Bernd Sommerfeld: E-Reader sind nicht dem Tod geweiht

Bernd Sommerfeld: E-Reader sind nicht dem Tod geweiht

Das iPad übertrifft derzeit die E-Reader, weil diese keine multimedialen E-Books darstellen können. E-Reader sind damit nicht passé, denn HTML5 hat das Potential, einen Paradigmenwechsel im E-Book-Markt auszulösen. Weiterer Trend: Weg von Apps, hinein in die Cloud.Topp-aktueller Test: 10 von 15 E-Book-Readern, die die Stiftung Warentest begutachtet hat, sind „gut“. Am besten abgeschnitten haben die beiden Lesegeräte Bookeen Cybook Opus (222 Euro) und Iriver Story (261 Euro). Der günstigste „gute“ Reader ist der Sony Reader Pocket Edition für 172 Euro. Der Kindle DX von Amazon war in der Untersuchung nur „befriedigend“. Beim Kauf werden Verbraucher darauf hingewiesen, welchen Kopierschutz der Reader unterstützt. Denn bei E-Books konkurrieren verschiedene Kopierschutzsysteme, und kein Reader unterstützt sie alle. Zum Beispiel laufen E-Books von Apple und Amazon nur auf den Readern von Apple und Amazon und nicht auf denen anderer Anbieter. Die Testergebnisse sind in der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift test veröffentlicht…

Was rät der Händler seinen Kunden ?

Elektronisches Lesegeräte werden noch immer – trotz besserer und kontrastreicher Displays – kaum als gleichwertige Alternative zum gedruckten Buch akzeptiert. Doch das soll sich, auch angesichts der wachsenden Mobilität der Konsumenten und der Gewohnheit, mehr am Bildschirm zu lesen, bald ändern – auch wenn das Angebot an deutschsprachigen E-Books im internationalen Vergleich noch sehr gering ist. Heute können Leser ca. 100.000 Titel in digitaler Form erleben, das entspricht etwa acht Prozent aller lieferbaren Bücher. Im offenen ePUB-Format, das von verschiedenen Readern wiedergegeben werden kann, gibt es jedoch nur rund 8000 Titel.

Die kanadische Autorin Kate Pullinger Teilnehmerin der diesjährigen TOC-Konferenz in Frankfurt, beschreibt die Vorteile der digitalen Prosa – und die Nachteile der gängigen E-Reader und sagt:

„Keiner der auf dem Markt erhältlichen E-Reader sagt mir zu. Sie sind entweder schick und teuer oder ganz übel – und ich möchte nicht, dass das Gerät für mich entscheidet, wo ich meine Bücher kaufe. Ich werde warten, bis der E-Reader-Markt etwas weiter gereift ist. Mich interessiert nicht das Gerät, ich will den Inhalt…“

Hoffnungsfroh lesen wir gerade bei Rowohlt: „Enhanced eBooks zur Buchmesse 2010“, und schon stellen sich die informierten Leser die Frage, ob sich die derzeitigen eReader wie Kindle, Sony oder OyO überhaupt dafür eignen. Die eReader werden zwar immer billiger, können aber keine enriched eBooks und damit wirklichen Mehrwert zeigen. Den Klassenzimmer-Test bestehen sie nicht. Innovative Lehrbücher, Kochbücher und Reiseführer auf dem iPad dagegen machen einfach alles. Das iPad ist eine ganz neue sinnliche Erfahrungen im Umgang mit digitaler Hard- wie Software. Dabei verschmelzen Text, Ton, Video und die Interaktion zwischen dem Autor und seinen Lesern zu einer völlig neuen Darstellungsform. Aber das iPad braucht keine Werbung. Jeden Tag kommen hier Neuheiten und Apps mit neuen Nutzungsmöglichkeiten. Ist der eReader damit passé? Kann HTML5 den Readern helfen? Gibt es dann wieder neue Reader?

Aber ja. Hundertprozentig. Der Trend geht ganz eindeutig hin zu HTML5 in Kombination mit CSS 3 und Javascript. Auch ePubs lassen sich damit perfekt „aufbohren“ und multimediafähig und interaktiv – bis hin zu Geolocation- und Drag&Drop-APIs – machen. Das ist im Grunde auch das Prinzip, das App-Firmen von Anfang an verfolgt hatten: Auf ePub aufsetzen und mit den oben genannten Tools verbessern…

Und HTML5 hat das Potential, einen Paradigmenwechsel im E-Book-Markt auszulösen. Neben neuen Elementen zur semantischen Auszeichnung definiert es viele neue JavaScript-APIs und enthält Elemente, die in Sachen Grafik und Multimedia neue Möglichkeiten eröffnen. Es enthält eine Reihe neuer HTML-Elemente und DOM-APIs, mit denen Webapplikationen der Zukunft gebaut werden. Testen Sie selbst: http://html5-buch.de/demos
HTML5 ist weder an Apple, Amazon, Google etc. gebunden und ist keine proprietäre Erweiterung.
Es ist offen. Frei. Auch wenn manche Apps-Fabriken HTML5 noch nicht nutzen – weil nicht alle Funktionen unterstützt werden. z. B. die GIS-Daten –, HTML5 hat Zukunft. Auch bei Mobiltelefonen, Spielkonsolen und TV-Browsern…

Eine weitere Tendenz, die sich heute schon abzeichnet: Weg von Apps, hinein in die Cloud. Software , Musik und Bücher mieten statt kaufen (Stichwort SAAS). Also jederzeit von überall Zugriff auf alles (always, anything, anytime), aber auch „seine“ Inhalte offline, also auf dem Gerät verfügbar zu haben. Sobald eine ausgewachsene Framework-Lösung zur Zahlungsabwicklung bereitsteht — daran wird wohl vielerorts eifrig gearbeitet —, werden die monolithischen herstellergebundenen Shops unter Druck geraten. Das gleiche gilt für die Biotope vom Schlage eines Kindle ebenso wie eines iBook-Store. Langfristig werden sich schlanke, HTML5-fähige Always-Online-Geräte durchsetzen, die für keine spezifische Aufgabe konzipiert wurden, aber 90% der Anwendungsfälle abdecken.

Kommentare

3 Kommentare zu "Bernd Sommerfeld: E-Reader sind nicht dem Tod geweiht"

  1. Veranstaltungstipp: Lernapp statt Schulbuch am 24 Okt. in Hamburg http://bildungsbrunch.pbworks.com/Lernapp-statt-Schulbuch

  2. der Kindle 3, der seit ein paar wochen auf dem markt ist, ist m.e. überhaupt erst der erste ernstzunehmende e-reader: von der leseerfahrung her, vom preis her, von der offenheit für web-texte & -formate.

    ich glaube also, dass man erst ab jetzt seriös abschätzen können wird, wie sich das aufspalten wird: zwischen multimedialen lese-angeboten (iPad) und monomedialen elektronischen büchern (e-ink).

  3. Super Text. Der Hinweis auf html5 ist sehr wichtig – vielleicht der Schlüssel zur Zukunft. „Klassenzimmertest“ wird ab sofort in meinen Sprachgebrauch übernommen.

    i42 die tango-Web-Macher gehen übrigens auch den iPad-Wolkenweg (Link zur Pressemeldung):
    http://www.marketingit.de/content/news/digitale-magazine-lassen-sich-guenstig-erstellen;72733

    Zu dem Thema habe ich ein Dossier publiziert (Link zum PDF):
    „Dossier iPad – Chancen und Risiken durch neue Lesegeräte“
    http://www.markstein.com/tango/Dossier_iPad_V2.pdf

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