Studie zu Beschäftigung und Gehalt von Frauen in der Kultur- und Medienbranche

Erst kürzlich sorgte eine ZDF-Reporterin für Aufsehen, da sie Klage gegen ihren Arbeitgeber einreichte. Sie verdiene ohne gerechtfertigten Grund deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Einige Kennzahlen der Studie zeigen, dass die Führungspositionen in Rundfunkanstalten vor allem männlich besetzt sind: So reicht der Frauenanteil in der Leitung von 0% beim Saarländischen Rundfunk und Deutschlandradio bis hin zu 50% beim Westdeutschen Rundfunk. „Eine deutliche Diskrepanz besteht zwischen dem Frauenanteil an den Beschäftigten in den ARD-Anstalten insgesamt und dem Frauenanteil in Führungspositionen“, heißt es in der Studie. „Werden die Beschäftigten insgesamt betrachtet, so liegt der Frauenanteil bei etwa 50%. Deutlich darunter liegt er in den ersten drei Hierarchieebenen.“

Über 20 Jahre, von 1994 bis 2014, wurden die Beschäftigungs- und Gehaltsstrukturen von Frauen und Männern untersucht und in einem 496 Seiten starken Kompendium zusammengefasst, das hier kostenfrei heruntergeladen werden kann.

Insgesamt kommt die Studie zum Ergebnis, dass der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen auf allen Ebenen und in allen Branchen weiterhin gegeben ist. Am geringsten seien die Unterschiede bei Beamtinnen und Beamten.

Zum Teil könnten die Gehaltsunterschiede mit der Studien- und Berufswahl erklärt werden. Frauen studieren besonders häufig Fächer aus den Geistes-, Erziehungs-, Sozial- und Kunstwissenschaften, die anschließend deutlich schlechter bezahlt werden als etwa Absolventen der Rechts- oder Ingenieurwissenschaften. Auch Teilzeit-Beschäftigungen und Unterbrechungen der Erwerbsbiografien durch Erziehungsauszeiten werden als Gründe genannt, könnten jedoch nicht als vollständige Erklärung dienen.

Die Studie enthält auch spezifische Ergebnisse für die Buchbranche, die in Schlaglichtern aufgegriffen wird:

  • Bibliotheken: Im Jahr 2014 wird fast die Hälfte der Staats-, Landes- und Zentralbibliotheken von einer Frau geleitet. Die Öffentlichkeitsarbeit ist fest in weiblicher Hand. Der Frauenanteil in der Leitung von wissenschaftlichen Bibliotheken ist in den letzten 20 Jahren deutlich angestiegen. Im Jahr 1994 wurden 17% der wissenschaftlichen Bibliotheken von Frauen geleitet, im Jahr 2014 sind es 43%.
  • Ausbildung im Buchhandel: Der Frauenanteil ist von 81% im Jahr 1994 auf 84% im Jahr 2014 gestiegen.
  • Ausbildung im Verlag: Der Frauenanteil an den Auszubildenden liegt bei rund 70%.
  • Selbstständige: Die Daten wurden auf Grundlage der Versicherten der Künstlersozialkasse (KSK) erhoben. Das Jahresdurchschnittseinkommen weiblicher Versicherter wird hier durchschnittlich mit 13.217 Euro angegeben, das der männlichen Versicherten mit 17.452 Euro. Männliche Versicherte verdienen dementsprechend 24% mehr. Das trifft auch zu, wenn man die Berufsgruppe Wort im Einzelnen betrachtet.

Insgesamt nimmt die Zahl der Selbstständigen in diesem Bereich zu, da in vielen Redaktionen Personal abgebaut wird. Aber auch die Zahl freier Lektoren und Lektorinnen hat stark zugenommen und sich im Falle der Frauen versechsfacht. Die Zahl der gemeldeten Übersetzerinnen und Übersetzer steigt weiterhin. Der Anteil der Schriftstellerinnen und Dichterinnen lag 1995 bei 36%, 20 Jahre später bei 52%.

Des Weiteren geht die Studie auf die Vergabe von Fördermitteln und Preisen ein. Außerdem enthält der Sammelband ein Gespräch mit den Autorinnen Julia Franck und Nina George zu ihrer Arbeit und den besonderen Bedingungen, als Autorinnen Fuß zu fassen.

Zum Download geht es hier.

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