Suhrkamp droht zu verschwinden

Das Gerangel der Suhrkamp-Gesellschafter spitzt sich zu: Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, droht dem renommierten Verlag die Auflösung in seiner jetzigen Form.
Am Mittwoch trafen sich die seit langem zerstrittenen Gesellschafter, Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz und Minderheitsgesellschafter Hans Barlach, vor dem Landgericht Frankfurt. Die von der Witwe von Verleger Siegfried Unseld geführte Unseld Familienstiftung hält 61% am Verlag. Barlach ist über die Medienholding Winterthur mit 39% beteiligt. 

Die Liste der Vorwürfe ist lang: Veruntreuung von Geldern, Kompetenzüberschreitung, geschäftsschädigendes Verhalten, Missmanagement. Beide Seiten haben der jeweils anderen ein Kaufangebot unterbreitet. Und beide Gesellschafter verklagen den jeweils anderen auf Ausschluss aus der Gesellschaft. Kurz vor dem Gerichtstermin beantragte der Enkel des Bildhauers Ernst Barlach die Auflösung der gesamten Gesellschaft. 

Das „Verheerende Ziel“ der Medienholding Winterthur

Noch hat der Richter Norbert Höhne nicht entschieden. Seine Zwischenbilanz: „Einer der namhaftesten Teilnehmer am Literaturbetrieb der Nachkriegszeit droht zu verschwinden. Beide Gesellschafter sehen sich offenbar wechselseitig als Inkarnation des Bösen.“ 

Update: Der Richter habe durch seine Äußerung aber nicht erkennen lassen, wie er zu entscheiden gedenkt, betonte die Unseld Familienstiftung in einer Stellungnahme. In Wahrheit habe der Richter nur zum Ausdruck gebracht, welch „verheerendes Ziel“ die Medienholding Winterthur mit ihrer Klage verfolge.

Das Gericht habe keine Tendenz erkennen lassen, wie es entscheiden wird. Die Unseld-Familienstiftung sei fest davon überzeugt, dass der Ausschlussklage der Medienholding Winterthur der Erfolg vor dem Landgericht Frankfurt versagt bleibe und sehe der Entscheidung des Gerichts ebenso zuversichtlich wie gelassen entgegen.

Bei einer Auflösung würde das Vermögen des Verlags anteilsmäßig aufgeteilt. Die Kammer für Handelssachen des Landgerichts will am 13. Februar 2013 in der Sache entscheiden.

Suhrkamp war Anfang 2010 nach Berlin gezogen. Auch dort treffen sich die Gesellschafter vor dem Kadi. Der nächste Gerichtstermin ist am 10. Dezember.

Die Vorgeschichte 

Der Streit um Suhrkamp hat eine lange Vorgeschichte:

  • Bereits vor fünf Jahren hatte Barlach der Verlagschefin Missmanagement und Veruntreuung vorgehalten.
  • Suhrkamp beantragte daraufhin einen Strafbefehl gegen Barlach wegen übler Nachrede. 
  • Im gleichen Monat legte Barlach Klage gegen die dreiköpfige Suhrkamp-Geschäftsleitung ein. Das Führungs-Gremium (neben Unseld-Berkéwicz Jonathan Landgrebe und Thomas Sparr) habe seine Kompetenzen „weit überschritten“ und Gelder veruntreut.
  • Zum Jahreswechsel wollte Barlach zusammen mit dem ehemaligen Chefredakteur der „Berliner Zeitung“, Josef Depenbrock, selbst in die Geschäftsleitung des Verlags eintreten (hier mehr).
  • Im März 2012 hatte Barlach vor dem Landgericht Berlin angeboten, den Suhrkamp Verlag komplett zu übernehmen. Die Mehrheitsgesellschafter hatten den Vorschlag abgelehnt.
Der Suhrkamp Verlag belegt mit einem Umsatz von 35 Mio Euro in 2011 (-10%) aktuell Platz 48 im buchreport-Ranking der größten Buchverlage

Kommentare

2 Kommentare zu "Suhrkamp droht zu verschwinden"

  1. Seit wann hat Siegfried Unseld den Suhrkamp Verlag gegründet?

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