Mit wenigen Klicks jederzeit zum Content

Das Berliner Start-Up Unternehmen Textunes will den Vertrieb von E-Books für Apples Smartphone iPhone forcieren und hat die erste deutschsprachige Literaturplattform für das Gerät gelauncht. Das Titelangebot umfasst aktuell rund 80 Titel, darunter Krimis der Edition Nautilus (z.B. von Andrea Maria Schenkel), Text-Audio-Books sowie Reiseführer, die in einer Applikation gebündelt werden. Im Interview mit buchreport.de erklärt Textunes-Chef Volker Oppmann (Foto), warum iPhone-Bücher kein Hype sind und was das iPhone als Lesegerät prädestiniert.

Die Absatzzahlen von iPhone-Büchern sind noch gering. Sind E-Books fürs iPhone ein neuer Hype oder tatsächlich eine Erlösquelle?
Ganz eindeutig Zweiteres – man darf nicht vergessen, dass es sich um einen völlig neuen Markt handelt, der sich gerade erst zu entwickeln beginnt. Der iTunes AppStore startete vor gerade einmal einem knappen Jahr – zur Frankfurter Buchmesse im Herbst 2009 gab es nicht mehr 200 E-Books im Store, davon lediglich zwei mit aktuellem deutschsprachigem Content, und die waren von uns bzw. aus meinem Verlag Onkel & Onkel. 

Dass wir allein mit „50 Erfolgsmodelle“ von Kein & Aber  – mit 12,99 Euro im AppStore nicht gerade ein Schnäppchen – in den letzten Monaten mehr als 300 Exemplare verkauft haben, werte ich insofern schon als kleine Sensation. 

Was prädestiniert das iPhone als E-Book-Reader?
Da gibt es eine Menge von Gründen: Da wären zum einen das wirklich herausragende, hochauflösendes Display sowie die Tatsache, dass ich mir zusätzlich kein weiteres Gerät anschaffen muss. Viel interessanter ist aber die Tatsache, dass das iPhone mit dem AppStore über einen eingebauten Vertriebskanal verfügt, an den ich als Nutzer mit meinem iTunes-Kundenkonto automatisch angeschlossen bin.
Gekrönt wird das Ganze durch die Anbindung an das Mobilfunknetz. Ich komme zu jeder Zeit von überall mit nur wenigen Klicks an jeden erdenklichen Content heran, oder im Marketingsprech: anything, anywhere and anytime.

Verlage fürchten ein Preisdumping, da die meisten Apps vergleichsweise günstig sind. Wie kann das verhindert werden?
Ganz einfach: durch höhere Preise. Die Verlage legen die Preise ja selbst fest – zumindest bei uns. Insofern sollten sie auch kein Preisdumping fürchten, sondern sich für eine Strategie entscheiden und diese auch konsequent verfolgen, wobei wir natürlich beratend zur Seite stehen. 

Hinzu kommt, dass aktuell noch die aus der Musikbereich gelernten Preisstrukturen die Kaufentscheidung beeinflussen. Insofern gilt es nun, zunächst ein relevantes Angebot aufzubauen und zugleich ein Preisbewusstsein zu schaffen, nicht zuletzt für die Wertigkeit des Contents.

Damit lässt sich zwar kurzfristig noch kein Geld verdienen, aber: Noch sind die Downloadzahlen durch das begrenzte Angebot ziemlich gering, doch sobald sich ein Markt  ausgebildet hat, profitieren die Verlage von der „anerzogenen“ Preisstruktur. 
Tatsache ist außerdem: Preiswerter werden kann man immer, teuerer werden nicht. Insofern ist es auch eine bewusste Entscheidung von uns und unseren Verlagen, uns nicht auf einen Preiskampf mit 0,79 Cent-Titeln einzulassen, die allein auf Sichtbarkeit in den Toplisten abzielen. Unsere Strategie: mit anderen Mitteln Aufmerksamkeit erzeugen!

Was kostet Ihre Konvertierung ins iPhone-Format?
Die Kosten sind abhängig von Umfang und Komplexität der jeweiligen Werke sowie natürlich von der Qualität der Daten, die uns der jeweilige Verlag zur Verfügung stellen kann. Die Umsetzung reine Textbände liegt erfahrungsgemäß aber zwischen 150 und 250 Euro pro Titel.

Die meisten E-Books sind noch Eins-zu-eins-Umsetzungen der gedruckten Bücher. Wie sehen E-Books der Zukunft aus?
Gerade dieser Punkt ist einer unserer Alleinstellungsmerkmale: Bücher weiter denken und neue Produktformen entwickeln, die sich an den Möglichkeiten des Mediums orientieren – sei es durch verlinkte Fußnotenkapitel, eingebundene, voll skalierbare Grafiken, Geotagging bei Reiseführern, integrierte Text-Audio-Titel (und damit im wirklichen Sinne des Wortes „Hörbücher“), die Verbindung von Offline- und Online-Content über servererseitige Anwendungen und vieles anderes mehr.
Die Liste aktuell geplanter Weiterentwicklungen ist lang und wir freuen uns darauf, sowohl die Branche als auch unsere Leser immer wieder mit neuen Features zu überraschen … Mehr möchte ich aber nicht verraten, da die Konkurrenz bekanntlich ja auch nicht schläft, sondern sehr genau beobachtet, was wir tun.

Die Fragen stellte Daniel Lenz

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