Klugen Köpfen droht die Praktikumsfalle

Das Phänomen der „Generation Praktikum“ gibt es auch in der Welt des Buches: Viele Berufseinsteiger, die hoch motiviert von der Universität kommen, müssen sich auch in der Branche mit Praktika oder Volontariaten begnügen, wenn sie hoffnungsvoll bei Verlagen anklopfen. 

Professor Randolf Dieckmann (Foto), Studiendekan Buchhandel/Verlagswirtschaft an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Leipzig, erlebt die Probleme, die Abgänger bei der Job­suche haben, hautnah mit. Er wünscht sich von den Verlagen mehr Kooperation und eine faire Behandlung des Nachwuchses. 
Mit welchen Erwartungen verlassen die Absolventen vor diesen Hintergründen die HTWK?  
Die meisten Absolventen versuchen einen Arbeitsplatz in einem Verlag zu finden. Aus Sicht der Studierenden warten dort die wesentlich spannenderen Aufgaben in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Herstellung sowie in der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Es gibt immer höchstens eine Handvoll Absolventen, die in den Buchhandel streben. Neben den bereits genannten Faktoren hat das auch seine Ursache in dem Abbau, der schon seit Jahren im stationären Buchhandel stattfindet. Die Flä­chenreduzierung ist mit einer Personalreduzierung verbunden. Wenn Studenten wegen dieser Entwicklungen zurückzucken, kann ich das gut nachvollziehen.
Wie man hört, stehen die Türen in vielen Verlagen aber nicht offen …
Leider ist es mittlerweile selten, dass jemand einen unbefristeten Arbeitsplatz in einem Verlag bekommt. Dann wird richtig gefeiert. In vielen Fällen werden stattdessen Praktika und Volontariate angeboten, die weit von einer dem Studienabschluss entsprechenden Bezahlung entfernt sind. Oder es gibt Zeitverträge, die es kaum erlauben, sich etwas aufzubauen. Die Not der Abgänger, die natürlich in der Branche arbeiten wollen, für die sie sich entschieden haben, wird leider sehr oft ausgenutzt. Sie bekommen kaum einen Fuß in die Tür.
Beim Thema „Zukunftsfähigkeit“ sägen viele Verlage also am eigenen Ast?
Wenn die Entwicklung langfristig dazu führt, dass Absolventen die Branche verlassen, um woanders einen Platz zu finden, wird das tatsächlich zutreffen. Es ist aber vor allem ein Ausdruck geringer Wertschätzung dessen, was die Studierenden an Kenntnissen und neuen Ideen mitbringen. Es wird viel Potenzial verschenkt.

Im Rahmen ihres Studiums werden die jungen Leute intensiv mit den aktuellen Entwicklungen und Umbruchprozessen in den Verlagen und im Buchhandel konfrontiert. Das ist häufig Thema in Abschlussarbeiten. Die Herstellung von digitalen Produkten, der Vertrieb von E-Books, was müssen Verlage tun, um sich auf die Herausforderungen einzustellen? – Ich nenne nur einige Beispiele aus dem Alltag an der Universität. Oft wird dabei auch eng mit einem Praxispartner zusammengearbeitet.

Es könnte eine Menge Input von Studenten und Absolventen kommen. Die Praxis sieht aber anders aus. Wir müssen oft nachhaken, wenn es um die Bezahlung von Praktika während des Studiums geht. Dabei arbeiten Studierende oft produktiv in den Verlagen mit und betreuen auch anspruchsvolle Projekte. Das sollte von den Unternehmen anerkannt und auch bezahlt werden.

Fließen Erkenntnisse aus der Wissenschaft in die strategischen und operativen Maßnahmen ein?
Punktuell. Es gibt hin und wieder Problemstellungen in Verlagen, zu denen wir befragt werden. Das war es dann aber auch. Eine langfristige Zusammenarbeit, bei der Erkenntnisse mit wissenschaftlichem Hintergrund abgefordert werden, kommt selten vor. Ich vermute, es hängt damit zusammen, dass angenommen wird, da müssen wir sofort etwas bezahlen. Eine Kooperation könnte aber zum Beispiel auch im Rahmen eines studentischen Projektes erfolgen. Dass man sich Berater in Form von Professoren ins Haus holt, kommt bislang nur in Einzelfällen vor. Wir müssten offensiver kommunizieren, dass so etwas durchaus geht, obwohl wir uns schon sehr darum bemühen, unser Profil auch nach außen zu tragen.
Die Fragen stellte Rainer Uebelhöde.
Das vollständige Interview lesen Sie im aktuellen buchreport.magazin 4/2013 (hier zu bestellen).

Kommentare

1 Kommentar zu "Klugen Köpfen droht die Praktikumsfalle"

  1. Toller Artikel, der gut auf den Punkt bringt, wo momentan noch die Probleme liegen. Das „Glück“ für die Branche ist, dass viele immer noch so idealistisch sind und sich daher immer weiter ausnutzen lassen …

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