Nur Bücher auslegen reicht nicht

In der Branche werden neue Vertriebsstrategien für Digital- und Printmedien gesucht. Beim „Vertriebsgipfel“ der Akademie des Deutschen Buchhandels referiert Jochen Krisch (Foto) am 19. Juli in München über Plattformstrategien für Händler und Verlage. Im Interview mit buchreport erläutert er die Perspektiven der stationären Händler. 
Lässt sich der Vertriebswandel so auf den Punkt bringen: Lieber Päckchen statt shoppen?
Es geht nicht um einen bevorzugten Kanal oder ums Päckchen auspacken. Der Punkt lautet: Bequemlichkeit siegt.
Die hält sich beim Abpassen des Paketzustellers und eventueller Rücksendung in Grenzen …
Das ist tatsächlich der Schwachpunkt, an dem bei den Shops und ihren Versandpartnern gearbeitet wird, etwa der Zustellung zwischen 17 und 20 Uhr. Die Stärke liegt in der maximalen Auswahl, der ausführlichen Produktinformation und der Möglichkeit, rund um die Uhr kaufen zu können. Online wird den stationären Handel nicht ablösen, aber so viel Geschäft abnehmen, dass sich der Einzelhandel massiv verändert.
Wie steht es um die Option Multichannel?
Wenn Multichannel eine Notlösung ist, hat das kaum Perspektive. Nur wenn das ur­sprüngliche Geschäftsmodell wettbewerbsfähig ist, macht auch Multichannel als weiteres Standbein Sinn. Wenn eine große Buchhandlung mit ihrem Angebot nicht mit den On­linern mithalten kann, hilft auch ein angedockter Webshop nicht viel.
Mit der Breite des Online-Angebots kann doch kein stationäres Geschäft mithalten.
Deshalb haben es kleinere, spezialisierte Buchhändler wahrscheinlich leichter als große Läden, die mit wenig Personal und ohne besondere Akzente Bücher in der Fläche auslegen. Viel mehr ist es ja nicht. Von den Stärken des stationären Handels ist dort nur die Möglichkeit geblieben, Produkte anzufassen, und das reicht bei Büchern womöglich nicht. 
Kaum Perspektiven für die Großflächen?
Es gibt schon gute Großflächenkonzepte. Kleinere haben es mit der Profilierung aber vermutlich leichter.
Und online gilt: The winner takes it all?
Beim Vergleich der Multichannel-Optionen, Amazon plus Abholstation versus Thalia plus Online-Shop, erscheint mir die erstere vielversprechender, weil Amazon in seinem Stammgeschäft überzeugend ist.
Wo kann ein positiver Ansatzpunkt liegen?
Abstrakt geht es darum, Leuten die Geschichten erzählen, ein Publikum zu erschließen, Themen, Stoffe und Leser zusammenzubringen. Man muss diese Rolle annehmen.
Amazon verfolgt den Ansatz, über Geräte einen neuen Zugang zu Inhalten schaffen. Der Händler wird eher über die gründliche Durchdringung eines Themas und eine entsprechende Plattform zum Erfolg kommen.
Kann er (sich) das leisten?
Das ist nicht so teuer. Was fehlt, ist das wirkliche Verstehen des Online-Geschehens. Das ist schwer für einen Buchhändler, der strampelt, um sein vorhandenes Geschäft zu erhalten.
Die Fragen stellte Thomas Wilking
Jochen Krisch
befasst sich seit 1995 mit Handels- und Verkaufskonzepten über elektronische Medien und ist seit 2001 als unabhängiger Analyst und Berater tätig.

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