Suhrkamp schickt Leser ins Darknet

Das Darknet ist nicht nur ein Ort, um anonym im Internet zu surfen und womöglich illegalen Geschäften und Trieben nachzugehen. Man kann dort auch ganz legal Bücher gewinnen, zumindest seit Suhrkamp gemeinsam mit den Buchmarketingexperten von Bilandia ein Gewinnspiel gestartet hat. Der Verlag will so auf Zoë Becks Krimi „Die Lieferantin“ aufmerksam machen, in dem das Darknet als Drogenvertrieb thematisiert wird.

Mit einem Einplatinencomputer Raspberry Pi (auf dem Foto neben dem Buch zu sehen) lässt sich die Webseite im Darknet für Zoë Becks neuem Thriller „Die Lieferantin“ aufrufen. Foto: © Bilandia

Aktionsdetails:

  • Es wurde eine eigene Darknet-Website programmiert, auf die die Leser über den Link http://naa57ezzq2dtv3ke.onion gelangen können. Nur wer den Tor-Browser (s. Kasten) herunterlädt und das Darknet über den Link betritt, kann am Gewinnspiel teilnehmen.
  • Per Twitter und Facebook lädt der Verlag die Leser zur Teilnahme ein. Auch die in sozialen Netzwerken sehr aktive Zoë Beck trommelt für die Aktion.

„Wir wollten die Leser dazu einladen, sich mit dem Datenschutz und anonymer Kommunikation im Internet auseinanderzusetzen“, erklärt Albrecht Mangler von Bilandia. Viele Leser hätten zunächst große Bedenken, sich ins Darknet zu begeben, obwohl es zunächst nur einen anonymisierten verschlüsselten Zugang ins Internet bietet. Trotz der mit dem Darknet verbundenen kriminellen Konnotation hätten sich mittlerweile knapp 70 Fans auf das Experiment eingelassen, ergänzt Demian Sant’Unione, Teamleiter Online-Marketing bei Suhrkamp: „Uns ging es darum, eine Diskussion anzustoßen und zu erfahren, wie unsere Leserinnen und Leser zum Darknet stehen und ob sie sich schon mit dem Thema beschäftigt haben.“ 

Die Leser selbst haben sehr unterschiedlich auf die Marketing-Aktion im Darknet reagiert: Viele Fans loben die Idee und berichten, dass sie sich nun erstmals getraut haben, sich den Tor-Browser herunterzuladen. Andere wundern sich, dass die Seite nicht funktioniert und werden von der Social Media-Abteilung des Verlags darüber aufgeklärt, dass sie einen speziellen Browser brauchen, um den Link aufrufen zu können. Und wieder andere erklären, dass sie den Schritt ins Darknet lieber nicht wagen wollen: „Keine Chance. Bin katholisch.“

Die Aktion läuft noch bis Ende August.

Was sind Darknets?

Genau genommen spricht man nicht von dem Darknet, da es verschiedene Darknets gibt. Dabei handelt es sich um Netzwerke, die die Technologie des klassischen Internets, des sogenannten Clearnets, nutzen und es mit spezieller Zusatz-Software ihren Nutzern ermöglichen, anonym miteinander in Kontakt zu treten. Im bekanntesten Darknet, dem Tor-Netzwerk, gibt es mehr als 7000 Server, die Anfragen zufällig weiterleiten und diese bei jeder Weiterleitung mit einem neuen Absender versehen. Letztlich wird so verschleiert, von wem die Anfrage ursprünglich gesendet worden ist. User können so ihre Identität verbergen.

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