gelegt.
  • 4/2014: Das Team verabschiedet sich von der ursprünglichen Domain paperc.de, um sich auf paperc.com zu konzentrieren.
  • 5/2014: Das Angebot wird um belletristische Titel erweitert. Inhalte liefert u.a. Bastei Lübbe. 2015 kamen auch die Mediengruppe Bonnier und der Publikationsdienstleister Books on Demand (BoD) als Kooperationspartner hinzu.
  • 1/2015: Die Fachbuchplattform plant den Start eines Abomodells für E-Books.

Kommentare

1 Kommentar zu "PaperC meldet Insolvenz an"

  1. W. Arndt Bertelsmann | 20. Juni 2018 um 9:43 | Antworten

    Immerhin hatten ein paar Leute den Mut, etwas zu unternehmen und auch zu scheitern. Ich wünsche jenen mehr Glück bei dem nächsten Vorhaben. Auch ich war unter den Kooperationspartnern, aber gehe munter weiter – sicherlich nicht ohne Irrtümer.

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