Nur Romane schwimmen oben

Auch die Buchverkäufe im Mai haben dem stationären Buchhandel keine Wende gebracht. Im Juni gibt es immerhin einen Verkaufstag mehr und das neue „Bis(s)“-Buch ist gut gestartet.

Die Umsatzentwicklung im Sortimentsbuchhandel bleibt unbefriedigend. Auch wenn es einige „technische“ Gründe für die rückläufigen Mai-Umsätze gibt, fügt sich das Minus doch allzu nahtlos in den insgesamt negativen Jahrestrend ein, den buchreport repräsentativ und gewichtet nach Umsatzgrößenklassen im stationären Buchhandel erhebt:

  • Der Umsatztrend weist für Mai 2010 ein Minus von 6,5% gegenüber dem Vorjahresmonat aus.
  • Gut 4% gehen dabei auf die Kappe des Kalenders: Es stand ein Verkaufstag weniger zur Verfügung und der 1.-Mai-Feiertag fiel zudem auf einen Samstag und damit auf einen potenziell umsatzstarken Tag.
  • Hinzu kommt, dass sich der Mai im buchkonjunkturell freundlicheren Vorjahr als Wonnemonat mit 3% Umsatzplus präsentiert hatte; damit lag die Latte für den Mai 2010 deutlich zu hoch.

Das alles relativiert zwar das aktuelle Umsatzminus, nicht aber die weit unter der Nulllinie dümpelnde Kurve des bisherigen Jahresverlaufs: Der kumulierte Umsatz liegt im Durchschnitt 5,5% unter dem Vorjahr. Bei allen standortbedingten Abweichungen ist der Trend damit eindeutig negativ und macht Standortbuchhändlern ebenso zu schaffen wie Filialbetrieben.

Juni mit Impulsen und dem Fußball-Fragezeichen

Weil die Nachfrage im ersten Halbjahr traditionell deutlich schwächer ausfällt als in der zweiten Jahreshälfte, ist das Gesamtjahr noch nicht verloren. Die jetzt abgeschlossenen ersten fünf Monate stehen nach allen Erfahrungen „nur“ für ein Drittel des Jahresumsatzes.

Auch der Juni gehört noch zu den schwächeren Monaten, der jetzt aber mit einem zusätzlichen Verkaufstag und dem neuen Stephenie Meyer-Titel etwas Rückenwind erfährt: „Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl“ hat sich in der vergangenen Woche bei nur einem Verkaufstag gleich an die Spitze der SPIEGEL-Bestsellerliste geschoben.

Das Buch kommt von den Verkaufszahlen zwar nicht annähernd an den Stapelverkauf von „Bis(s) zum Ende der Nacht“ heran, immerhin aber an die Erstverkaufstags-Benchmark von Dan BrownsDas verlorene Symbol“.
Als Dämpfer könnte sich allerdings die Fußball-WM erweisen, die das Einkaufs- und Mediennutzungszeitbudget belastet, sowie das Sparpaket der Bundesregierung als psychologische Konsumbremse. Die zuletzt zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Baustellen fördern die Verunsicherung, wie eine aktuelle europäische Verbraucherbefragung zeigt. Demnach machen sich insbesondere die Deutschen mehr Sorgen denn je.

Wer Sorgen hat, liest einen Roman

Die einzige Abteilung, die sich vor diesem Hintergrund keine Sorgen machen muss, ist die Belletristik, die auch im schwachen Mai ein Umsatzplus aufweist, und zwar vor allem durch Spannungsliteratur. Mit einem nur kleinen Minus schneiden auch Kinder- und Jugendbuch deutlich besser ab als der Sortimentsschnitt, ebenso Sachbücher.

Reise- und Ratgeberthemen sind da schon deutlicher im Minus, allerdings schlagen sich einzelne Untergruppen wie Kochbücher weiterhin überraschend gut (buchreport berichtete). Wenig Freude bereiten dagegen die verschiedenen Fachbuch-Genres, und auch „Schule & Lernen“ hat vor dem jetzt anstehenden Schulbuch-Saisonbeginn keinen guten Lauf.

Durchschnittspreis sinkt wieder

Der Absatz entwickelt sich derzeit ebenfalls negativ, aber etwas besser als der Umsatz. Das bedeutet, dass der erzielte Durchschnittspreis derzeit geringfügig niedriger ist als im Vorjahr. 

Vor einem Jahr war der Durchschnittspreis pro Buch um 2,8% gestiegen, wozu neben moderaten Preissteigerungen auch die besondere Hebelwirkung hoher verkaufter Stückzahlen bei einer ganzen Reihe hochpreisiger Bestseller beigetragen hatten. 

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