Sind Autoren im Alleingang besser dran?

Mit seiner Analyse der E-Book-Daten von Amazon hat Selfpublishing-Star Hugh Howey (Foto) vor drei Monaten hohe Wellen geschlagen. Das Fazit seiner viel beachteten Analyse: Selfpublisher haben das erfolgreichere Geschäftsmodell. Jetzt hat der Autor seine zweite Analyse nachgelegt – und sieht seine These bestätigt. 

Zur Methode: Basis der Analyse sind die Kindle-Bestsellerdaten, die von Howey „gecrawled“ (d.h. automatisch ausgelesen und in eine Datenbank überführt) werden. Entscheidend ist dabei neben den Metadaten zum Buch besonders der Sales Rank, die Platzierung in der Kindle-Bestsellerliste. Hinzugefügt werden Absatzzahlen, die Howey von Autoren erhält (sowie seine eigenen) und die mit den Sales Ranks der ausgelesenen Amazon-Daten korreliert werden. So rechnet Howey die fehlenden Daten hoch. Die gleiche Methode verwendet Matthias Matting (selfpublisherbibel.de) bei seinen Kindle-Top-1000-Charts.

Die wesentlichen Ergebnisse von Howeys Analyse (hier im Original):

  • Selfpublisher holen beim Absatz auf: Im Vergleich zum Februar haben die Selfpublisher einen um drei Prozentpunkte höheren Anteil (30% statt 27%) am Gesamtsabsatz aller Bestseller-Autoren im Kindle-Ranking. Der Absatzanteil jener Autoren, die bei den fünf größten US-Verlagen unter Vertrag stehen, lag bei 37% (Februar: 39%).


  • E-Book-Bestseller werden teurer angeboten: Sowohl die E-Book-Preise der Selfpublisher (+1%) als auch die der Großverlage (+3%) sind im Schnitt leicht gestiegen.
  • Selfpublisher konnten ihren Umsatzanteil leicht steigern: Durch die höheren Durchschnittspreise sind die Umsätze der Großverlags-Autoren trotz der niedrigeren Verkaufszahlen mit 39% stabil geblieben. Die Selfpublisher konnten ihre Umsätze (bei leicht gestiegenen Preisen) um zwei Prozentpunkte steigern und liegen mit einem Umsatzanteil von 37% fast gleichauf mit dem Umsatzanteil der Großverlags-Autoren. Auch die Autoren, die bei einem kleinen oder mittleren Verlag unter Vertrag stehen, haben ihre Anteile um zwei Prozentpunkte gesteigert. Die Autoren, die bei Amazon Publishing unter Vertrag stehen (statt über Kindle Direct Publishing selbst zu vertreiben), haben dagegen leicht verloren und bestreiten aktuell einen Umsatzanteil von 5%. 


  • Hohe Fluktuation bei den Selfpublishern: Während die Titel der fünf größten US-Verlage nur geringen Schwankungen ausgesetzt sind, verschieben die die Bestsellerplatzierungen der Selfpublisher häufiger. 
  • Neuere Autoren verschwinden schneller von der Bestsellerliste: Die Fluktuation relativiert sich jedoch, wenn man die Autoren der Großverlage genauer betrachtet. Während fest etablierte Autoren sich lange auf der Bestellerliste halten, sind neuere, unbekannte Verlagsautoren größeren Schwankungen ausgesetzt – bei ihnen zeigt sich eine ähnliche Fluktuation wie bei den Selfpublishern. 
  • Großverlage bestreiten einen Großteil ihres Umsatzes über die Backlist: Einerseits sind die Großverlage sehr abhängig von einzelnen Blockbustern, andererseits aber auch von den Verkäufen der Backlist. Fast ein Drittel des Umsatzes der Verlage in der Kindle-Bestsellerliste geht auf Titel zurück, die vor 2011 erschienen sind. Da der Selfpublishing-Markt erst in jüngster Zeit so groß geworden ist, können die Selfpublisher noch nicht gleichermaßen von einer starken Backlist profitieren wie die Verlage, so Howey. Erst wenn diese eine solide Backlist aufgebaut haben, seien die Zahlen wirklich vergleichbar.
  • Berücksichtigt man nur die Titel, die nach 2011 erschienen sind, haben die Selfpublisher anteilig mehr umgesetzt als die Verlagsautoren: Der Umsatzanteil der Bestseller-Selfpublisher liegt dann bei 43% – und damit 9 Prozentpunkte höher als der jener Autoren, die bei einem Großverlag unter Vertrag stehen (34%). 

Für Howey sind die Ergebnisse seiner Analyse ein klarer Beweis, dass Selfpublisher besser dran sind als Verlagsautoren. Allerdings sollte bei der Bewertung der Ergebnisse berücksichtigt werden, dass Selfpublisher auch die Aufgaben eines Verlags übernehmen bzw. bezahlen müssen.  
Auch die Daten selbst nur eingeschränkt repräsentativ, da sie auf den Kindle-Bestsellerrankings von Amazon basieren. Viele Verleger vermuten, dass Amazon nicht nur Umsatzkriterien berücksichtigt, sondern auch andere Faktoren in den Algorithmus seiner Bestsellerplatzierungen einfließen lässt. Zudem berücksichtigt Howey nur E-Book-Verkäufe und damit nur einen Ausschnitt des Marktes, obwohl die meisten Verlage noch immer den Großteil ihres Umsatzes mit gedruckten Büchern bestreiten.
Howey selbst fordert Autoren wie Verlage auf, die Daten selbst nachzurechnen und zu kritisieren. Zu diesem Zweck hat er die Rohdaten im Excel-Format zur Verfügung gestellt und die Internetseite authorearnings.com eingerichtet, auf der laufend weitere Analysen erscheinen sollen. 

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