Die Verlage müssen sich anpassen

Barbara Thiele ist seit September 2014 Geschäftsführerin von Epubli. Im Interview spricht sich Thiele gegen Niedrigstpreise für E-Books aus und rät den Verlagen zugleich, sich an den Preisentwicklungen im Selfpublishing-Bereich zu orientieren.
Thiele verabschiedet sich in Kürze in den Mutterschutz. Interimistisch übernimmt Markus Hartmann ihr Amt. Hartmann war im Sommer nach fast elf Jahren beim Holtzbrinck-Dienstleister HGV ausgeschieden.

In einem zweiteiligen buchreport.webinar zeigt Dr. Martina Steinröder am 12. und 20. November Strategien und Best Practices für die Preisgestaltung von E-Books. Hier erhalten Sie weitere Infos.


Die preisliche Schere zwischen Print und E-Books wird immer größer. Wie viel Gefälle verträgt der Markt?
Ich bin überzeugt, dass sich in den nächsten Jahren die Unterschiede zwischen Printbüchern und E-Books weiter ausdifferenzieren werden. Hardcover werden als Bücher, die man gern verschenkt, die man sich gern ins Regal stellt, bestehen bleiben. Schon jetzt werden viele immer aufwändiger gestaltet und gewinnen dadurch an Wert für die Leser. Dagegen kann ich mir vorstellen, dass das E-Book das Taschenbuch als günstige und praktische Lektüre für die Bahnfahrt oder den Urlaub ersetzt. Man muss sich nur die Entwicklung der Musikindustrie angucken: Kassetten und CDs sind auch durch, man hört Musik überwiegend digital; gleichzeitig überleben Schallplatten als Liebhaberund Sammlerstücke.

Sind die Selfpublisher weiter auf Dumping-Kurs?

Nein, im Gegenteil. Leser sind zunehmend bereit, für professionelle, selbst publizierte E-Books einen angemessenen Preis zu zahlen. Wir waren von Anfang an gegen die Niedrigstpreis-und Gratiskultur bei Selfpublishing-Titeln. Wenn wir uns die Entwicklung der Preise bei Epubli anschauen, sehen wir einen erheblichen Preisanstieg bei den E-Books. Unsere Topseller lagen 2012 noch bei durchschnittlich 3,73 Euro, im 1. Halbjahr 2014 liegen sie im Durchschnitt bei 4,65 Euro. Generell empfehlen wir Preise zwischen 2,99 und 5,99 Euro, da diese sich erfahrungsgemäß am besten bewähren. Die Verlage müssen sich künftig bei den E-BookPreisen anpassen, die Selfpublisher weisen da den Trend.

Wie lassen sich höhere E-Book-Preise durchsetzen?

Im Bereich Selfpublishing ist das ganz klar die immer weiter wachsende Professionalisierung. Das bezieht sich zum einen auf die einzelnen E-Books selbst: Es ist ein absolutes Muss, dass Selfpublishing-Titel professionell lektoriert und layoutet sind, sonst bekommt man schnell schlechte Bewertungen, auch ein gut gestaltetes Cover wirkt sich enorm auf den Verkauf aus. Zum anderen nehmen Indie-Autoren auch das Marketing für ihr Buch und die eigene Autorenmarke immer ernster. Deshalb bieten wir mit den Epubli Labs regelmäßig Workshops an.

Werden Abomodelle das E-Book weiter entwerten?

Nein, ich kann mir gut vorstellen, dass die Abomodelle vielmehr für ein bunteres und abwechslungsreicheres Leseverhalten sorgen! Denn durch ein Abo kann man auch einfach mal ein Buch lesen, das man sich sonst nicht kaufen würde. Ich selbst habe ein Abo bei Skoobe und bin schon auf viele tolle und überraschende Titel gestoßen. Außerdem zeigen erste Statistiken, dass Abonutzer im Schnitt beinahe doppelt so viele Bücher lesen wie Nicht-Abonnenten und nicht weniger Geld für Bücher ausgeben als vor dem Abschluss des Abos. Viele haben früher sogar ihre eBooks auf Piratenseiten bezogen. 

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