E-Reader-Absatz zieht 2011 an

Christina Müller hat für PriceWaterhouseCoopers den deutschen E-Book-Markt untersucht (hier mehr zu den Ergebnissen). Im Interview mit buchreport.de warnt die Medienexpertin die Buchbranche davor, die Digitalisierung zu verschlafen und gibt einen Ausblick auf das entscheidende kommende Jahr.

Christina Müller erläutert die Ergebnisse der Studie bei der „3. E-Book-Konferenz: Enhanced E-Books, Apps & Tablets − Wohin entwickelt sich der Markt?“ in der Akademie des Deutschen Buchhandels (6.12.)

Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation, hat angesichts Ihrer Studie erklärt: „Die deutsche Buchbranche droht, die Digitalisierung zu verschlafen.“ Welche Fehler hat die Branche gemacht?
Bisher hat die Branche noch keine Fehler gemacht. Um aber ähnlichen Szenarien wie in der Musikindustrie zu entgehen, sollten Verlage die Digitalisierung als Chance und nicht als Risiko betrachten und dazu übergehen, sämtliche Neuerscheinungen nicht nur gedruckt, sondern auch digital zu veröffentlichen und ihre Backlist zu digitalisieren. Die Attraktivität digitaler Bücher steht und fällt mit dem verfügbaren Angebot. Bisher gibt es noch kein umfangreiches deutschsprachiges E-Book-Angebot. Ein großter Teil der digital verfügbaren Bücher liegt meist im PDF vor und ist deshalb für elektronische Lesegeräte nur begrenzt geeignet. Wenn Konsumenten einen Großteil der Bücher, die sie für ihr Lesegerät kaufen wollen, nicht finden, hemmt das die Entwicklung des Marktes. Zudem laufen die Verlage Gefahr, dass die Bücher illegal beschafft werden, wenn sie legal nicht angeboten werden. Wir haben festgestellt, dass ein Großteil der Bücher auch dann auf den einschlägigen File-Sharing-Seiten heruntergeladen werden kann, wenn es sie als E-Book offiziell noch gar nicht gibt. Da die Akzeptanz illegaler Angebote steigt, je mehr diese heruntergeladen werden, sollten die Verlage schnell ihren aktuellen Buchbestand digitalisieren und E-Books zu einem akzeptablen Preis anbieten.

Heute sind Ihrer Studie zufolge E-Reader bei gerade einmal bei 50.000 bis 80.000 Kunden im  Einsatz.  Für wann rechnen Sie mit dem „Tipping Point“?
Wir erwarten, dass der Absatz von E-Readern schon im nächsten Jahr signifikant an Fahrt gewinnt und bis Ende 2011 eine halbe Millionen Lesegeräte verkauft werden. Tablets wie Apples iPad werden den Markt auch in Zukunft dominieren. Selbst wenn diese nicht primär als Lesegerät eingesetzt werden und E-Books eine Nischenanwendung für diese Geräte bleiben.

Was muss bis dahin passieren?
Amazon hat mit seinem Kindle gezeigt, wie E-Books und E-Reader erfolgreich vermarktet werden können. Und die Anbieter in Deutschland haben den Weg in die richtige Richtung auch schon eingeschlagen. Die E-Reader müssen leicht bedienbar sein, über einen Internetzugang und eine integrierte Shoplösung verfügen und mit einem besseren Bildschirm (Farbdisplay) ausgestattet werden. Wichtig ist auch eine schnellere Blätter-Funktion. Und das natürlich alles zu einem vergleichsweise geringen Preis. Die Reader, die jetzt auf den Markt kommen, erfüllen diese Bedingungen zum großen Teil schon. Lediglich die mobile Internetanbindung fehlt noch. Aber warten wir mal auf das nächste Frühjahr, dann wird voraussichtlich auch Amazon in Deutschland aktiv werden und den Markt anheizen. Allerdings genügt chicer Reader alleine nicht. Natürlich muss es auch ausreichend Content dafür geben….

Die größte Herausforderung solcher Studien für dynamische Märkte ist die Prognose. Wie umschiffen Sie das Risiko, am Ende weit danebenzuliegen?
Wir haben den Markt sehr gründlich untersucht und sind überzeugt, dass wir mit unseren Einschätzungen richtig liegen. Und wir haben eher konservativ geschätzt. Eine Prognose bleibt eine Prognose. Unvorhersehbare Ereignisse können wir natürlich auch wir nicht berücksichtigen.

Die Fragen stellte Daniel Lenz

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