Nur Geld einzusammeln ist unsexy

In den USA testen Autoren und Verlag verstärkt die Finanzierung von Bücher-Projekten per „Crowdfunding“ (hier mehr). Auch der Gabal Verlag hat Erfahrungen mit der Schwarmfinanzierung gesammelt. Im Interview erklärt Gabal-Programmleiterin Ute Flockenhaus (ihr Spezialgebiet sind praxisorientierte Wirtschaftsbücher), dass die reine Finanzierung wenig attraktiv sei. Entscheidend sei, die Geldgeber einzubinden.
Seit dem Erfolg einiger Buch-Projekte via Kickstarter ist das Thema „Crowdfunding“ wieder hoch im Kurs. Was zeichnet diese Plattformen aus?
Die spannende Frage bei diesem Thema ist: Wieso machen die Leute da mit? Was motiviert sie, Geld in ein Projekt zu geben, das sie gut finden? Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter oder die deutsche Plattform startnext funktionieren wie eine Spendensammlung. Man spendet Geld, um das Projekt zu unterstützen, und erhält als Anerkennung kleine Dankeschöns wie Kochschürzen oder T-Shirts. Der entscheidende Punkt bei den Plattformen ist, dass es eine Deadline gibt. Wird innerhalb dieser Deadline der ausgeschriebene Betrag nicht erreicht, scheitert das Projekt, das Geld fließt an die Supporter zurück. Letztlich geht es bei diesen Plattformen um das Einsammeln von Geld.
Worum ging es Ihnen bei Ihrem jüngsten Crowdfunding-Projekt? 
Mit unserem Buch „Die 7 SUMMITS® Strategie. Mit Leichtigkeit persönliche Gipfel erreichen“ von Steve Kroeger haben wir einen anderen Ansatz gewählt. Das Thema „Support“ ist eines der sieben Prinzipien seiner Strategie und besagt, dass man hohe Ziele nur gemeinsam mit anderen erreichen kann, nicht als Solonummer. Insofern hat das Crowdfunding, das wir mit dem Buch umgesetzt haben, eine inhaltliche Entsprechung. Unsere Grundidee war, das Supporterteam von Steve Kroeger zu erweitern und alle „7 SUMMITS“-Supporter in das Projekt einzubinden und sichtbar zu machen. Geschehen ist dies, indem jedem Supporter eine eigene Buchseite gewidmet wurde, auf der er in der Fußzeile mit seinem Namen oder seiner Website erscheint. Und das hat super funktioniert. (hier mehr zum Projekt)
Inwiefern?
Inzwischen sind 197 von 240 Buchseiten à 99 Euro vergeben. Die Supporter sind Teil des Projektes, werden auf der Facebookseite von Steve Kroeger sichtbar gemacht, konnten die letzte Bergexpedition von Steve, die Besteigung des Mount Vinson in der Antarktis, live mitverfolgen und sind eingeladen zu einem „7 SUMMITS Supporter Day“, der im Juli stattfinden wird. Im Vordergrund steht bei dieser Form von Crowdfunding nicht das Geld, sondern die Idee des Supports.
Was motiviert die Unterstützer?
Die Menschen wollen Teil von etwas sein, sie wollen sichtbar sein, sich einbringen, mitmachen. Da schlummert also eine Menge Potenzial, dem man eine Plattform bieten kann. Der finanzielle Aspekt ist nebensächlich. Die Idee dahinter zählt. Wenn die stimmig ist, entstehen daraus ganz neue Dinge. Steve Kroeger hat aus seinen Supportern inzwischen ein festes Team gewonnen, das das Projekt auch im Marketing unterstützt. Darüber hinaus entsteht derzeit ein Netzwerk aus „7 SUMMITS Strategie Coachs“. Dies sind nur zwei Beispiele für die Dynamik, die in der Grundidee steckt. 
„Buch­pro­jekte haben auf den deut­schen Crowdfunding-Plattformen nach wie vor einen schwe­ren Stand,“ schreibt die Autorin und Lektorin Andrea Kamphuis. Was sind die Ursachen?
Nur Geld einzusammeln ist wenig attraktiv und relativ unsexy. Es kann zwar funktionieren, aber was hat die Menschheit davon? Entscheidend ist immer die Idee dahinter. Wenn die sinnvoll ist, ist Crowdfunding eine gute Sache.
In welchen Genres könnte Crowdfunding am ehesten erfolgreich sein? 
Menschen wollen Teil von etwas sein, das ist nicht abhängig von Buchgenres. Positiv formuliert: Crowdfunding kann in allen Genres funktionieren.
Welche anderen kreativen Formen der Buch-Finanzierung könnten sich perspektivisch durchsetzen?
Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Allerdings würde ich empfehlen, nicht das Thema Finanzen in den Fokus zu stellen, sondern den Benefit, den alle Beteiligten haben. Hier noch ein Beispiel aus dem Bereich Apps von Daniel Burrus, dessen Buch „Zukunftsflashs“ im Herbst bei Gabal erscheint. Während der Immobilienkrise in den Staaten entwickelte Burrus ein App für die landesweite Suche nach Immobilien. Nun wissen wir alle, dass man mit Apps kein Geld verdienen kann, gleichgültig, ob man eine Downloadgebühr von 0,99 Dollar oder 4,99 Dollar erhebt. Burrus löste das Problem, indem er zur Finanzierung seiner App nicht den Endkunden, sondern Immobilienmakler, Finanzinstitute, Umzugsunternehmen etc. zur Kasse bat. Gegen eine monatliche Gebühr von 24,99 Dollar konnten sie sich das Exklusivrecht sichern, der alleinige Anbieter für ein bestimmtes PLZ-Gebiet zu sein. In den Staaten gibt es 42.000 Postleitzahlen … Das Beispiel zeigt, wie man das Thema Finanzierung kreativ lösen kann, wenn man es aus dem Fokus nimmt.
Die Fragen stellte Daniel Lenz

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