Frankfurt blutet aus

Auch die Gewerkschaft Verdi äußert sich besorgt über den möglichen Umzug des Frankfurter Eichborn-Verlags in das Berliner Aufbau-Haus. Der angekündigte Umzug sei ein weiteres alarmierendes Signal für die ungewisse Zukunft von Frankfurt am Main als Medienstadt, heißt es in einer Meldung der Dienstleistungsgewerkschaft. 

Der Leiter des hessischen Verdi-Fachbereichs Medien, Manfred Moos, fordert Stadt und Region auf, bessere Bedingungen für eine lebendige und zukunftsfähige Verlagsszene zu schaffen: „Ohne Vernetzung der Akteure läuft in kreativen Berufen wenig. Jede Schließung von Verlagen und Redaktionen dünnt dieses Netz aus und verringert die Anziehungskraft von Frankfurt auf Journalisten, Intellektuelle und Kreativarbeiter.“

Die Verlage und ihre Beschäftigten bräuchten jetzt klare Signale, dass sie unverzichtbar zur Stadt gehörten. Verdi regt deshalb einen „Runden Tisch“ an, bei dem Vertreter der Stadt und der Verlage, Verlagsbetriebsräte und Verdi eine Initiative zur Verbesserung der Rahmenbedingungen starten könnten.

Ähnlich äußert sich Joachim Unseld, Eigner der Frankfurter Verlagsanstalt, gegenüber der Frankfurter Rundschau:. „Wir müssen Gespräche darüber führen, wie Frankfurt seine Verlage stärken kann, wie die Kommune eine größere Öffentlichkeit für die Bücher aus Frankfurt herstellen kann“. Und Holger Ehling, früherer Sprecher der Frankfurter Buchmesse ergänzt: „Frankfurt ist kein Pflaster, das Verlage anzieht. Man müsste Geld in die Hand nehmen.“

Die Umzüge der beiden Verlage Eichborn und Suhrkamp nach Berlin sind aus Sicht von Verdi nur die beiden spektakulärsten Fälle für den kulturellen und journalistischen Aderlass der letzten Jahre. Auch der Schulbuchverlag Diesterweg und der Kompart-Verlag hätten vor wenigen Jahren Frankfurt verlassen. Ebenso Besorgnis erregend seien die Umzüge Nachrichtenagenturen dpa und dapd sowie die überwiegende Produktion der überregionalen Teile der Frankfurter Tageszeitungen „FAZ und „Frankfurter Rundschau in Berliner Redaktionsstuben.

„Frankfurt hat es trotz hervorragender Talente nicht geschafft, sich neben München, Köln und Berlin als Filmstadt zu positionieren. Wenn nicht gegengesteuert wird, laufen wir Gefahr, dass auch zukünftige Journalisten, Lektoren und Verlagskaufleute sich direkt nach Berlin orientieren, noch bevor sie von ihren Arbeitgebern durch Umzugsentscheidungen dazu gezwungen werden“, warnt Manfred Moos.

Foto: Thomas Wolf (Wikipedia)

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