Die Verlage müssen sich bewegen

Der Bundestag hat ein unabdingbares Zweitverwertungsrecht für Wissenschaftsautoren verabschiedet. De Gruyter-Chef Sven Fund fordert im buchreport.express 29/2013 die Verlage auf, die Abwehrhaltung gegen Open Access aufzugeben. 
Welche Auswirkungen hat das Zweitverwertungsrecht, das der Bundestag kürzlich beschlossen hat, für die Wissenschaftsverlage?
Viele Verlage erlauben ihren wissenschaftlichen Autoren auch bisher schon, die Texte nach Ablauf einer gewissen Karenzzeit auf dem grünen Weg zu veröffentlichen. Gerade für international aufgestellte Verlage ist das längst gängige Praxis.

Sie haben also kein Problem mit dem Gesetz?

Ich sehe es jedenfalls nicht so einseitig negativ wie der Börsenverein. Grundsätzlich verstehe ich den Anspruch der Förderorganisationen, dass mit öffentlichen Geldern finanzierte Forschungsergebnisse auch für die Öffentlichkeit leicht zugänglich sein sollen. Natürlich darf das nicht heißen, dass die Investitionen, die die Verlage in den Publikationsprozess einbringen, einfach sozialisiert werden. Aber das Gesetz zwingt die Verlage jetzt, sich zu bewegen, gerade im geisteswissenschaftlichen Bereich. Und wenn es auf diese Weise zu Innovationen kommt, ist das doch gut.

Fürchten Sie nicht die Konkurrenz durch Uni-Repositorien?

Ich glaube, dass Wissenschaftler auch in Zukunft in erster Linie in Zeitschriften und etablierten Buchreihen publizieren wollen und daraus zitieren werden. Die Repositorien werden daneben eine untergeordnete Rolle spielen. Es ist ja außerdem noch gar nicht geklärt, woher das Geld für die universitären Plattformen kommen soll. Ganz abgesehen davon glaube ich auch nicht, dass die Forschungsinstitute künftig ihre Aufgabe darin sehen werden, im großen Stil Inhalte zu sammeln. Und ich halte das auch nicht für sinnvoll.

Wie müssen die Verlage sich jetzt bewegen?

Das stärkste Zeichen wäre zunächst, wenn die Verlage und der Börsenverein öffentlich sagen würden: Wir unterstützen Open Access als Geschäftsmodell! Es kann sicher niemand von uns erwarten, dass wir ohne Gegenleistung frei zugängliche Inhalte produzieren. Aber wir sollten als Verlage für das legitime Interesse der Forschungseinrichtungen eine Bandbreite von Modellen zur Verfügung stellen – übrigens nicht nur für Zeitschriftenaufsätze, sondern auch für Buchinhalte.

Gibt es im Open-Access-Prozess auch eine Perspektive für den Buchhandel?

Wenn es aufseiten der Verlage gelingt, eine große Vielzahl verschiedener Open-Access-Modelle anzubieten, dann käme dem Buchhandel die wichtige Rolle zu, die verschiedenen Modelle zu konsolidieren und zu aggregieren. Ich denke nämlich, dass in den Hochschulen die Bibliotheken eine zentrale Rolle bei Umsetzung und Administrierung der Open-Access-Modelle spielen werden, und deren Bedarf und Schwerpunkte kennt niemand so gut wie der Handel.

Kommentare

2 Kommentare zu "Die Verlage müssen sich bewegen"

  1. wenkeboenisch | 24. Juli 2013 um 12:07 | Antworten

    Warum sollte der Buchhandel beim Open-Access-Modell noch eine Rolle bei der Aggregierung spielen? Open Access ist Teil des elektronischen Publizierens. Da spielen Schnittstellen wie OAI-PMH eine Rolle, nicht mehr der Buchhandel. Es wäre übrigens eine wirkliche Leistung der Verlage, entsprechende Schnittstellen in ihren Plattformen zu implementieren und sich darüber hinaus auch um die Langzeitarchivierung zu kümmern. Letzteres ist ein Thema, das bisher kaum bei den Verlagen eine Beachtung findet. Hier wäre Innovation angebracht.

  2. „Es kann sicher niemand von uns erwarten, dass wir ohne Gegenleistung frei zugängliche Inhalte produzieren.“ Aber von den Autoren wird es erwartet. Bei de Gruyter erschien vor einigen Jahren das Internationale Germanistenlexikon, mit zahlreichen, teils aufwendig recherchierten Beiträgen von Autoren, die dafür eine Handvoll Sonderdrucke bekamen. Und das Lexikon mit 25% Rabatt auf den Buchhandelspreis hätten erwerben dürfen (womit der Verlag schon Gewinn gemacht hätte). Für die gedruckte Ausgabe entstehen ja durchaus relevante Kosten, die bei einem Sammelwerk von vielen Autoren ein freies Belegexemplar zu teuer werden lassen. Für die CD-ROM-Ausgabe hingegen wären keine nennenswerten Kosten entstanden. Heute würde ich mir mindestens dies als Honorar ausbedingen oder dankend verzichten. Gekauft habe ich das auch mit Rabatt noch zu teure Lexikon natürlich nicht. Schon die Fahrt von Berlin nach Bonn für einen Besuch des Universitätsarchivs, um eine Personalakte einzusehen, war eine damals, vom Hungerlohn eines Stipendiums lebend, zu teure private Investition. Für mich persönlich und als Autor formuliere ich das Zitat von Herrn Fund daher um: „Es kann sicher niemand von uns erwarten, dass wir ohne Gegenleistung Inhalte produzieren, die dann nicht einmal frei zugänglich sind.“

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