Höhere Tantiemen statt Vorschuss

Der Rechtehandel zwischen Deutschland und den USA ist auch im Kinderbuch eine Einbahnstraße. US-Lektor Ben Rosenthal klagt über hohe Übersetzungskosten und plädiert für ein neues Lizenzmodell.

Sie waren mit anderen US-Lektoren eine Woche in Deutschland, um sich im Kinderbuchmarkt umzusehen. Kaufen Sie jetzt mehr Lizenzen ein?
Wenn ich das Geld dafür hätte, jederzeit. Doch Übersetzungen sind teuer und nur wenige US-Verlage sind bereit oder in der Lage, dafür tief in die Tasche zu greifen. In Zeiten struktureller Umbrüche, wie wir sie gerade erleben, noch weniger als vorher. Es fängt damit an, dass es kaum Lektoren gibt, die die deutsche Sprache gut genug beherrschen, um ein Buch beurteilen zu können. Die sogenannten Reader, die das für uns tun, kosten Geld, der Übersetzer will bezahlt werden und der Autor natürlich auch. Da kommen schnell ansehnliche Summen zusammen, die sich vor allem für kleine Verlage einfach nicht rechnen.

Deutsche Verlage werden die Übersetzungen aber kaum bezahlen…
Sollen sie auch nicht, aber wenn mehr deutsche Bücher in die USA verkauft werden sollen, muss das bisherige Lizenzmodell auf den Prüfstand. Warum nicht auf die Autorenvorschüsse verzichten oder sie zumindest drastisch reduzieren und dafür höhere Tantiemen zahlen, wenn das Buch erschienen ist?

Das klingt nach Amazon Crossing?
Nicht alles, was Amazon macht, ist falsch. Mit diesem Modell hat Amazon Crossing tatsächlich etwas geschaffen, was Sinn macht. Damit könnte ich meinen Verleger leichter überreden, ein deutsches Buch einzukaufen und die Übersetzung zu bezahlen, als wenn ich von ihm verlange, vorab viel Geld für einen Autor auf den Tisch zu legen, der ein unbeschriebenes Blatt ist. Und das gilt nicht nur für mich, sondern für ziemlich alle Lektoren, egal, ob Kinderbuch oder Belletristik. Es mag arrogant klingen, aber machen wir uns doch nichts vor: Die USA als größter Buchmarkt der Welt sind nicht zwingend auf Übersetzungen angewiesen, für die deutschen Verlage aber wird es ohne ein neues Modell weiterhin bei überschaubaren Lizenzverkäufen bleiben.

Wie haben Ihre deutschen Gesprächspartner reagiert?
Zurückhaltend, was zu erwarten war. Eingefahrene Denkmodelle sind schwer auszuhebeln, in der Buchbranche ganz besonders. Mir geht es darum, Anstöße zu geben, eine Diskussion in Gang zu setzen. Das Problem der Lizenz-Einbahnstraße lässt sich nur partnerschaftlich beseitigen. Längere Exposés in englischer Sprache, viel mehr Fakten und Hintergrund über den Autor wären schon ein Anfang. Einige Verlage machen das, aber längst nicht alle. Und für den Autor geht es doch darum, erst einmal einen Fuß in die Tür zu bekommen, Vorschuss oder nicht. bei Amazon Crossing ist Oliver Poetzsch auch nicht über Nacht zum Auflagenmillionär geworden. 

Zur Person: Ben Rosenthal 

ist Lektor beim US-Schulbuchverlag Enslow Publishers, der auch ein allgemeines Kinderbuchprogramm verlegt. Mit fünf weiteren US-Kinderbuch­lektoren hat sich Ben Rosenthal auf Einladung des German Book Office (New York) eine Woche lang im deutschen Kinderbuchmarkt umgesehen.

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