Freie Fahrt für den Fälscher

Lange hat sich C.H. Beck Zeit gelassen, um sich zur geplanten deutschen Ausgabe von Jonah LehrersImagine“ zu äußern. Trotz der vom Autor eingeräumten Fälschungen will der Verlag an dem Buch über Kreativität festhalten.

Wie der Verlag gegenüber buchreport.de mitteilt, soll die deutsche Ausgabe von „Imagine“, die ursprünglich für August 2012 geplant war, im Februar 2014 als C.H.Beck Paperback erscheinen. Diese Entscheidung sei nach eingehender Prüfung und ausführlicher Diskussion getroffen worden. Lehrer habe dem Verlag umfangreiche Korrekturen geschickt, die unechten Dylan-Zitate tauchten jetzt nicht mehr auf, andere Fehler bzw. Missverständnisse seien außerdem bereinigt worden. Zudem habe man das Buch von einem deutschen Kognitionswissenschaftler gegenlesen lassen.

Rückblick: Das Onlinemagazin Tablet hatte schon im Sommer 2012 aufgedeckt, dass der Neurowissenschaftler Lehrer Zitate von Bob Dylan für sein Buch „Imagine! – How Creativity Works“ gefälscht hat (hier die Meldung von buchreport.de). Lehrer erklärte seinerzeit zunächst, dass die Zitate aus Materialbeständen zu einem bislang nicht veröffentlichten Film von Martin Scorsese über Dylan stammten. Im Februar 2013 räumte Lehrer persönliche und berufliche Fehltritte ein: Er habe in seinem „Imagine“-Buch Dylan-Zitate erfunden, seine eigenen Texte plagiiert und einen Journalisten (der die Fälschungen aufdeckte) belogen. Und so Freunde, Familie, Kollegen und Lektoren enttäuscht.

Abschied von Beck’scher Reihe

„C.H.Beck Paperback“ (hier das Programm) löst im Frühjahr 2014 die traditionsreiche „Beck’sche Reihe“ ab. Verleger Wolfgang Beck erklärt in einem Editorial, dass nach über 50 Jahren des Bestehens der Beck’schen Reihe mit dem C.H.Beck Paperback stärker an einem individuellen Auftritt der einzelnen Bücher gearbeitet werden solle. „Ihre Gestalt, sei es Broschur oder Klappenbroschur, sei es kleineres, mittleres oder großes Format, variiert und ist abgestimmt auf Wesensart und Inhalt der Bücher. Hochwertige Originalausgaben prägen das Programm.“ Man wolle keine Kompromisse in Qualität und Niveau eingehen. Als Motto der Paperback-Reihe zitiert Beck Franz Kafka: Die Bücher sollten „mal heftiger, mal sanfter beißen und stechen“.

Kommentare

3 Kommentare zu "Freie Fahrt für den Fälscher"

  1. Die Süddeutsche hatte am Montag auf Seite 3 ein ganzseitiges Feature über Lehrer, den sie als erster seit dem Skandal in LA daheim besuchten.

    http://www.genios.de/presse-ar

    Das Feature ist praktisch eine Lobhudelei, die Betrügereien werden herunter gespielt und schöngefärbt.

    Das deprimierende daran ist, dass kein Wissenschaftsjournalist, der saubere Arbeit leistet, sorgfältig recherchiert und zitiert und sein bestes gibt, bei der Süddeutschen eine ganzseitige Werbung auf Seite 3 erhält. Höchstens ein paar Zeilen versteckt auf der Wissenschaftsseite. Quintessenz: Verbrechen lohnt sich! Lehrer kommt bei Amazon schon ganz gut voran:

    Nr. 1 in Bücher > Fachbücher > Philosophie > Weitere Themen > Philosophie der Naturwissenschaften

  2. Jetzt hat es den britischen Biologen und Sachbuchautor Lewis Wolpert erwischt. Eines seiner Bücher wurde wegen Plagiarismus zurückgezogen.

    http://retractionwatch.com/201

  3. Mit dieser Nachricht ist Buchreport jetzt auch auf Retraction Watch, dem wichtigsten amerikanischen Blog zu Betrug und Fälschung in der Wissenschaft:

    http://retractionwatch.com/201

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