Leander Wattig: Was ist das Buch 2.0?

Seit Jahrhunderten ist die Codexform die dominierende Buchform. Allerdings erleben wir zehn Jahre nach dem ersten E-Book-Hype nun immer stärker einen massiven Medienwandel. Die Frage lautet künftig weniger, ob Buch oder Blog oder Zeitung, sondern eher ob Roman oder Gedicht oder Chronik.

Seit Jahrhunderten ist das gedruckte Buch der Wissensspeicher schlechthin und die Codexform die dominierende Buchform. Kein anderes Medium konnte in der Vergangenheit die Vorteile von Büchern übertreffen, wenn es um längere Texte ging. Allerdings erleben wir 10 Jahre nach dem ersten E-Book-Hype nun immer stärker einen massiven Medienwandel, der durch das Internet und die digitalen Medien ausgelöst worden ist. Vergleichbar ist dieser Umbruch wahrscheinlich nur mit jenen epochalen Umbrüchen, die beispielsweise die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern und die Entwicklung der Schrift ausgelöst haben.

Wenn nun aber die heutigen Kommunikationsgeräte wie E-Reader, Tablets und Netbooks in den nächsten Jahrzehnten tatsächlich so enorm verbessert werden, wie es viele Beobachter erwarten, stellt sich die Frage, was das für das Buch bedeutet? Dieser Frage durfte ich am 07.12.09 während eines Vortrages im Rahmen der Reihe Alles Buch 13 des Studienganges Buchwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg nachgehen. Das Vortragsthema lautete: „Buch 2.0“ – Die Zukunft des Buches in der digitalen Welt.

So ist es beispielsweise sehr wahrscheinlich, dass im Zuge besserer Hardware und Software das Lesen von längeren Texten auf elektronischen Geräten immer vorteilhafter wird, sodass die unbestreitbaren Vorteile von auf Papier gedruckten Büchern in sehr vielen Nutzungssituationen ausgeglichen und später auch übertroffen werden können. Teilweise ist das heute schon der Fall. Weitere Gedanken zum Thema finden Sie auf den begleitenden Präsentationsfolien:

Der Versuch eines Fazits:

  • Wir erleben den größten Medienwandel seit der Erfindung des Buchdrucks.
  • Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Codexform ihre Rolle als dominante Buchform nach vielen Jahrhunderten verlieren wird.
  • Keiner kann verlässlich prognostizieren, wie „Bücher 2.0“ genau aussehen werden.
  • Sicher scheint aber zu sein, dass es nicht nur eine Art „Buch 2.0“ geben wird.
  • Wahrscheinlich ist, dass es viele auf die jeweilige Nutzungssituation hin optimierte Buchformen geben wird.
  • Es ist jedoch fraglich, ob wir künftig abgesehen von gedruckten Büchern im Zusammenhang mit längeren Texten überhaupt von Büchern sprechen werden.
  • Viel wichtiger werden die Art der Inhalte und deren Aufbereitung sein.
  • Die Frage lautet künftig also weniger, ob Buch oder Blog oder Zeitung, sondern eher ob Roman oder Gedicht oder Chronik.
  • Künftig müssen Buchtexte zudem nicht mehr „abgeschlossen“ werden, um vertrieben zu werden. – Sie können sich endlos und kontinuierlich entwickeln.
  • Im übertragenen Sinne gilt: Die digitalen Medien sind das Buch der Zukunft.

Leander Wattig, Berater bei content-press und Autor eines Blogs über Medientrends

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