Spontanes Glück im Rechtehandel

Die meisten Lizenzverkäufe finden im Rahmen eines dichten Netzwerkes statt. Doch trotz akribischer Planung spielt mitunter der Zufall eine wichtige Rolle. Riky Stock, die Leiterin des German Book Office (GBO) in New York und verantwortlich für das Agentencenter der Frankfurter Buchmesse (Foto: Buchmesse), hat unter Rechtehändlern nachgefragt.

Denise Bukowski, The Bukowski Agency (Toronto)
Letztes Jahr reichte ich unserem am Nachbartisch sitzenden Subagenten aus China einen Roman. Er war mit einem Verleger aus der Mongolei im Gespräch, der nach dem Buch griff, blätterte und an Ort und Stelle die mongolischen Rechte gekauft hat. Hat außer mir schon mal jemand ein Buch in die Mongolei verkauft? Ich kenne niemanden.

Jennifer Custer, A.M. Heath (London)
Es war am Abend des letzten Messetages und Lutz Wolff, damals noch bei Dumont, war mein letzter Gesprächspartner. Als er nach 15 Minuten immer noch nicht da war, packte ich gut gelaunt meine Sachen zusammen, froh, dass ich eine weitere Buchmesse überlebt hatte. Als Lutz Wolff dann doch noch auftauchte, interessierte er sich für Krimis und Thriller. Beim Durchsehen unseres Katalogs blätterten wir auch an Hilary Mantel vorbei und ich erwähnte eher beiläufig, dass die deutschen Rechte noch nicht verkauft waren. Ich weiß, heute klingt das unglaublich, aber es war so! Obwohl Mantel eine Woche vorher den Man Booker gewonnen hatte, hatten die deutschen Verleger nur uninteressiert mit den Schultern gezuckt. Nicht so Lutz Wolff. Mit funkelnden Augen unterbreitete er auf der Stelle ein Pre-empt und „Wolf Hall“ wurde auch in Deutschland ein Bestseller.

Klaus Steeg, Osho (New York)
Vor einigen Jahren lernte ich zufällig bei einem unserer Termine jemanden von Planeta kennen. Aus diesem Zufallstreffen heraus haben wir mit unserem spanischen Agenten und dem Verlag am allerletzten Messetag kurz vor Toreschluss ein spezielles Verlagsprogramm mit 60 Buchtiteln und DVDs gebaut.

Camilla Ferrier, The Marsh Agency (London)
Es war in Frankfurt. Ich beschloss spontan, nach einem Abendessen mit Kollegen und Freunden den Frankfurter Hof auszulassen und zurück ins Hotel zu gehen. Eine weise Entscheidung, denn dort war der Bär los. Bevor ich mich in mein Zimmer zurückzog, wollte ich etwas frische Luft schnappen und eine letzte Zigarette rauchen. Auf der Treppe vor dem Hotel kam ich mit einem anderen Sünder ins Gespräch, einem Verleger, den ich nur vom Namen her kannte. Unsere Unterhaltung endete damit, dass ich am nächsten Tag einen unserer Autoren in drei skandinavische Länder verkauft habe.

Melanie Rostock Rodriguez, The K Literary & Film Agency (Barcelona)
O ja, die Zufälle! Einen habe ich besonders gut in Erinnerung. Ich war mit einem US-Verleger ins Gespräch gekommen, als wir im Frankfurter Agentencenter für einen Kaffee anstanden. Wir unterhielten uns über das ideale Kinderbuch und während er enthusiastisch aufzählte, welche Elemente aus seiner Sicht dazugehören, fiel mir der Titel eines Klienten ein, der alle Kriterien zu erfüllen schien. Ich erzählte davon und wir machten den Deal noch in der Warteschlange perfekt.

Frauke Jung-Lindemann, Berlin Agency (Berlin)
Ich war mit dem Lektor vom Kiepenheuer-&-Witsch-Imprint Galiani in Berlin zum Essen verabredet. Irgendwann kam die Rede auf den chinesischen Künstler Ai Wei Wei und ich erwähnte, dass wir einige Tage vorher mehreren Verlagen die deutschen Rechte für dessen Blog angeboten hatten und auf Antworten wartetet. Er unterbreitete mir spontan ein Angebot – und legte am nächsten Tag noch einmal nach. Das war dann der Zuschlag.

Gudrun Hebel, agentur literatur hebel & bindermann (Berlin)
Wenn man auf seinen Kaffee wartet, kommt man im Agentencenter fast unausweichlich mit anderen Wartenden ins Gespräch. Vor einigen Jahren unterhielt ich mich mit Ullsteins Lektorin Katrin Fieber. Wir kennen uns durch unsere Arbeit mit skandinavischen Autoren und ich erzählte ihr von einer deutschen Autorin, die mir ihr Krimi-Manuskript mit einer roten Schleife geschickt hatte. Angesteckt von meiner offensichtlichen Begeisterung meinte sie, ich solle ihr das Buch schicken. Mittlerweile sind sechs Krimis von Inge Löhning bei Ullstein erschienen und gerade hat sie es auf die Bestsellerlisten geschafft.

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