Umbau und Abbau

Die Zeichen standen seit Wochen an der Wand, die Frage war nur, wer als Erster den Panikknopf drücken würde. Letztlich war es Random House Inc. (das Foto zeigt den Sitz am Broadway), doch die anderen US-Verlagsgruppen folgten dem Marktführer auf dem Fuße: Die am mittlerweile sogenannten „Schwarzen Mittwoch“ und in den Tagen danach in New York verkündete Welle von Hiobsbotschaften hat die amerikanische Buchbranche in ihren Grundfesten erschüttert.

Dass die tiefgreifende Umstrukturierung von Random House für erhebliche Schlagzeilen sorgen würde, war klar. Überraschend kam sie allerdings nicht. Seit Markus Dohle im Juni Peter Olson als CEO und Chairman beerbt hat, war es nur eine Frage der Zeit, wann der neue Mann aus Gütersloh seine Duftmarke setzen würde, die mit der Auflösung von Bantam Dell Publishing Group und Doubleday Publishing Group kräftig ans Eingemachte geht.

Und so sehen die ab sofort geltenden Verlagseinheiten, Strukturen und Führungslinien bei der Bertelsmann-Tochter am Broadway aus:

  • Die von Gina Centrello (49) geleitete Random House Publishing Group übernimmt die auf Unterhaltungsliteratur spezialisierten Bantam-Dell-Verlage inklusive The Dial Press sowie das Doubleday-Imprint Spiegel & Grau.
  • Sonny Mehta (66), der als Verleger von Alfred A. Knopf die literarischen Ambitionen von Random House seit vielen Jahren erfolgreich pflegt, integriert unter dem Dach der neu firmierten Knopf Doubleday Publishing Group die Verlage Doubleday und Nan A. Talese.
  • Bei Jenny Frost (52) und der Crown Publishing Group landen die Sachbuchverlage der Doubleday-Gruppe, allen voran Broadway, Doubleday Business, Doubleday Religion und WaterBrook Multnomah.
  • Nicht betroffen von dem Umbau ist Random House Children’s Books, den Verlagschef Chip Gibson in den vergangenen Jahren zu einem der führenden Kinder- und Jugendbuchverlage der USA aufgebaut hat.

In seinem Memo an die Mitarbeiter betont Dohle ausdrücklich, dass alle Imprints ihre verlegerische Unabhängigkeit behalten und die Verlagsgruppen im Kampf um Buchrechte auch weiterhin gegeneinander bieten werden. Offen lässt er dagegen, ob und in welchem Umfang es durch die Auflösung der beiden Verlagsgruppen zu weiteren Entlassungen kommen wird.

Mit Bantam-Dell-Chef Irwyn Applebaum und Doubledays Verleger Stephen Rubin hat es bereits zwei prominente Opfer gegeben. Doch während Applebaum, der Bruder von Random House-Sprecher Stuart Applebaum, das Unternehmen nach 25 Jahren sang- und klanglos verlassen hat, laufen mit Rubin Gespräche über eine neue Funktion in Dohles direktem Umfeld.

In den US-Verlagsgruppen geht der Rotstift um

Kaum war Dohle mit seinem Restrukturierungskonzept, das im Übrigen in  Teilen der US-Buchbranche durchaus positiv, teils sogar als längst überfällig kommentiert wird, an die Öffentlichkeit gegangen, schienen die Dämme zu brechen. So weit wie Random House ist die Konkurrenz zwar (noch) nicht gegangen, aber der Sparstift greift in unterschiedlichen Ansätzen überall:Simon & Schuster stellt ab sofort 35 Mitarbeiter frei, darunter überraschend auch Rick Richter, Präsident von Simon & Schuster Children’s.

  • Simon & Schuster stellt ab sofort 35 Mitarbeiter frei, darunter überraschend auch Rick Richter, Präsident von Simon & Schuster Children’s.
  • Nachdem im Laufe des Jahres bereits 115 Stellen eingespart wurden, hat Thomas Nelson, der weltweit größte Bibelverlag, aufgrund einbrechender Umsätze im September und Oktober weitere 54 Jobs per sofort aufgekündigt.
  • Bowker hat 13 Mitarbeiter nach einer Umstrukturierung entlassen.
  • John Makinson, CEO und Chairman der Penguin Group, hat für 2009 weltweit alle Gehälter oberhalb 50000 Dollar eingefroren.
  • HarperCollins verschiebt die zum 1. Januar geplanten Gehaltserhöhungen auf Juli 2009 (oder später); Entlassungen sind laut Sprecherin Erin Crum möglich, doch ist noch keine Entscheidung gefallen.
  • John Sargent, CEO der amerikanischen Holtzbrinck-Verlage, wird nach einem Meeting mit führenden Mitarbeitern zitiert, dass er nicht jeden Arbeitsplatz garantieren kann.

Derweil überschlagen sich die Ereignisse bei Houghton Mifflin Harcourt (HMH). Zuerst hatte die seit zwei Jahren zum irischen Private-Equity-Unternehmen Education Media and Publishing gehörende Verlagsgruppe die Branche Ende November mit einem vorläufigen Einkaufsstopp für das allgemeine Buchprogramm geschockt (buchreport berichtete). Nur wenige Tage später schob Education-Präsident Jeremy Dickens nach, dass der Publikumsverlag „eigentlich“ nicht zum Verkauf steht, aber die hoch verschuldeten Iren bei einem entsprechenden Angebot durchaus mit sich reden lassen würden.

Konkrete Angebote liegen zum jetzigen Zeitpunkt dem Vernehmen nach nicht vor, doch die Demontage des renommierten Verlags, der u.a. Philip Roth, Jonathan Safran Foer, Chris van Allsburg und Günter Grass verlegt, geht weiter. Anfang der vergangenen Woche hat Verlegerin Becky Saletan, die erst im Januar den Posten übernommen hatte, zusammen mit einer Reihe von Lektoren kurzfristig das Haus verlassen. Und auch im Schulbuchbereich von HMH rumort es: CEO Toni Lucky schließt im Rahmen von Umstrukturierungen den Verlust von „mehreren Hundert Arbeitsplätzen“ nicht aus.

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