Kleinvieh für vier Cent

Im Buchhandel sind Preise, die auf 99 Cent enden, noch die Ausnahme. Bisher hatte von den großen Verlagen lediglich Bastei Lübbe seine Novitätenproduktion im vergangenen Jahr flächendeckend auf die Cent-Schnapszahl hochgepreist. Jetzt folgt mit Random House immerhin die größte deutsche Publikumsverlagsgruppe dem Vorbild: Die Mehrheit der Herbstnovitäten der Bertelsmann-Tochter wird mit 99er-Preisen in den Buchhandel kommen.

Den Hintergrund der Anhebung von 95- auf 99-Cent-Preise bildet die Diskussion um höhere Buchpreise, die Random House-Chef Joerg Pfuhl selbst im vergangenen Jahr im buchreport-Interview angestoßen hat. Jetzt begründet die Münchner Verlagsgruppe auf Anfrage den aktuellen Vorstoß: „Wir wissen, dass das leichte Marktwachstum der letzten Jahre vor allem auf Preiserhöhungen zurückzuführen ist. Auch die Verlagsgruppe Random House hat sich intensiv mit dem Pricing ihrer Bücher befasst und – wo möglich und sinnvoll – die Preise moderat erhöht. Unsere Handelspartner haben uns darin bestärkt, und die ersten Erfahrungen zeigen, dass auch die Endverbraucher geringfügig höhere Preise akzeptieren.“

Auflagenhebel macht aus Cent viele Euros

Der 4-Cent-Aufschlag hart an die jeweilige Preisgrenze gilt als eleganter Weg,  Zusatzerlöse für den Verlag und anteilig auch für den Handel zu generieren, ohne Kunden vom Kauf abzuhalten. Motto: Kleinvieh macht auch Mist.

Bastei-Lübbe hatte bei seinem Vorstoß ausgerechnet, dass der Aufschlag ca. 250.000 Euro zusätzlich in die Kasse spült. Bei der Verlagsruppe Random House dürfte das Potenzial sogar bei knapp 1 Mio Euro liegen, zumal die umsatzstärksten der derzeit 44 Imprints mit von der Partie sind. Ausdrücklich ausgenommen sind lediglich die Label Blessing, Edition Elke Heidenreich, GVH Wissenschaft, Manesse, Siedler, Prestel, Riemann und Kösel Schulbuch. Neben den 99er-Preisen soll es außerdem auch in Zukunft glatte Euro-Preise geben, „wo es unter speziellen Marketinggesichtspunkten sinnvoll ist“, heißt es aus München.

aus buchreport.express 27/2010

Kommentare

1 Kommentar zu "Kleinvieh für vier Cent"

  1. Klaus Deichmann | 9. Juli 2010 um 20:51 | Antworten

    Was soll dieser Unfug?
    Nichts gegen etwas höhere Buchpreise, aber doch nicht auf diese kleinkrämerische Art und Weise.
    „Darf’s für 4 cent mehr sein?“
    Schon heute lachen uns die Kunden aus, wenn sie z.B. für ein Lübbe Taschenbuch für 8,99 € zahlen
    sollen. Viele wollen den einen „Roten Heller“ nicht zurückhaben. Manch einer steht auf dem Standpunkt, dass die ganzen roten Münzen aus dem Verkehr gezogen werden sollten, weil sie reine Augenwischerei seien.
    Es gibt auch noch einige interne Gründe diesen Unsinn zu verurteilen, die ich hier nicht anführen will.
    Weshalb denn bitte keine glatten Preise? Kaum ein Buchkäufer wird sich daran stoßen. Beispiele dafür, dass das mit runden Preisen problemlos
    funktioniert, gibt es seit Jahren genug.
    Für mich ist das reiner Aktionismus. Aber wer von den „Entscheidungsträgern“ fragt uns schon?

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