Bookchoice: Die digitale Rückkehr des Buch-Clubs

Bookchoice: Die digitale Rückkehr des Buch-Clubs

In die Reihe der E-Book-Abo-Abieter kommt Bewegung. Nachdem in den USA einige Vertreter des „all you can eat“-Ansatzes kapituliert (z.B. Oyster) oder massiv zurückgebaut (Scribd) haben, will ein niederländisches Start-up mit einem alternativen Modell im kommenden Jahr den europäischen Markt aufrollen. Hinter der „Buch-Boutique“ stehen erfahrene Verlagsleute.

Anders als beispielsweise Scribd (USA) oder Kindle Unlimited (Amazon) will Bookchoice auf kuratierte Inhalte setzen. Für einen niedrigen Monatspreis (vermutlich unter 5 Euro) wird Bookchoice eine bestimmte Anzahl von E-Books zum Download anbieten, möglichst passend auf den Nutzer zugeschnitten. Das Angebot soll im Frühjahr 2017 in mehreren europäischen Ländern starten, darunter in Deutschland. Außerdem besonders an diesem Modell: Bookchoice setzt auf Partnerschaften mit großen Marken, die ihren Kunden als goodie einen Zugang zum E-Book-Dienst verschaffen. Auf diesem Weg sollen den Verlagen wiederum neue Leser-Zielgruppen erschlossen werden.

Gesteuert wird das Projekt von Nathan Hull (Foto: Niklas Maupoix), der früher in der Musikbranche (bei Universal) arbeitete, bevor er als Digital Director bei Penguin aktiv war. Anschließend wechselte er zum dänischen E-Book-Flatrate-Anbieter Mofibo, wo Hull als Unternehmensentwickler unterwegs war; in der Zeit expandierte Mofibo nach Schweden und in die Niederlande. Im Mai 2016 wurde Mofibo vom schwedischen Hörbuch-Streaming-Dienst Storytel übernommen, worauf sich Hull verabschiedete.

 

Finanziert wird das Unternehmen vom niederländischen Investor Boudewijn Jansen, der mit Gutschein- bzw. Geschenkkarten Millionär wurde.

 

Dass der Ansatz von Bookchoice trägt, das haben Hull und Jansen bereits bewiesen, mit „Ellys Choice“ in den Niederlanden. Vor zweieinhalb Jahren startete die E-Book-Boutique, bei der Leser für 2,99 Euro pro Monat 10 E-Books erhalten (vorwiegend Backlist- bzw jüngere Bestseller-Titel großer Verlage wie VBK). Anders als z.B. bei Skoobe in Deutschland kann der Leser die Titel herunterladen (ohne DRM, nur Wasserzeichen). Nach Angaben von Nathan Hull ist Ellys Choice aktuell die größte digitale Einnahmequelle niederländischer Publikumsverlage.

 

Das Ellys- Bookchoice-Team umfasst aktuell 30 Personen, neben dem aktuellen Sitz in Amsterdam (Schwerpunkte: IT, Operations) soll ein Büro in London aufgebaut werden, von dem aus Hull die Inhalte und Vermarktung europaweit steuert.

So funktioniert Ellys Choice: Für 2,99 Euro/Monat bekommt der Nutzer ein Basispaket (5 Titel) und kann 5 weitere Titel aus den Kategorien Männer, Frauen, Literatur wählen.

Kommentare

3 Kommentare zu "Bookchoice: Die digitale Rückkehr des Buch-Clubs"

  1. Wie mutig, dass immer noch jemand glaubt, mit E-Book-Flatrates Geld verdienen zu können. Andreas Schaale und ich hatten in unserer letzten Gutenberg-3.0-Studie 2015 mal gelistet, was es da so für Anbieter gibt. Kaum einer ist geblieben. Aber es ist natürlich gut, wenn sich junge Leute mal ausprobieren dürfen und es spendierfreudige Kapitalgeber dafür gibt. Um es merkelisch zu sagen: Kapital, das sich langweilt, geht gar nicht.

  2. Und was ist mit der Buchpreisbindung für eBooks, die ja nun gilt?

    • Das skizzierte Modell bezieht sich zunächst auf Ellys Choice. Wie das Book Choice-Modell am Ende aussehen wird, wird noch nicht verraten. Es ist aber wohl so, dass das Team sehr genau die lokalen Regeln und Gesetze analysiert.

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